Baffin Bay 2019

Baffin Bay 2019

Einmal rund um die nördliche Baffin Bay, das war der Plan für unsere Sommerferien. Start und Ende dieser Reise war Kangerlussuaq in Grönland. Doch wie weit wir in den Norden fahren würden, war offen. Denn je mehr das Eis schmilzt, desto mehr ist es in Bewegung. Das führt letztlich dazu, dass höhere Temperaturen in gewissen Gebieten zu mehr Eis führen. 

REISEVORBEREITUNGEN

Es ist jedes Mal eine Herausforderung, bei 30°C die Winterkleider für eine Reise in die Arktis bereitzulegen. Doch aus Erfahrung wissen wir, dass man es bitter bereuen würde, sollte man Handschuhe und Mütze zuhause lassen. Die zweite Herausforderung ist jeweils das Einhalten der Gepäcklimiten. Bei den Koffern sind diese ausreichend grosszügig bemessen. Doch beim Handgepäck kommt man mit der Fotoausrüstung ziemlich rasch an Grenzen resp. Limiten. 

SOMMERLICHES KANGERLUSSUAQ

66°57’N | 50°58’W ● KANGERLUSSUAQ | GREENLAND

Unsere Expedition in die Arktis startete in Hannover. Denn von dort startete unser Sonderflug mit Finnair nach Grönland. Auch die Flugzeug Crew war sichtlich aufgeregt, nach Grönland zu fliegen. Es sei erst das fünfte Mal, dass eine Finnair-Maschine nach Grönland fliege. Man habe daher zusätzlich zwei Supervisor und einen Mechaniker an Bord. Für den Fall der Fälle hätten wir eher ein umgekehrtes Verhältnis der zusätzlichen Fachkräfte gewählt… Nach einem wunderbaren Flug über die ost-grönländische Küste landeten wir im 18°C warmen Kangerlussuaq. Das ist selbst für den geschützten Ort, wo oft eine Art warmer Föhnwind bläst, unüblich warm. 

Für uns ging es mit einfachen Bussen direkt zum Hafen, der allerdings nicht viel mehr als eine kleine Pier ist. Und bei Ebbe ist das Wasser am Ende des Fjordes von Kangerlussuaq nur knapp 5 Meter tief. Das reicht gerade mal für die Tenderboote der neuen Hanseatic nature. Bereits die Einschiffung stimmte uns damit auf die bevorstehende Reise ein. Denn eine richtige Pier würden wir bestenfalls gegen Ende der Reise in Sisimiut sehen.

EISBERGE

70°41’N | 51°27’W ● UUMMANNAQ | GREENLAND

Nach einem wunderbar ruhigen Seetag in Richtung Norden erreichten wir die Insel Uummannaq. Das darauf liegende Dorf gilt als eines der schönsten Grönlands, weil die typischen bunten Häuser hier so schön in die Felsen gebaut sind. Uummannaq ist vor allem in Dänemark bekannt, weil hier in den 1970er Jahren eine Weihnacht-TV-Serie spielte. Während 24 Folgen musste der Weihnachtsmann aus seinem Sommerhaus gerettet werden… Wir unternahmen denn auch die landschaftlich schöne Wanderung bis zu diesem Sommerhaus. Der Weihnachtsmann war nicht zuhause, aber leckeres Weihnachtsgebäck hat die Crew der Hanseatic nature dennoch organisiert!

Über Mittag verholte das Schiff und brachte uns zu unserem Nachmittagsstopp auf der Wüsteninsel Storoen. Diese ist ursprünglich tief unter dem Meer als versteinerter Faulschlamm entstanden. Mangels Sauerstoff verbanden sich damals Schwefel und Eisen zu Pyrit. Nun an der salzigen Seeluft reagieren beide mit Sauerstoff. Der entstehende Rost und die Schwefelverbindungen lassen die Insel rot und gelb leuchten. Besonders fruchtbar scheint dieser Chemie-Cocktail aber nicht zu sein. Zum Reiz von Storoen trägt bei, dass dahinter eine wenig tiefe Meerenge liegt, in der zahlreiche Eisberge stranden. Das Gelb der Insel, das Blau des Wassers und Himmels und das Weiss der Eisberge ergibt einen wunderbaren Kontrast. 

WILLKOMMEN IN KANADA

72°42’N | 77°59’W ● POND INLET | NUNAVUT | CANADA

Wenn die See so richtig ruhige ist, fällt öfter mal die Bezeichnung “Ententeich”. Dass die Baffin Bay sich bei der Überfahrt von Grönland nach Kanada von dieser (eher untypischen) Seite zeigte, war uns mehr als recht. So kamen wir nach einem entspannten Seetag in Pond Inlet auf Baffin Island an. Die Einheimischen scheinen den Kreuzfahrttourismus ziemlich satt zu haben und erlauben nur noch, dass Besucher in Gruppen durchs Dorf marschieren und keine Fotos machen. Wenn man Geschichten von Besuchern hört, die durch Fenster in Häuser rein fotografiert haben, versteht man die Locals irgendwie. Für uns war Pond Inlet “nur” ein notwendiger Stopp, um offiziell nach Kanada einzureisen. Das klappte auch reibungslos und so konnten wir besagten Rundgang durch den Ort machen. Wenn man im lokalen Supermarkt eine Cola-Dose für 5 kanadische Dollar oder eine Chips-Tüte für 12 Dollar sieht, kommt man schon etwas ins Grübeln. Denn die meisten Menschen hier werden sich diese Waren niemals leisten können, selbst wenn hin und wieder ein Schiff einige Einnahmen bringt. 

EISBÄREN-FRÜHSTÜCK

73°37’N | 88°40’W ● PRINCE REGENT INLET | CANADA

Auf unserem Weg nach Norden machten wir einen kleinen Abstecher zum Eingang der Nordwestpassage. Das Prince Regent Inlet war noch ziemlich dicht mit Eis bedeckt. In einer solchen Umgebung hat man die grössten Chancen, Eisbären vom Schiff aus sehen zu können. Und als wir gerade beim Frühstück waren, lichtete sich der Nebel und vor dem Schiff tauchte ein ebenfalls frühstückender Eisbär auf. Er hatte eine Robbe erlegt und das für ihn so wichtige Fett bereits verspeist (resp. sich bis hinter die Ohren geschmiert). Nun schien er satt zu sein und auch unser Schiff störte ihn nicht. Was für ein Anblick. Der wieder aufziehende Nebel hüllte den Bären auf seiner Scholle in ein mystisches Licht bis er dann komplett aus unserer Sicht verschwand. Toll!

Am Nachmittag sichteten wir im Eis einen weiteren Eisbären. Dieser wollte mit uns aber gar nichts zu tun haben und lief auf seiner Scholle weg. Da stoppte der Kapitän selbstverständlich die Maschinen und wir warteten, bis der Eisbär in Ruhe das Weite gesucht hatte, bevor wir weiterfuhren. Denn bedrängen will man diese sowieso schon gefährdeten Tiere sicher nicht. So verbrachten wir einen wunderbaren Tag im Eis des Prince Regent Inlet.

