Polarlichter fotografieren

Wer Polarlichter fotografieren möchte, muss sich auf Kälte und Dunkelheit einstellen. Es ist also eine gute Idee, sich schon mal bei Licht und Wärme mit dem Thema auseinanderzusetzen.

AUSRÜSTUNG

Polarlichter sieht man in der Arktis. Und dort ist es meist kalt, insbesondere nachts. Warme Kleidung und Handschuhe sind also ein Muss. Im Winter sind zudem auch Hand- und Fusswärmer nützlich, da dann die Temperaturen in der Arktis bei deutlich unter -20°C liegen können. Bei so grosser Kälte sollte man daher auch Ersatzakkus mitnehmen. Und zudem darf ein luftdichter Plastiksack nicht fehlen, um die Kamera nach getaner Arbeit langsam und ohne Kondensat wieder aufzuwärmen.

Wer seine Kamera nicht komplett blind bedienen kann (und das sind die wenigsten unter uns), sollte eine Stirnlampe oder eine Taschenlampe mit Clip mitnehmen. Diese ist nützlich, wenn man doch mal kurz die Kameraeinstellungen überprüfen muss. Zudem kann eine solche Lampe auch zum Light Painting genutzt werden, doch dazu später mehr.

Grundsätzlich ist jede Kamera für Polarlichtaufnahmen geeignet, die man komplett manuell einstellen kann. Ein möglichst lichtstarkes Weitwinkelobjektiv ist auf jeden Fall Pflicht. Bei uns hat sich ein 24-70mm f2.8 oder ein 16-35mm f2.8 bewährt.

Und last but not least benötigt man ein gutes Stativ. Dieses sollte genug stabil sein, damit die Kamera auch bei Wind nicht wackelt. Es lohnt sich also, bei der Nutzlast etwas höher zu gehen als das tatsächliche Gewicht der Kamera. Wenn Kamera und Objektiv max. 1.5 kg wiegen, ist eine Nutzlast von 4-5 kg sicherlich hilfreich.

Wenn es wirklich kalt ist, sollte man weder die Kamera, noch den Sucher, noch das Stativ mit der Haut berühren. Denn bei so kaltem Material würde man leicht festfrieren!

Also nochmals in Kürze:

  • Warme Kleidung
  • ev. Wärmepads (auch für die Akkus gut!)
  • Luftdichter Plastiksack für Kamera
  • Manuell einstellbare Kamera
  • Lichtstarkes Weitwinkelobjektiv
  • Stativ
  • Taschenlampe

EINSTELLUNGEN

Um Polarlichter richtig kräftig abzubilden, ist eine Langzeitbelichtung nötig. Bei uns haben sich folgende Einstellungen bewährt:

  • Einstellung M (Manuell) oder S/T (Zeitvorwahl)
  • Belichtungszeit 15 Sekunden
  • Blende 2.8
  • ISO-Wert 1000 (als Vorwahl oder Maximalwert)
  • Selbstauslöser 2 Sekunden (um eine Verwackelung durchs Auslösen zu vermeiden)
  • Manueller Fokus

Bei Belichtungszeiten von mehr als 15 Sekunden kann es bereits zu Bewegungsunschärfen bei den abgebildeten Sternen kommen. Und bei einem ISO-Wert von mehr als 1000 steigt das Bildrauschen an.

Die grösste Herausforderung ist der Fokus. Denn bei fast kompletter Dunkelheit funktioniert der Autofokus nicht. Man muss also manuell fokussieren. Doch auch das ist bei Dunkelheit nicht einfach. Wenn man z.B. einen Baum oder ein Gebäude im Vordergrund hat, sollte man auf dieses scharf stellen. Doch wie? Der beste Trick ist tatsächlich, bereits bei Tageslicht mögliche Aufnahmestandorte auszukundschaften und den Fokus bereits bei Licht einzustellen. Am besten fixiert man den Fokusring dann mit einem Klebestreifen. Sony-Kameras zeigen die Entfernung beim manuellen Fokussieren zudem digital an. Hier kann man sich natürlich auch einfach die entsprechende Fokusdistanz merken und auf den Klebestreifen verzichten.

Auch wenn man keinen Vordergrund im Bild hat, ist das Fokussieren nicht ganz einfach. Der erste Gedanke wäre, auf „unendlich“ zu fokussieren. Doch heutige Kameraobjektive haben bei „unendlich“ keinen Anschlag, sondern gehen zum Schutz des Autofokus-Antriebs über die Unendlichposition hinaus. Auch ohne Vordergrund muss man dem Fokussieren also Aufmerksamkeit schenken.

LIGHT PAINTING

Mit einer einfachen Taschenlampe kann man mit etwas Unterstützung von einer zweiten Person lustige Effekte erzielen. Die zweite Person kann z.B. während der Belichtungszeit ein Gebäude im Vordergrund kurz mit der Taschenlampe beleuchten. Bleibt die Person in Bewegung und zeigt mit der Lampe nie in Richtung Kamera, so sind weder Person noch Lampe sichtbar.

Light Painting mit einer Taschenlampe
Light Painting mit einer Taschenlampe

Selbstverständlich kann man mit der Lampe auch irgendwelche Botschaften und Muster direkt in die Kamera „zeichnen“. Aus unserer Sicht macht dies aber bei Polarlichtern weniger Sinn. Der Fantasie sind aber natürlich keine Grenzen gesetzt.

ZUM SCHLUSS

Polarlichter sind in Natura etwas unglaublich Beeindruckendes. Doch sie leuchten nicht so intensiv, wie man das von Fotos kennt. Erst die Langzeitbelichtung und eine geeignete Nachbearbeitung (z.B. in Lightroom) bringen die Farben so richtig schön zum Leuchten.

Fotos bearbeiten

Wie kann ich mich gegen Datenverlust schützen? Macht es Sinn, unterwegs schon Fotos zu bearbeiten oder geht das nur am grossen Bildschirm zuhause? Wie sieht ein optimaler “Workflow” aus? Hier stellen wir unsere Erfahrungen hierzu, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, zusammen.

DATENSICHERUNG

Eine Datensicherung ist immer eine gute Idee. Denn eine Speicherkarte kann mal verloren gehen oder den Geist aufgeben. Wer nur eine Kopie der Daten ziehen möchte, kann dies mit einer Festplatte mit eingebautem SD-Karten-Laufwerk machen.

Wer aber die Fotos unterwegs gleich auch schon sichten möchte, sollte ein Tablet oder Notebook mitnehmen. Bis vor kurzem reisten wir immer mit einem Notebook. Doch mittlerweile kann ein iPad Pro alles, was unterwegs notwendig ist. Aufgrund des kleineren Gewichts ist dies aus unserer Sicht die empfehlenswerteste Option.

JPG ODER RAW?

Ob man im JPG- oder RAW-Format fotografiert, ist eine persönliche Entscheidung. JPG ist komfortabel, weil die Kamera bereits die Schärfe, Kontraste und Farben optimiert. Zudem kann eine JPG-Datei gleich für Social Media- oder Web-Posts eingesetzt werden.

JPG hat aber zwei gravierende Nachteile: Erstens „weiss“ die Kamera nicht in jeder Situation, welche Anpassungen gewünscht sind. Soll ein Sonnenuntergang möglichst kräftig oder zart sein? Sollen Bäume im Vordergrund eines Sonnenuntergangs aufgehellt werden oder sollen sie wie Scherenschnitte aussehen? Und zweitens ist JPG eine verlustbehaftete Komprimierung. Es gehen also die ursprünglichen Bildinformationen verloren und man kann die Anpassungen durch die Kamera nur bedingt rückgängig machen oder übersteuern.

Das RAW-Format ist hingegen eine Art digitales Negativ. Es beinhaltet alle Bildinformationen und ermöglicht so eine maximale Flexibilität bei der Bearbeitung durch den Fotografen. RAW-Bilder muss man aber bearbeiten, damit sie gut aussehen. Wer also „ernsthaft“ fotografieren möchte, kommt um RAW und die nachfolgende Bildbearbeitung nicht herum.

Die meisten Kameras bieten auch die Möglichkeit, JPG und RAW parallel zu speichern. So hat man das Beste von beiden Formaten, allerdings auch einen deutlich höheren Speicherbedarf.