NO MAN’S LAND

74°49’N | 83°9’W ● Devon Island | Nunavut | Canada

Devon Island ist die grösste komplett unbewohnte Insel der Welt. Doch bevor wir einen Fuss auf sie setzten, besuchten wir zuerst eine schöne Bucht mit einem Gletscher, die Croker Bay. Mit den Expeditionsschlauchbooten, den Zodiacs, fuhren wir entlang der Abbruchkante des Gletschers. Selbstverständlich muss man einen genügend grossen Abstand einhalten. Denn ein kalbender Gletscher ist keineswegs harmlos. Das abbrechende Eis kann einen Mini-Tsunami auslösen. Viel gefährlicher ist aber das berstende Eis, das wie eine Schrotladung weggeschleudert werden kann.

Am Nachmittag besuchten wir die ehemalige Station der Royal Canadian Mounted Police in Dundas Harbour auf Devon Island. Die alten Hütten sind noch erhalten. Die RCMP verfolgte hier oben aber keine Verbrecher, sondern wollte vor allem Präsenz markieren, damit keine andere Nation plötzlich auf die Idee kam, diese Insel zu beanspruchen. Hier oben für teilweise mehrere Jahre stationiert zu sein, kam wohl eher einer Verbannung gleich. Auf dem Friedhof von Dundas Harbour liegen denn auch zwei “Mounties”, die offiziell beim Reinigen ihrer Waffe ums Leben gekommen sind. Vermutlich wollte man die tatsächliche Todesursache – also vermutlich Suizid – nicht in die Geschichtsbücher schreiben. Trotz dieser eher düsteren Vergangenheit war es spannend diesen Ort besuchen zu können.

PLAN D

76°28’N | 81°15’W ● FRAM FJORD | NUNAVUT | CANADA

Ursprünglich sollten wir heute Vormittag den Jakeman Glacier im Jones Sound besuchen. Doch auf der geplanten Anlandestelle stand eine so hohe Dünung, dass an eine Anlandung mit den Zodiacs nicht zu denken war. Also Plan B: Eine neue Anlandestelle musste gefunden werden. Dies gelang zwar, doch wir waren nicht die ersten dort. Ein Eisbär hatte sich dort bereits niedergelassen. Und nachdem Eisbären hier zuhause und wir nur Gäste sind, hiess es für uns: weiterfahren. Denn an Land will man hier oben sicher keinem Eisbären begegnen.

Der Plan C war dann, den geplanten Nachmittagsstopp auf den Vormittag zu verlegen. Dies wäre eine Wanderung in ein Tal im Fram Fjord gewesen. Doch auch hier waren die Wellen zu hoch. Was dann Plan D in Aktion setzte: Im Fram Fjord wurde tatsächlich eine geeignete eisbärenfreie Landestelle gefunden. So setzten wir auf dieser Reise zum ersten Mal einen Fuss auf die nördlichste Insel der Welt, Ellesmere Island. Und auch die Plan-D-Wanderung war sehr schön.

Den Nachmittag nutzten wir, um einen noch nie von einem Expeditionsschiff befahrenen Fjord zu erkunden. So schön wie sich dieser Fjord, der Starne Fjord, präsentiert, überraschte uns dies eigentlich. Doch selbst unser mitreisender Ice Master, ein ehemaliger kanadischer Eisbrecherkapitän, der den Kapitän in Eisfragen berät, war noch nie hier. Wir konnten bei einem schönen Gletscher sogar an Land gehen und nochmals etwas wandern. 

IM REICH DER EISBÄREN

78°45’N | 74°12’W ● PIM ISLAND | NUNAVUT | CANADA

Einen schönen Seetag lang fuhren wir nach Norden. Gegen Abend sichtete ein Matrose von der Brücke einen im Wasser schwimmenden Eisbären. Also gingen wir natürlich an Deck, um das majestätische Tier zu fotografieren. Dieser schwamm langsam der untergehenden Sonne entgegen. Was für ein toller Anblick! Doch wir konnten unser Glück kaum glauben: kurz hinter dem ersten Eisbären folgte ein zweiter. Wir wissen nicht, weshalb diese Tiere, die ja eigentlich Einzelgänger sind, so dicht hintereinander in dieselbe Richtung schwammen. Schön war’s auf jeden Fall. Nach diesem Highlight ging’s zum Abendessen. Doch als wir gerade die Suppe vor uns hatten, wurde eine Eisbärenmutter mit zwei Jungen auf einer Eisscholle gesichtet. Die Prioritäten waren sofort klar, denn wir waren ja der Eisbären und nicht der Suppe wegen hier in der Arktis! Wir konnten den drei Bären lange Zeit zuschauen. Immer wieder stellte sich einer davon auf die Hinterbeine und versuchte auszumachen, wer oder was wir denn wohl seien. Wir blieben in sicherer Distanz, um die Bären nicht zu beunruhigen. Letztlich mussten wir dann aber doch weiterfahren. Der Kapitän fuhr einen mehrere Meilen grossen Bogen um die Eisbärenscholle, damit die Eisbärenfamilie nicht verschreckt wurde.

Am folgenden Tag kamen wir bei der weit nördlich gelegenen Pim Island an. Die geplante Anlandung viel allerdings einem Eisbären zum Opfer. Denn ein sehr wohlgenährter Bär hat sich in der Nähe der geplanten Landestelle eingerichtet. Statt einer Anlandung konnten wir diesen Bären von den Zodiacs aus beobachten. Von einem Eisbären lässt man sich gerne eine Anlandung streichen.

ZWISCHEN KANADA UND GRÖNLAND

80°50’N | 66°39’W ● HANS ISLAND | CANADA? | GREENLAND?

In einem kalten Sommer ist die Nares Strait zwischen Kanada und Grönland meist mit dem Schiff befahrbar. Denn im Norden des Kennedy Channel sitzt ein Pfropfen aus mehrjährigem Eis. Solange dieser dicht hält, gibt es in der Nares Strait nur einjähriges Eis, das erstens im Sommer schmilzt und zweitens von einem Schiff wie der Hanseatic nature gut durchfahren werden kann. Wenn der Sommer aber warm ist, dann bricht dieser Eispfropfen auf und treiben grosse, alte Eisfelder Richtung Süden. Hier gilt also paradoxerweise “je wärmer, desto mehr Eis”.

Letztlich liess es die Eislage aber zu, bis über den 80. Breitengrad zu fahren. Bereits frühmorgens kamen wir bei der Hans Insel an. Diese liegt genau in der Mitte des Kennedy Channel zwischen Grönland und Kanada. Und sie wird auch von beiden Nationen, also Kanada und Dänemark (das Grönland aussenpolitisch vertritt) beansprucht. Benannt wurde die Insel 1871 nach Hans Hendrik, einem Inuit, der aufgrund seiner Sprachkenntnisse (Inuktitut, Englisch, Dänisch) zahlreiche Polarexpeditionen begleitet hat. Im Jahre 1973 einigten sich Dänemark und Kanada auf den Grenzverlauf in der Region, wobei die Entscheidung, wem nun die Hans Insel zuzurechnen sei, erst einmal vertagt wurde. Auch beim neuen Grenzvertrag zwischen den beiden Ländern aus dem Jahre 2012 wurde die Hans Insel wiederum ausgeklammert. Und so hissen die Kanadier bei jedem Besuch der Insel ihre Flagge und hinterlassen eine Flasche kanadischen Whisky. Die Dänen rollen jeweils die kanadische Flagge ein und ziehen ihre eigene auf. Und sie hinterlassen eine Flasche dänischen Aquavit. Bis dann die Kanadier wieder auftauchen… Der Verbleib der Schnäpse des jeweilig anderen Landes ist nicht geklärt, wohl aber auch keine grosse Überraschung. Auf jeden Fall würde man sich wünschen, dass Grenzstreitigkeiten überall mit so viel Charme ausgetragen würden, auch wenn es eigentlich um einen ernsten Hintergrund geht.