BILDBEARBEITUNG

Auch hier gibt es eine Vielzahl von Optionen. Wer seine Fotos als JPGs speichert, wird vermutlich nur geringe Anpassungen vornehmen. Dazu eignet sich z.B. die Foto-App, die auf jedem Apple-Gerät mit dabei ist. Um RAW-Dateien zu “entwickeln”, benötigt man aber eine Lösung mit erweiterten Möglichkeiten. Wir nutzen Adobe Lightroom CC. Diese cloudbasierte Lösung ist zwar nicht ganz günstig, bietet aber neben der Verwaltung und Bearbeitung von Fotos auch gleich eine Cloud-Datensicherung. Zudem lassen sich damit unterschiedliche Geräte per Synchronisation auf demselben Stand halten.

Auf die Bedienung von Lightroom gehen wir hier nicht vertieft ein. Dazu gibt es auf YouTube diverse Anleitungen, die das bestens abdecken. Nützlich (und unterhaltsam) sind in diesem Zusammenhang z.B. auch die Videos von Pavel Kaplun.

UNSER “WORKFLOW”

Wir setzen auf folgende Lösungen: iPad Pro, Apple SD-Karten-Adapter, Lightroom CC. Doch der Reihe nach…

VORBEREITUNG: ZEIT UND DATUM DER KAMERAS SYNCHRONISIEREN

Fotografiert man mit mehreren Kameras, sollte man dafür sorgen, dass die Uhren der Kameras exakt gleich gehen (gleiches Datum, gleiche Uhrzeit, gleiche Zeitzone). Dabei ist es nicht wichtig, dass die Kamera die Zeit der aktuellen Zeitzone anzeigt. Es reicht, wenn man die Kameras alle auf dieselbe Zeit in der Heim-Zeitzone einstellt.

So kann man die Fotos später alle nach Aufnahmezeit sortieren und hat gleich alles in der richtigen Reihenfolge.

SCHRITT 1: FOTOS AUF IPAD LADEN

Wenn man die SD-Karte mit dem Adapter ans iPad anschliesst, startet automatisch die Foto-App (bis iOS 12) resp. man kann mit der Foto-App die Bilder aufs Gerät laden (ab iPadOS 13). Die noch nicht importierten Fotos werden zum Import vorgeschlagen. Auch wenn man die Fotos später in Lightroom bearbeiten will, ist die erste Station leider immer noch die Foto-App. Seit iPadOS 13 würde das Betriebssystem auch einen direkten Import in eine andere Anwendung erlauben. Doch dies scheint sich bei Adobe noch nicht rumgesprochen zu haben…

Also importiert man die Fotos zuerst in die Foto-App. Die Frage, ob man die importierten Fotos behalten oder löschen möchte, sollte man mit “behalten” beantworten. Denn zumindest solange man unterwegs ist, macht diese Art der Datensicherung sicher Sinn.

SCHRITT 2: FOTOS IN LIGHTROOM IMPORTIEREN

In der Lightroom App wählt man “Importieren aus Aufnahmen” und wählt die eben in die Foto-App importierten Fotos aus. Am besten importiert man die Fotos direkt in ein spezielles Album, das man z.B. nach dem Anlass oder der Reise benannt.

Nach abgeschlossenem Import in Lightroom können die Fotos in der Foto-App gelöscht werden. Denn Lightroom speichert die Daten separat, so dass man die Fotos nicht doppelt im (teuren) iPad-Speicher halten muss.

Die Schritte 1 und 2 wiederholt man mit jeder Kamera.

SCHRITT 3: FOTOS AUSWÄHLEN

Hat man alle zu sortierenden Fotos in einem Album zusammengefasst, so kann man mit dem Auswählen beginnen. Weil es fast unmöglich ist, auf einen Schlag x Tausend Fotos auf ein verträgliches Mass zu reduzieren, machen wir das in mehreren Durchgängen. Lightroom bietet dafür die Möglichkeit, Fotos mit 0-5 Sternen zu bewerten. Im ersten Durchgang markieren wir alles, was einigermassen gut aussieht, mit einem Stern. Dann filtern wir die Ansicht, so dass nur noch Fotos mit mindestens einem Stern sichtbar sind. Beim nächsten Durchgang bewerten wir die besten mit zwei Sternen. Vermutlich sind es dann immer noch zu viele. Also: Nächster Durchgang mit drei Sternen. Bei Bedarf kann man das bis zu 5 Sternen wiederholen. So bleibt am Ende die wirklich beste Auswahl.

SCHRITT 4: FOTOS BEARBEITEN

Bearbeiten, also die RAW-Dateien entwickeln, tun wir nur die Fotos mit den höchsten Bewertungen.