Wir konnten sogar kurz einen Fuss auf dieses ehemalige Korallenriff setzen, das zu Urzeiten mal beim Äquator lag. Heute ist es ein vegetationsloser Stein- resp. Fossilhaufen, der aber aufgrund seiner Lage im Eis doch durchaus sehenswert ist. Die Hans Insel markierte auch den Umkehrpunkt dieser Reise. Von nun an geht’s Richtung Süden.

STURMTAUFE

77°50’N | 73°14’W ● BAFFIN BAY

Vormittags hätten wir eine Anlandung in der verlassenen grönländischen Siedlung Etah machen wollen. Doch starker Wind und Seegang verunmöglichten dieses Vorhaben. Immerhin haben wir dort in der Nähe unseren zehnten Eisbären dieser Reise auf einer Eisscholle gesehen. Doch der Wind war kein gutes Zeichen. Über der Baffin Bay hat sich ein Sturmtief mit Windstärke 10 aufgebaut. Dieses würde in den nächsten Tagen genau über den Orten Siorapaluk, Qaanaaq und Thule liegen, welche wir eigentlich besuchen wollten. Daran war bei einem solchen Sturm nicht zu denken. Also musste eine Alternative her. Und diese sah wie folgt aus: Wir würden mitten durch den Sturm fahren und ein weiteres Mal die Baffin Bay durchqueren. Da wir entgegen dem Sturm fahren würden, wäre das ein kurzes aber heftiges Unterfangen. Das Ziel war nochmals Kanada: Baffin Island. Dass uns die kanadischen Behörden überhaupt nochmals eine Landeerlaubnis gegeben haben, nachdem wir ja eigentlich bereits in Richtung Grönland unterwegs waren, ist eine grosse Ausnahme. Aber was will man machen: Unser letzter Stopp war die Hans Insel. Und diese sehen die Kanadier ja als kanadisches Hoheitsgebiet an. Wir haben also Kanada nie verlassen…

Die folgenden gut 12 Stunden waren dann wirklich nicht angenehm. Bei anhaltender Windstärke 10 und 7 Meter hohen Wellen stampfte die drei Monate alte Hanseatic nature durch ihren ersten richtigen Sturm. Und man muss es ihr attestieren: sie liegt viel ruhiger im Wasser als sämtliche anderen Schiffe, die wir schon kennengelernt haben. Das macht einen solchen Sturm zwar nicht zu einem angenehmen Erlebnis, aber doch viel erträglicher.

Natürlich waren während dieser Sturmnacht alle Aussendecks geschlossen und selbst die Balkontüren auf den Kabinen durfte man nicht mehr öffnen. Die Wellen schlugen teilweise bis zur auf Deck 8 liegenden Observation Lounge hoch. Doch Passagiere und Schiff überstanden das Unwetter schadlos.

GLETSCHERZUNGEN

71°44’N | 74°41’W ● ICY ARM | BAFFIN ISLAND | CANADA

Bei nur noch drei Meter hohen Wellen schaukelten wir am Vormittag Baffin Island entgegen. Diese Insel ist etwas vom Schönsten, was man in der Arktis landschaftlich vorfindet. Doch leider wird sie nur selten angelaufen. Wir hatten also dank dieses Sturmes letztlich das Glück, zu zwei Extratagen in dieser schönen Fjordlandschaft zu kommen. 

Als während der letzten Eiszeit vor 20’000 Jahren etwa 4000 Meter dickes Eis auf Nordamerika lag, wurde das Land darunter in die Tiefe gedrückt. So entstand quasi eine Wanne unter dem Eis. Der tiefste Punkt davon ist die heutige Hudson Bay. Die Wannenränder wurden in die Höhe gedrückt. Im Westen sind dies die Rocky Mountains, im Osten die Steilküste von Baffin Island. Diese Steilküste ist tief eingeschnitten von Fjorden. Einer davon ist der heute besuchte Icy Arm. Im Innern von Baffin Island gibt es noch einen kleinen Eisrest aus der letzten Eiszeit. Sehen werden wir diesen nicht, aber die Chancen sind gut, dass zumindest ein Teil des hier entstehenden Schmelzwassers noch aus der letzten Eiszeit stammt.

Die Anlandung bei einem Gletscher im Icy Arm war eine schöne Alternative zum eigentlich für diesen Tag geplanten Nordwestgrönland-Programm.

TUNDRAWANDERUNG

70°36’N | 71°29’W ● SAM FORD FJORD | BAFFIN ISLAND | CANADA

Bereits frühmorgens konnten wir im Walker Arm des Sam Ford Fjordes an Land gehen. Auf dem Programm stand eine insgesamt rund zweistündige Wanderung zu einem Bergsee. Dort hätte man sogar ein Bad nehmen können, was aber bei einstelligen Wasser- und Lufttemperaturen nicht jedermanns Sache ist. Nach diesem endgültig letzten Stopp in Kanada machten wir uns auf den Weg, um die Baffin Bay ein viertes Mal zu überqueren. Die erste Überquerung führte uns von Grönland nach Kanada. Die zweite Überquerung war nur eine kurze, denn bei der Hans Insel ist die Baffin Bay, die dort Nares Strait heisst, nur wenige Meilen breit. Die dritte Überquerung war quasi von Nord nach Süd durch den Sturm, zurück nach Baffin Island. Und die vierte war nun die Überquerung der Davis Strait, wie man die südliche Baffin Bay bezeichnet. Faszinierend hierbei ist vor allem auch, dass all die langen Seestrecken im Winter mehrheitlich zugefroren sind. Man kann sich diese enormen Eisflächen fast nicht vorstellen.

GUTER HAFEN

69°15’N | 53°32’W ● QEQUERTARSUAQ | GREENLAND

Nach einer ruhigen Überfahrt über die Davis Strait erreichten wir am frühen Nachmittag den Ort Qequertarsuaq auf der gleichnamigen Insel vor Grönland. Leichter von der Zunge geht da schon der deutsche Name der Insel: Disko Insel. Und auf Dänisch heisst der Ort mit dem schwierigen Namen Godhavn, also guter Hafen. Das war er denn auch, und schön obendrein. Genau 10 Tage ist es her, seit wir das letzte Mal in einer Ortschaft waren. Das war Pond Inlet in Kanada. Und hier muss man festhalten, dass Qequertarsuaq den Beauty Contest ganz klar gewinnt. So verbrachten wir einen sonnigen Nachmittag in diesem schmucken Ort. Immer wieder sahen wir zwischen den Häusern hindurch die Eisberge der nahegelegenen Disko Bucht hervorblitzen. 

Woher übrigens die Disko Insel und die Disko Bucht ihren Namen haben, ist nicht geklärt. Das Spektrum der Erklärungsansätze reicht von Duke’s Bay (in Anlehnung auf den alten Walfänger Marmaduke) über einen nordischen Seefahrer mit Griechischkenntnissen (Discus, also Scheibe) bis hin zu einem offenbar hier versunkenen Schiff ähnlichen Namens. Und daneben gibt es noch zahlreiche Mythen und Sagen, die ebenfalls Erklärungen für diesen eigenartigen Namen bieten. Mit dem Nachtleben hat der Name aber definitiv nichts zu tun.

WALE

69°14’N | 51°9’W ● ILULISSAT | DISKO BAY | GREENLAND

Die Distanz zwischen Qequertarsuaq und Ilulissat beträgt nur 55 Seemeilen. Das wäre bei voller Geschwindigkeit locker in 4 Stunden machbar gewesen. Doch wir hatten dafür die ganze Nacht Zeit. Entsprechend ruhig war die Fahrt. In Ilulissat gibt es verschiedene Möglichkeiten, was man unternehmen könnte: einen Hubschrauberflug, eine Wanderung zum Eisfjord, einen Spaziergang durch den Ort etc. Wir entschieden uns für letzteres, kannten wir die anderen Optionen doch schon von früheren Reisen. Denn Ilulissat und die Diskobucht gehören praktisch zu jeder Grönlandreise dazu.

Bereits während dem Frühstück und auch am Mittag tauchten immer wieder Buckelwale beim Schiff auf und stiessen ihren typischen Blas aus. Wenn sie nicht ihre Fluke, die Schwanzflosse, zeigen, sind sie zwar nicht besonders fotogen, jedoch nicht minder beeindruckend. Es ist schon gewaltig, wie gross diese Tiere sind und mit welcher Ruhe sie durchs Wasser gleiten.

Am Nachmittag stand die letzte Zodiacausfahrt dieser Reise auf dem Programm. Rund eine Stunde lang fuhren wir zwischen Eisbergen hindurch und bewunderten die faszinierenden Formen dieser Giganten. Die meisten Eisberge werden von hier zunächst mit dem Westgrönlandstrom nach Norden getrieben. Irgendwo in der Gegend von Kap York ist dann der nördlichste Punkt ihrer Reise, bevor sie sich wieder auf den Weg nach Süden machen. Grosse Exemplare können dabei durchaus bis in den Nordatlantik treiben. Man vermutet, dass auch das Unglück der Titanic durch einen Eisberg aus der Diskobucht ausgelöst worden ist. 

Auch wenn es auf der Hanseatic nature viel weniger Kreuzfahrt-Traditionen gibt als auf der alten Hanseatic, so darf der Farewell Abend inkl. Shanty-Chor auch auf dem neuen Schiff nicht fehlen.

AN DER PIER

66°56’N | 53°28’W ● SISIMIUT | GREENLAND

Sisimiut ist tatsächlich einer der wenigen Häfen in der Arktis, der eine Pier hat, die genug gross für ein Expeditionsschiff ist. Daher wird Sisimiut auch genutzt, um Treibstoff und nicht verderbliche Waren zu bunkern. Dass Sisimiut nach der Hauptstadt Nuuk die zweitgrösste Stadt Grönlands ist, merkt man aber nicht nur an der Pier. Hier gibt es mehrere (!) Supermärkte, Hotels, Restaurants und Souvenirshops. Besonders empfehlenswert ist ein lokaler Geologie-Shop, wo man neben dem Nationalstein Grönlands, dem Tugtupit, auch weitere bis zu 3 Milliarden Jahre alte lokale Gesteine kaufen kann. Wem der Sinn eher nach weicheren Sachen steht, ist im Geschäft Qiviut richtig. Dort gibt’s alles aus Moschusochsenwolle – zwar nicht günstig, aber deutlich günstiger als wenn man das zuhause kaufen würde. 

Der Ortsteil beim Hafen ist besonders malerisch. Dort ist auch das lokale Museum untergebracht. Wir verbrachten den Vormittag mit Sightseeing und auch ein bisschen Shopping. Am Nachmittag stand dann das ungeliebte Kofferpacken auf dem Programm. Nach fast drei Wochen hatten wir uns so richtig gut eingerichtet in unserer Kabine…

Für den Abend kündigte der Kapitän nochmals etwas Seegang an. Doch einmal mehr lag die Hanseatic nature komplett ruhig im Wasser. Und dies, obwohl die See deutlich sichtbar bewegt war. Beim Rumpf und den Stabilisatoren haben die Ingenieure bei diesem Schiff also definitiv alles richtig gemacht.

POLARLICHTER

66°57’N | 50°57’W ● KANGERLUSSUAQ | GREENLAND

Was fehlt noch auf einer Reise, wo wir Eisbären, Robben, Wale und Eisberge gesehen haben? Genau, Polarlichter. Und die sahen wir im Sondrestrom Fjord kurz nach Mitternacht an unserem Aussteigetag. Was für ein toller Abschluss einer wunderbaren Reise!

Der Rest ist schnell erzählt: Nach dem Ausschiffen machten wir noch eine kurze Rundfahrt und fuhren dann zum Kangerlussuaq Rowing Club, wo ein leckeres BBQ auf uns wartete. Und danach ging’s auch schon weiter zum Flughafen. Die für ihre Gründlichkeit berüchtigte Sicherheitskontrolle war heute unauffällig, so wie man das von anderen Flughäfen auch kennt. Wir haben hier auch schon erlebt, dass jeder Passagier alles auspacken musste.

Beim Rückflug überquerten wir zum sechsten Mal auf dieser Reise den Polarkreis, wovon man allerdings in der Luft noch weniger mitkriegt als auf dem Schiff. Wir blicken einmal mehr zurück auf eine wunderschöne Reise mit vielen einzigartigen Tier- und Naturbeobachtungen.

Den Emergence Quest 2019

Den Emergence Quest 2019

Im November warten die Eisbären der Hudson Bay sehnlichst auf das Zufrieren der Bay. Denn im Winter finden sie dort ihre Leibspeise, Robben. Doch nicht alle Bären verbringen den Winter auf dem Meereis. Muttertiere suchen sich in dieser Zeit eine geschützte Höhle an Land, wo sie im Dezember oder Januar ihre Jungen zur Welt bringen. Zu dieser Zeit herrschen Temperaturen von -40°C. Für die kleinen Bären wäre das viel zu kalt. Daher verbringt die junge Bärenfamilie die ersten Monate in der Schneehöhle. Erst wenn die Temperaturen gegen -20°C steigen, wagen sich die Bärenmütter aus ihren Höhlen, den sogenannten Dens. Es beginnt ein kräftezehrender Marsch in Richtung Hudson Bay. Denn für die Bärinnen liegt die letzte ordentliche Robbenmahlzeit fast 10 Monate zurück. Zu dieser Zeit unternahmen wir eine Reise an die wilde Kaska Coast an der Hudson Bay – in der Hoffnung, eine solche junge Bärenfamilie beim Verlassen ihrer Höhle beobachten zu können.