BEI BEDARF: AUSMISTEN

Wird der Speicherplatz auf dem iPad knapp, so kann man bereits unterwegs alle Fotos mit 0 Sternen löschen. Denn diese wird man vermutlich nicht vermissen.

BEI GELEGENHEIT: SYNCHRONISIEREN

Um die Fotos dann in die Lightroom-Cloud hochzuladen, benötigt man vor allem eine schnelle Internetverbindung. Denn da müssen ja durchaus einige Gigabyte transferiert werden. Übers Mobilnetz ist das also eher nicht empfehlenswert. Es über eine langsame Internetverbindung zu versuchen, schadet zwar nicht, dauert aber ewig. In der Praxis synchronisieren wir daher meist erst zuhause. Denn unterwegs hat man, insbesondere in abgelegenen Gebieten, kaum je eine so schnelle Internetverbindung.

ZUHAUSE: AUF DEM MAC ODER PC WEITERARBEITEN

An sich kann man natürlich auch zuhause nur mit dem iPad arbeiten. Doch es gibt immer noch einige Funktionen, die nur in der Desktop-Version von Lightroom CC vorhanden sind. Dank des Synchronisierens kann man problemlos auf dem Mac oder PC dort weitermachen, wo man auf dem iPad aufgehört hat.

AM SCHLUSS: ALS JPG EXPORTIEREN

Lightroom speichert ja “nur” die RAW-Originale und die Bearbeitungen. Für Fotobücher, Social Media Posts, Diashows – eigentlich für fast alles – benötigt man am Ende aber JPG-Dateien. Diese kann man entweder bei Bedarf einzeln erzeugen oder man exportiert von allen bearbeiteten Bildern einen Satz JPG-Dateien. Wir machen in der Regel letzteres. Das hat zudem den Vorteil, dass man damit nochmals eine Datensicherung der besten Fotos hat.

Kamera & Co.

Was muss man an technischer Ausrüstung auf eine Reise in die Arktis mitnehmen? Es kommt darauf an…

Grundsätzlich kann man auch in der Arktis mit einem Smartphone gute Landschaftsfotos schiessen. Doch wenn es um Tierfotos geht, kommt man nicht um eine Kamera mit Teleobjektiv herum. Und wer Polarlichter festhalten möchte, ist mit einem lichtstarken Weitwinkelobjektiv und einem Stativ gut beraten. Nachdem es keine allgemein gültigen Regeln gibt, halten wir einfach mal fest, was sich bei uns bewährt hat, wenn‘s in die Arktis geht.

KAMERA

Wir fotografieren mit der Sony A7R IV. Diese bietet mit ihren 61 Megapixeln Auflösung auch die Möglichkeit, einen Ausschnitt zu vergrössern und damit ein Tier noch etwas näher heranzuholen. Zudem ist der Akku dieser Kamera wirklich stark, selbst bei Temperaturen von -20°C. Was aber nicht heisst, dass man den oder die Reserveakkus zuhause lassen sollte. Mindestens ein Reserveakku macht auf jeden Fall Sinn, für längere Trips ohne Lademöglichkeit auch mehrere. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein externes Ladegerät, damit man leere Akkus nachladen kann, während man mit einem vollen Akku weiterfotografiert.

Da es in der Arktis in der Regel keine Möglichkeit gibt, irgendwelche Ausrüstung dazuzukaufen, sollte auf jeden Fall eine Reservekamera dabei sein. Ob dies eine kleinere Kamera ist oder eine zweite grosse, hängt vom persönlichen Budget ab. Leichter reist man überraschenderweise auf jeden Fall, wenn man eine zweite grosse Kamera dabei hat. Denn diese benötigt keine zusätzlichen Akkus, keine Ladegeräte, keine Objektive und keine andere Tasche.

OBJEKTIVE

Es gibt Universalobjektive, die einen Bereich von ca. 20 bis 240mm abdecken. Oft überzeugen diese aber von der Qualität her nicht. Denn währenddem bei den Kameras die Gehäuse durchaus immer kompakter werden, gilt bei den Objektiven nach wie vor: Gute Qualität bedeutet viel Glas und damit viel Gewicht.