REISEVORBEREITUNGEN

Die klimatischen Bedingungen an der Hudson Bay kannten wir ja schon von unserem Aufenthalt im November. Doch November ist Herbst, März ist Winter. Wir mussten uns also darauf einstellen, dass wir es mit deutlich kälteren Temperaturen zu tun haben würden. Wir packten daher reichlich Hand- und Fusswärmer und diverse Kleiderschichten ein. Auch dieses Mal galt es, die Gepäcklimite von 20kg im Auge zu behalten. Denn in dieser abgelegenen Region bezahlt man nicht einfach für Übergepäck, nein, man lässt es zurück. Denn die kleinen Flugzeuge sind nicht auf grosse Zusatzlasten ausgelegt…

WINNIPEG

49°53‘N | 97°12‘W ● KANADA

Währenddem es in der Schweiz schon recht frühlingshaft war, landeten wir in Toronto bei Schneefall und -4°C. Doch erst unser Weiterflug nach Winnipeg brachte uns dann wirklich in den Winter: -28°C! Da half selbst der strahlende Sonnenschein nicht mehr viel. Doch trotz des kalten Wetters genossen wir den Tag in der Hauptstadt Manitobas. Wir besuchten das architektonisch und inhaltlich sehr sehenswerte Museum for Human Rights und verpflegten uns im ehemaligen Güterbahnhof „The Forks“. 

Bevor wir die übrigen Teilnehmer dieser Reise zum Abendessen trafen, ging’s zur Kleideranprobe. Denn  bei den erwarteten bis -40°C kommt nur die beste Ausrüstung in Frage – und die wurde vom Veranstalter Churchill Wild leihweise zur Verfügung gestellt. So probierten wir in einem gut geheizten Raum im Hotel wattierte Skihosen und warme Daunenparkas… Selbst die Schuhe hätte man ausleihen können, doch da waren wir mit unseren -70°C-Sorel-Schuhen so gut ausgestattet, dass es dazu keinen Anlass gab.

Bereits beim gemeinsamen Abendessen im Hotelrestaurant stellten wir beruhigt fest, dass die nächsten 10 Tage mit Jad, Sylvia, Sue, Coco, Annabelle, Liz und Peter sicherlich sehr unterhaltsam werden würden! Denn wir verstanden uns alle auf Anhieb sehr gut. Jad Davenport, National Geographic Fotograf und unser „Photo Leader“ steigerte mit einem kleinen Ausblick auf die kommenden Tage unsere Vorfreude noch mehr.

KASKA COAST

57°7‘N | 91°40‘W ● NANUK POLAR BEAR LODGE | KANADA

Die Nanuk Polar Bear Lodge wird von Churchill Wild betrieben und ist normalerweise zwischen Juli und November geöffnet. Für die Den Emergence Quest wird sie aber auch im März für 10 Tage in Betrieb genommen. Das bedeutet mehr als eine Woche Vorbereitung, denn uns erwartete eine sehr gemütliche Lodge mit jeglichem Komfort. Dass man im kanadischen Winter hier draussen problemlos warm duschen und exzellent essen kann, ist definitiv nicht selbstverständlich.

Der Weg zur Lodge an der wilden Kaska Coast gestaltete sich aber recht aufwändig. Von Winnipeg flogen wir zunächst mit einer Propellermaschine von Calm Air in die 13´000-Einwohner-Stadt Thompson. Mit einer kleinen Cessna Caravan ging’s dann weiter nach Gillam und nach einem Tankstopp dort schliesslich zur Lodge direkt an der Küste der Hudson Bay. Bereits beim Anflug konnten wir sehen, wie abgelegen dieser Ort ist. Das Gebiet um die Lodge ist rund zehn Mal so gross wie der Yellowstone Nationalpark. Und für die nächsten 10 Tage würden gerade mal 19 Personen (Gäste und Mitarbeiter der Lodge) in diesem Gebiet sein. 

Bereits am ersten Nachmittag machten wir eine kurze Ausfahrt mit den Schneemobilen, resp. den dahinter angehängten Holzschlitten, den Komatiks. Diese wurden in ähnlicher Form schon von den Inuit genutzt. Der Vorteil ist, dass man darin etwas vom Wind geschützt ist. Der Nachteil ist jedoch, dass diese Holzkonstruktionen rein gar keine Federung haben. Bereits geringe Unebenheiten im Schnee oder Eis schütteln einen daher kräftig durch. Spass hat’s trotzdem – oder gerade deshalb – gemacht. 

So wären wir eigentlich genug müde gewesen, um rasch einzuschlafen. Doch bevor wir daran auch nur denken konnten, klopfte es an unsere Tür: Northern Lights! Und zwar vom Feinsten! Was für ein erster Tag „in the middle of nowhere“!

PTARMIGANS

Ptarmigans sind Schneehühner, die mit ihren komplett mit Federn bedeckten Füssen ziemlich cool aussehen. Wir freuten uns daher sehr, als wir bereits nach kurzer Fahrt mit den Komatiks zahlreiche dieser Tiere entdeckten. Bei Sonnenschein vergassen wir sogar fast, dass es gefühlt -32°C kalt war. Dies wurde uns dann aber rasch wieder bewusst, als wir eine kurze Pause machten und mit heisser Schokolade und sehr tiefgefrorenen Getreideriegeln verpflegt wurden. 

Wir konnten auch das erste Mal Erfahrungen sammeln, wie man ein Schneemobil-Komatik-Gespann wieder aus dem Tiefschnee ausgräbt. Dieses getting-stuck-getting-unstuck würde uns über die nächsten Tage noch oft begleiten und zu einem regelrechten Wettrennen werden…

Rechtzeitig zum Mittagessen waren wir zurück in der Lodge und genossen das leckere Essen und das warme Kaminfeuer. Obwohl wir erst gestern hier angekommen waren, fühlten wir uns schon richtig zuhause! 

Die Ausfahrt am Nachmittag war dann etwas weniger attraktiv. Denn wir machten wohl drei Anfängerfehler: Erstens wechselten wir über Mittag die (wohl leicht feuchten) Socken nicht, zweitens vertrauten wir auf die Zeitangaben auf unseren Hand- und Fusswärmern und drittens gingen wir davon aus, dass eine schicke, mitteleuropäische Skibrille für die klimatischen Gegebenheiten hier oben geeignet wäre. Mit kalten Händen und Füssen und mit einer zunächst beschlagenen, rasch aber auch gefrorenen Skibrille war diese Ausfahrt ziemlich mittelmässig… Aber wir haben unsere Lektion(en) gelernt und uns sogleich in der Lodge neue Skibrillen gekauft.

CAMP FIRE

Kurz nach Sonnenaufgang bildete sich um die Sonne ein sogenannter Sun Dog. Dieser entsteht, wenn das Gegenlicht durch feine Schneekristalle in die Spektralfarben zerlegt wird. Und Schneekristalle hatte es an diesem -20°C kalten und mit 50km/h stürmischen Morgen wohl genug in der Luft. Daher planten wir an diesem Vormittag nur eine kurze Ausfahrt. Unsere heisse Schokolade genossen wir dieses Mal bei einem wärmenden Lagerfeuer. So war die Kälte gut auszuhalten. Während der Pause entdeckten wir am anderen Ende einer grossen Lichtung plötzlich einen Elch. Offensichtlich hat er uns auch gesehen oder gerochen. Denn er blickte sicherlich 10 Minuten lang regungslos zu uns rüber. Dann suchte er das Weite und auch wir machten uns nach dieser schönen Begegnung auf den Rückweg. 

Kurz nach dem Mittagessen tauchten direkt vor der Lodge zwei Füchse auf! Gerne hätten wir diesen noch länger zugeschaut – aber offenbar hatten sie andere Pläne und verschwanden schon bald wieder. 

Entgegen der Wettervorhersage flaute der Wind am Nachmittag nicht ab, sondern nahm sogar noch zu. Trotzdem unternahmen wir nochmals eine Ausfahrt. Dank frischen Socken und frischen Hand- und Fusswärmern überstanden wir diese windige Ausfahrt problemlos. Sie war sogar sehr schön, so dass wir erst bei Einbruch der Dunkelheit zur Lodge zurückkehrten.

WOLVES 

Wir staunten nicht schlecht, als wir direkt vor den Fenstern der Lodge fünf Wölfe sichteten. Diese kamen so nahe an die Lodge, dass unsere Teleobjektive zu stark waren. Was offensichtlich ein Luxusproblem ist, führte schliesslich zu wunderschönen Close-Up-Aufnahmen. Weil die Wölfe den ganzen Tag immer wieder rund um die Lodge auftauchten, verzichteten wir auf eine Ausfahrt und genossen einfach die wilde Natur um die Lodge.

SNOWY OWLS

Entgegen der Wettervorhersage war es heute milder und sonniger als an den vorhergehenden Tagen. Dieses gute Wetter nutzten wir für einen ausgiebigen Ausflug, von dem wir erst nach 15:00 zurückkehrten. Bereits näher bei der Lodge sichteten wir wieder „unsere“ Wölfe.

Die Landschaft an der Küste ist geprägt von Flüssen, Ebenen und kleinen Wäldern. Die Flüsse verlaufen mehr oder weniger in Richtung Meer, die Ebenen verlaufen parallel zur Küste. Und nachdem im Winter alles gefroren ist, kann man diese Pfade gut als Verkehrswege nutzen.

Einige Kilometer von der Lodge entfernt sichteten wir auf einem Baumwipfel eine Schneeeule. Diese Tiere sind auch hier oben selten und so schätzten wir uns sehr glücklich, zwei dieser Tiere sogar im Flug sehen und fotografieren zu können. Auf dem Rückweg begegneten wir einem Fuchs und einem Elch, wobei beide nicht wirklich interessiert waren…

Dort, wo im Sommer eine Art Wattlandschaft ist, war jetzt alles tiefgefroren. Und so konnten wir das ansonsten im Sumpf stehende Schiffswrack der Mooswah in einer malerischen Schnee- und Eislandschaft erkunden. Nach so vielen Eindrücken kamen wir hungrig in der Lodge an. Weil der Nachmittag ja schon praktisch vorbei war, beschlossen unsere Guides, eine Fahrt zum Sonnenuntergang auf dem Eis zu unternehmen. So fuhren wir geradewegs aufs Eis der Hudson Bay, direkt von Manitoba nach Nunavut. Das Farbenspiel, das sich uns beim Sonnenuntergang bot, war unbeschreiblich schön. Solche Farben sieht man wirklich nur in der Arktis! Bereits bei Dunkelheit fuhren wir zurück zur Lodge. Was für ein Tag!

IGLOO

Bei rund -20°C und einsetzendem Schneefall machten wir auch heute eine kurze Ausfahrt mit den Schneemobilen und Komatiks. Doch auch den Tieren war es heute offensichtlich zu garstig. Denn der Vormittag blieb ohne Tiersichtungen. Da das Wetter eher noch schlechter wurde, begeisterten wir uns fürs alternative Nachmittagsprogramm: Iglu bauen. Mit vereinten Kräften und dem Know how unseres Guides Emri gelang uns in gut drei Stunden ein wirklich ansprechendes erstes Iglu.

Dass dieses dann am Abend sogar noch mit Polarlichtern illuminiert wurde, rundete auch diesen Tag wunderschön ab. Etwas weniger Glück hatten heute Churchill Wild Patron Mike Reimer und Albert „Butch“ Saunders. Sie machten sich mit zwei Schneemobilen auf, um Eisbärenspuren zu entdecken. Dabei blieben sie mehrfach stecken und brachen ins Eis ein. So wurde aus dieser Erkundungsfahrt ein kräftezehrender 14-Stunden-Tag. Doch am Ende sind alle wohlbehalten wieder in der Lodge eingetroffen.

MORE SNOWY OWLS

Die Flüsse in dieser Region haben klangvolle Namen, die sie von den Ureinwohnern, den Cree, erhalten haben. Bei gefühlten -38°C fuhren wir am Vormittag nach Osten zum Mistikokan River und weiter in Richtung Mistasini River. Am Nachmittag fuhren wir in die entgegengesetzte Richtung, zuerst dem Opayastin Creek entlang, dann Richtung Menahook River. Sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag entdeckten wir wiederum Schneeeulen. Von der übrigen Tierwelt sahen wir heute aber nur Spuren und andere „Hinterlassenschaften“.

Bei der Rückkehr wurden wir mit einem regelrechten Barbecue und Drinks aus Eisbechern in der Lodge empfangen. Was für eine nette Überraschung!

SUNRISE WITH THE WOLVES

Unsere Wölfe waren wieder zurück. Bereits vor Sonnenaufgang konnten wir sie in einiger Distanz zur Lodge schlafen sehen. Es ist schon beeindruckend, wie unempfindlich diese Tiere gegenüber der Kälte sind. Denn der heutige Morgen war inkl. Windchill wieder mal -38°C kalt. Wir verbrachten mehr als eine Stunde draussen und beobachteten, wie die Wölfe langsam aktiv wurden. Sie näherten sich uns sogar auf etwa 50 Meter an! Das warme Morgenlicht schaffte eine wunderschöne Stimmung und machte das Fotografieren zu einem besonderen Leckerbissen. So richtig durchgefroren wartete dann ein ganz anderer Leckerbissen auf uns: das reichhaltige Frühstück in der Lodge. Den Rest des Vormittags verbrachten wir mit dem Sortieren und Bearbeiten unserer mittlerweile mehreren Tausend Fotos. Fachmännische Tipps von Jad waren da natürlich willkommen.

Am Nachmittag frischte der Wind auf etwa 60 km/h auf, doch die Temperaturen stiegen dafür etwas. Die Ausfahrt in einem regelrechten Schneesturm – aus aufgewirbeltem Schnee – war daher gut auszuhalten und wirklich faszinierend. Denn das Schneegestöber zauberte eine ganz spezielle Stimmung.

BEAR TRACKS

Vor lauter Wölfen, Schneeeulen, Füchsen und Elchen hatten wir fast vergessen, weshalb wir eigentlich hierhergekommen waren. Das wurde uns schlagartig wieder bewusst, als wir auf dem Weg zur York Factory auf Spuren einer Eisbärin und eines Jungtiers stiessen. Auch wenn die York Factory, also quasi die Wiege des modernen Kanada, sicher einen Besuch wert gewesen wäre, war allen klar: Bären haben Prio 1! Wir wussten zwar, dass die entdeckten Spuren bereits einige Tage alt waren. Doch es wurden auch weitere Spuren in der Umgebung gesichtet. Also hiess es warten und hoffen. Bei Sonnenschein und milden -6°C war das überhaupt kein Problem.