Mindestens ein 24-70mm und dazu ein 70-200mm oder 100-400mm sollten es für Naturaufnahmen auf jeden Fall sein. Wer z.B. Vögel fotografieren möchte, sollte eher in Richtung 600mm denken, sei es per Telekonverter oder mittels „normaler“ Brennweite. Im Normalfall reicht eine Blende f4 gut aus, womit die Objektive etwas kompakter ausfallen. Wer aber maximale Lichtstärke möchte oder benötigt, der ist natürlich mit einer Blende f2.8 noch besser beraten. Wobei sich der Sprung von f4 auf f2.8 durchaus in Gewicht und Preis mit einem Faktor 2 niederschlagen kann.

Eine gute Ergänzung im Weitwinkelbereich ist ein 16-35mm oder sogar ein 12-24mm. Damit gelingen wunderbar dramatische Landschafts- und Wolkenaufnahmen.

FILTER

Hier gehen die Meinungen auseinander. Die einen sagen, dass man ohne Filter gar nicht fotografieren kann. Andere finden es schade um die optische Qualität eines guten Objektivs, wenn man nachher eine Glasscheibe davorschraubt. Wir gehören eher zur zweiten Gruppe, fotografieren also meist ohne Filter.

SPEICHERKARTEN 

Wir nutzen meist 128 oder 256 GB Karten mit der Geschwindigkeit von mindestens UHS-I (also >95 MB/s). Das reicht problemlos für Serienaufnahmen oder 4K-Videos aus. Die schnelleren UHS-II Karten kosten massiv mehr und bringen in der Realität nur dann etwas, wenn die Kamera die höheren Datenraten überhaupt bedienen kann. Ob man mehr als 128 GB Speicherkapazität benötigt, ist individuell unterschiedlich. Wir haben mit dieser Kapazität gute Erfahrungen gemacht, da darauf mehrere Tausend Fotos im RAW-Format gespeichert werden können. Trotzdem ist es aus Datensicherungsgründen eventuell keine schlechte Idee, nach x Tausend Fotos mal eine andere Karte einzulegen.

 Wir nutzen übrigens Vollformat SD-Karten. Das Risiko, die kleinen Micro-SD-Karten beim Hantieren – möglicherweise mit Handschuhen – zu verlieren, ist einfach zu gross. Und auch die normalen SD-Karten sind ja recht handlich.

STATIV

Tagsüber benötigt man mit Brennweiten bis 400mm an sich kaum ein Stativ, es sei denn, man möchte irgendwelche Bewegungsunschärfen durch Langzeitbelichtungen erzeugen. Bei schwächerem Licht oder extremen Brennweiten empfiehlt sich aber auf jeden Fall ein Stativ. Und weil man ausser vielleicht im Hochsommer bei Mitternachtssonne, nie wissen kann, ob man allenfalls Polarlichter sieht, gehört ein Stativ unbedingt dazu.

Wir nutzen ein Novoflex Stativ. Das bietet eine optimale Standfestigkeit, auch bei schwereren Objektiven. Mit maximal 2 kg ist es aber immer noch einigermassen erträglich vom Gewicht her. Hinzu kommt, dass es sehr modular aufgebaut ist. Die Beine können als Einbeinstativ genutzt werden. Und es gäbe sogar Walking Stöcke, die man auch als Stativbeine nutzen könnte. Wenn man denn während des Fotografierens keine Stöcke benötigt…

TASCHEN

Es gibt unzählige Taschen und Rucksäcke und damit eigentlich kein Richtig oder Falsch. Möglichst flexibel einteilbar, gut gepolstert und einigermassen wasserfest sollte die Tasche sein. Und nicht grösser, als die Fluggesellschaften als Handgepäck erlauben.

Uns gefallen die Taschen und Rucksäcke von PeakDesign und Gitzo sehr gut. PeakDesign kommt etwas stylischer daher und ist gerade im städtischen Umfeld unsere erste Wahl. Wir haben mittlerweile unterschiedliche Grössen der Rücksäcke und Taschen und entscheiden je nach Ausrüstung und Destination, was am meisten Sinn macht. Ist man den ganzen Tag in der Natur, so macht ein etwas grösserer Rucksack sicher Sinn. Reist man mit einem Schiff und ist nur kurz an Land, dann reicht auch eine kleinere Umhängetasche.