Beim Anbieter Churchill Wild ist klar: Man verfolgt keine Bären und man schreckt sie auch nicht auf. Man wartet und hofft, dass Bären vorbeikommen. Das reduziert zwar die Chance einer Bärensichtung, ist aber das einzig Richtige. Denn die Bärenmütter und Jungen haben sowieso schon einen sehr herausfordernden Marsch hinter sich und müssen vielen Gefahren trotzen. Solche Tiere zusätzlich zu stressen, wäre inakzeptabel.

Leider blieb es bei den Spuren. Doch nachdem wir schon den ganzen Tag unterwegs waren, hatte Jad noch eine gute Idee: Auf dem Rückweg fuhren wir nochmals aufs Meereis raus. Denn mittlerweile hatten sich dort zwei Wölfe niedergelassen. Diese zeichneten sich wie Scherenschnitte gegen den goldenen Himmel ab. Das war einfach traumhaft schön!

Direkt bei der Lodge machten wir nochmals einen Stopp mit den Komatiks, weil der Rest des Wolfsrudels ganz in der Nähe war. Plötzlich fing einer der Wölfe an zu heulen. Und nach und nach stimmten die anderen ein. Wölfe verändern die Tonhöhe ihres Geheuls immer wieder, so dass es wirklich wie ein Lied klang. Wir wagten kaum zu atmen und waren einfach nur fasziniert und berührt! So plötzlich wie der Gesang angefangen hatte, hörte er auch wieder auf. Doch einer der Wölfe stand auf und trottete genau auf unseren Komatik zu. Etwa 5 Meter von uns entfernt blieb er (oder eher sie) stehen und schaute uns direkt in die Augen. Solche Momente vergisst man nie mehr! Dann machte sie kehrt und zottelte davon.

NO LUCK

Bereits vor Sonnenaufgang machten wir uns heute auf den Weg an dieselbe Stelle wie am Vortag. Denn es bestand immer noch die Chance, Bären dort zu sehen. So richteten wir uns erneut mit einem Lagerfeuer gemütlich ein und warteten. Doch nach dem Mittag brachten unsere Guides schlechte Nachrichten: Sie hatten ein sogenanntes Daybed, also einen Ruheplatz einer Eisbärin, entdeckt, das bereits wieder eine dünne Eisschicht aufwies. Das war ein deutliches Zeichen, dass es die Bärenfamilie bereits gestern aufs Eis der Hudson Bay geschafft hatte. Dies war für uns aber zugleich eine gute Nachricht: Denn bei weitem nicht jede Bärenfamilie schafft es sicher aufs Meereis. Zu wissen, dass es dieser gelungen ist, ist mehr wert als ein schönes Foto.

Auf dem Rückweg sichteten wir noch einige Elche. Diese sehen mit ihren langen Beinen und eigenartigen Köpfen immer irgendwie falsch zusammengebaut aus…

SNOW MOBILES

Heute wäre die letzte Gelegenheit gewesen, Eisbären zu sehen. Doch es wurde bald klar, dass dies kaum geschehen würde. Irgendwie waren die Tiere heute sowieso nicht aktiv. Ausser einigen kleinen Vögeln in grosser Distanz sahen wir gar keine Tiere. Dafür lernten wir wieder einiges. Denn am Wegrand lag ein toter Lemming. Diese kleine arktische Maus ist sowas wie der Krill der hiesigen Nahrungskette. Denn quasi alle grösseren Tiere fressen Lemminge. Unser Fundstück ist aber offensichtlich einem Jäger – vielleicht einer Schneeeule – abhanden gekommen und lag nun tiefgekühlt neben unserem Track. Des weiteren haben wir die Hinterlassenschaften diverser hier lebender Tiere begutachtet. Elch-Dung sieht aus wie kleine Eier aus Sägemehl, denn Elche fressen im Winter ja nur Sprossen und Zweige. Beim Wolf sieht‘s aus wie bei einem Hund, was tiefgefroren aber auch kein Problem ist. Die Schneeeule würgt die nicht verdaubaren Lemming-Bestandteile wieder hoch, was dann ein recht unappetitliches Knäuel aus Pelz, Knochenstücken und Zähnen ergibt. Ja, man kann wirklich viel lernen hier 🙂

Nach dem Mittag durften wir uns zum Schluss noch etwas selber am Steuer eines Schneemobils versuchen. Das macht viel Spass ist aber gar nicht so einfach! Als wir dann in der Lodge zurück waren, konnte man schon deutlich sehen, dass diese nun wieder in den Winterschlaf versetzt werden würde. Diverse Fenster waren schon wieder gesichert und vieles schon wieder verpackt. Denn wenn die Crew hier in 1-2 Tagen ebenfalls weggeht, werden die nächsten Gäste erst im Juli hierher kommen.

Ein letzter gemütlicher Abend rundete diesen wunderbaren Aufenthalt ab.

FAREWELL

Am letzten Vormittag tauchten nochmals die Wölfe direkt bei der Lodge auf. Es war wirklich so, als ob sie sich von uns verabschieden wollten. Das hat uns zugleich gefreut aber auch ziemlich wehmütig gestimmt. Doch der Entschluss war bereits gefasst, diesen Trip irgendwann nochmals zu machen. Dies erleichterte uns den Abschied von der wilden Kaska Coast etwas.

WINNIPEG

49°53‘N | 97°12‘W ● KANADA

Wir flogen zuerst nach Gillam und stiegen dort auf eine Linienmaschine von Calm Air um. So kamen wir rechtzeitig und problemlos zurück in der Zivilisation an. Am Abend stand noch ein letztes Abendessen mit unseren Mitreisenden auf dem Programm. Man spürte deutlich, dass es allen leid tat, dass dieser „trip of a lifetime“ nun zu Ende ging.

Wir hatten noch einen Reservetag in Winnipeg eingeplant, da man bei Flügen in der Arktis ja nie so genau weiss, ob sie auch wirklich stattfinden. So hätten wir noch etwas Puffer gehabt, den wir nun aber nochmals für etwas Sightseeing und einen Besuch in „The Forks“ nutzen konnten. So ging auch für uns eine Reise zu Ende, wie wir sie noch nie erlebt hatten. Sicherlich war es die bewegendste und wohl auch schönste Reise, die wir je gemacht hatten.

Churchill 2018

Churchill 2018

Churchill liegt in Manitoba, Kanada. Mit einer nördlichen Breite von rund 58° liegt es in der Sub-Arktis. Doch das trockene, kalte Klima an der Hudson Bay sorgt dafür, dass hier sowohl Fauna wie auch Flora sehr arktisch anmuten. Bereits im November sind hier -20°C keine Seltenheit. Und genau zu dieser Zeit kommen die Eisbären der Hudson Bay an die Küste und warten, bis diese zufriert und die Bären auf dem Eis auf Robbenjagd gehen können. Unsere Reise nach Churchill fand zu dieser Bären-Hochsaison statt und ermöglichte uns einmalige, berührende Begegnungen. Denn in den Lodges von Churchill Wild kann man Bären nicht nur aus grosser Distanz betrachten, sondern regelrecht mit ihnen spazieren.