Für die richtig grossen Objektive bietet PeakDesign aber keine Lösung. Hier hat sich ein Gitzo Adventury 45l bewährt. Da passt alles rein, was man schleppen möchte. Und trotzdem ist er (fast) handgepäcktauglich.

GPS

Wenn die eigene Kamera kein GPS hat und damit die Fotos nicht automatisch mit den Koordinaten versehen werden, gibt es verschiedene Optionen, dies zu lösen. So richtig optimal ist keine, denn alle erfordern zusätzliche Arbeitsschritte. Welche man wählt, wenn man die Koordinaten überhaupt speichern möchte, hängt davon ab, was man sonst noch mit GPS machen möchte.

Manche Kameras bieten eine Smartphone-App, über die man die Koordinaten direkt via Bluetooth in die EXIF-Daten der Fotos speichern kann. Das bedeutet, dass man das Smartphone dabei haben, die App laufen und die Verbindung klappen muss. Für uns sind das zu viele Wenn und Aber…

Alternativ kann man einen beliebigen GPS-Tracker nutzen, sei es in einer Smartwatch (z.B. Garmin) oder als Stand-alone Gerät (z.B. Bad Elf). Per App oder PC-Software werden dann die Tracks exportiert und über eine separate Software in die Metadaten der Fotos geschrieben.

Letztlich gibt es auch Satelliten Tracker, die zusätzlich zum Aufzeichnen der Position auch regelmässig die Position übermitteln. So können die Zuhausegebliebenen die eigene Reiseroute quasi in Echtzeit mitverfolgen. Hier kommt z.B. das kompakte Garmin InReach Mini in Frage. Wichtig ist, dass die Datenübermittlung per Iridium erfolgt, da nur dieses Netzwerk auch in den Polargebieten funktioniert. Für die Datenübermittlung entstehen laufende Kosten. Netter Nebeneffekt: Über ein solches Gerät ist man im Notfall auch erreichbar, resp. kann selber Nachrichten versenden.

KÄLTESCHUTZ

Reist man im Sommer in die Arktis, so darf man (leicht) positive Temperaturen erwarten. Diese sind für die Kameras unkritisch. Anders sieht es im Winter aus, wo Temperaturen von -20°C keine Seltenheit sind. Selbst wenn Kamera und Akku das aushalten: Würde man die so kalte Kamera in einen beheizten Raum mitnehmen, so würde sie sofort innen und aussen beschlagen. Schon alleine diese Feuchtigkeit wäre schädlich für die Elektronik. Geht man mit der beschlagenen Kamera wieder nach draussen, so kann die Feuchtigkeit gefrieren und die elektronischen Bauteile sprengen. Dann war‘s das mit der Kamera. Daher sollte man unbedingt luftdichte Beutel dabei haben, in die man die Kamera jeweils noch draussen an der Kälte einpacken kann. So verpackt kann die Kamera über die nächste Stunde ohne Feuchtigkeit akklimatisieren und dann problemlos aus dem Beutel entnommen werden. Will man den Akku schon laden und die Fotos schon von der Speicherkarte ziehen, dann sollten diese beiden Komponenten noch draussen entnommen werden.

An sich tut hier jeder genug grosse, luftdichte Plastiksack gute Dienste. Komfortabler sind aber die Beutel von Sea to Summit, die es in verschiedenen Grössen gibt.

Was für Kameras gilt, gilt übrigens auch für Objektive und andere nicht wasserdichte elektronische Geräte.

Aus der obigen Überlegung macht es Sinn, eine Reservekamera einzupacken, die man nicht mit ins Feld nimmt. Denn aufgrund der notwendigen Aufwärmzeit der kalten Kameras kann man während dieser Zeit sonst keine Fotos machen, wenn z.B. ein Tier vor dem Fenster durchläuft oder man im Innern des Gebäudes etwas festhalten möchte.

WEITERES ZUBEHÖR

Weiteres Zubehör, das wir meist dabei haben:

  • Anker und Tragriemen von PeakDesign
  • Schnellverschlüsse fürs Stativ von PeakDesign oder Novoflex
  • Schnellverschlussklemmen für den Rucksackträger, ebenfalls von PeakDesign
  • Blasebalg, sollte sich mal ein Staubkorn auf den Bildsensor verirren
  • Notebook oder Tablet für die Datensicherung und Bildbearbeitung
  • Ausreichend viele Ladegeräte und -kabel
  • Länderspezifische Zwischenstecker