REISEVORBEREITUNGEN

Bisher waren wir immer im Sommer in die Arktis gereist. Dann herrschen auch in den Polarregionen Temperaturen, die sich im leicht positiven Bereich bewegen. Im November sieht dies anders aus: Dann sind Temperaturen von -20°C durchaus üblich. Hinzu kommt noch der Wind Chill. Wenn man bei diesen Temperaturen mehrstündige Wanderungen in der Tundra unternehmen will, muss man sich richtig warm anziehen. Also packten wir die wärmsten langen Unterhosen, diverse Schichten an Shirts und Jacken, warme Socken, Handschuhe, Mützen usw. ein. Bis -40°C geprüfte Sorel Schuhe, Canada Goose Expedition Parkas und eine Grosspackung Hand- und Fusswärmer rundeten unsere Expeditionsausrüstung ab. Doch würden auch unsere Kameras solche Temperaturen aushalten? Wir packten auf jeden Fall genügend Reserve-Akkus und luftdichte Beutel fürs Wiederaufwärmen der kalten Kameras ein. Bei einer Gepäcklimite von 20kg in einer weichen Segeltuchtasche war dies schon ziemlich herausfordernd.

WINNIPEG

49°53‘N | 97°12‘W ● KANADA

Schon die Anreise nach Churchill ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. So flogen wir zuerst von Zürich über Frankfurt nach Toronto. Nachdem wir dem Zollbeamten erklärt hatten, dass wir nach Churchill zu den Eisbären reisen, meinte dieser, das sei „awesome“ und liess uns problemlos einreisen. Auch der Flug nach Winnipeg klappte problemlos und so kamen wir spät abends in der Hauptstadt von Manitoba an.

Am nächsten Tag erkundeten wir Winnipeg. Bei winterlichem Wetter besuchten wir diverse Highlights der Stadt, u.a. zwei Museen und ein historisches Quartier beim Zusammenfluss des Red Rivers und des Assiniboine Rivers, das bezeichnenderweise „The Forks“ heisst.

Unsere Reise wurde durch Background Tours organisiert und durch Sylvia Stevens begleitet. Im Flughafen-Hotel The Grand fand als offizieller Auftakt zu dieser Reise ein gemeinsames Abendessen mit unserer Reisegruppe statt.

SEAL RIVER HERITAGE LODGE

58°46‘N | 94°10‘W ● KANADA

Unser Flug nach Churchill sollte bereits frühmorgens starten. Doch schwierige Wetterverhältnisse und die grossen Fracht- und Gepäckmengen sorgten für eine rund zweistündige Verspätung. Wir vermuteten, dass das grosse Frachtaufkommen damit zusammenhing, dass die Eisenbahnlinie von Winnipeg nach Churchill seit rund 18 Monaten unterbrochen war. Daher ist Churchill im Winter nur per Flugzeug erreichbar.

Der Flug nach Churchill verlief angenehm. Bei -8°C und einem steifen Wind waren wir beim Aussteigen in Churchill froh, dass wir bereits unsere warme Winterkleidung trugen. Und nach einer kurzen Wartezeit in dem kleinen Flughafengebäude starteten wir bereits mit zwei Propellermaschinen in die rund 60 Kilometer entfernte Seal River Heritage Lodge. Diese liegt direkt an der Hudson Bay, quasi „in the middle of nowhere“. Die Lodge ist komplett autark und wurde hier vor 25 Jahren von der Familie Reimer aufgebaut und laufend erweitert. Heute umfasst sie 8 Gästezimmer, eine enorm gemütliche Lounge und einen Speisesaal. Alle Räume haben eine tolle Aussicht auf die Bay oder in die Tundra. 

Nach unserer Landung auf einer Schotterpiste wurden wir mit einem kleinen Truck mit Anhänger abgeholt. Einerseits mussten wir so unser Gepäck nicht schleppen und andererseits würden wir so auch keinen Eisbären begegnen. Dass diese Möglichkeit besteht, zeigte sich bereits nach wenigen Metern. Aus dem Gebüsch tauchte ein Eisbär auf und trottete gemütlich neben uns her. Was für ein Empfang!

Nach dem Mittagessen wurden wir informiert, wie man in freier Wildbahn mit Eisbären umgehen muss. Denn bei der Seal River Heritage Lodge beobachtet man Eisbären nicht nur aus der Lodge raus, sondern geht mit den Eisbären regelrecht spazieren. In der 25-jährigen Geschichte der Seal River Heritage Lodge gab es noch nie einen Zwischenfall mit einem Bären. Damit dies so bleibt, sind einige Vorsichtsmassnahmen notwendig. Meist nimmt ein Bär sowieso Reissaus, wenn er einer Gruppe von Menschen begegnet. Bleibt er und zeigt durch sein Verhalten, zum Beispiel indem er wegschaut oder sich gar hinlegt, dass er uns „duldet“, dann kann man sich als Gruppe in Einerkolonne bis maximal 100 Meter nähern. Merkt man, dass ein Bär unruhig wird, so bedrängt man ihn natürlich nicht und geht weg. Und sollte ein Bär wirklich mal auf einen zugehen oder angreifen, dann würden die folgenden Massnahmen von den immer mindestens drei Guides ergriffen:

  1. Rufen (Bären kennen keine Stimmen und erschrecken deshalb meist genug, um wegzulaufen)
  2. Zwei Steine zusammenklopfen (das klingt für Bären gefährlich)
  3. Einen Stein werfen (sollte man den Bären treffen, würde er ob der ungewohnten Berührung wohl davonlaufen)
  4. Mit der Schreckschusspistole schiessen
  5. Den Bärenspray, einen Pfefferspray für Fortgeschrittene, einsetzen
  6. Mit der grosskalibrigen Waffe schiessen (was natürlich unbedingt zu vermeiden ist und auch bei allen drei Lodges von Churchill Wild noch nie vorgekommen ist)

So vorbereitet machten wir uns auf eine erste Wanderung im Eisbärenland. Und tatsächlich sahen wir schon bald eine junge Eisbärin. Sie hatte auf dem Rücken eine grüne Markierung und trug einen Satellitensender im Ohr. Das deutete darauf hin, dass sie der Stadt Churchill mal zu nahe gekommen war und im dortigen Eisbärengefängnis einquartiert wurde, bis sie dann in die Wildnis ausgeflogen wurde. Wir nannten sie daher „Prison Girl“…

Nach dieser wunderbaren Begegnung genossen wir eine kurze warme Dusche. Kurz deshalb, weil hier sämtliches Wasser per Tankanhänger aus einem Eisloch eines nahegelegenen Sees gepumpt, hergefahren und erwärmt werden muss. Da will man nicht unnötig Energie verschwenden. Das Abendessen war unglaublich lecker – die Churchill Wild Lodges sind bekannt für ihre gute Küche. 

Am nächsten Tag starteten wir gleich nach dem reichhaltigen Frühstück zu einer Wanderung. Trotz -16°C und Schneesturm genossen wir die Landschaft und konnten zwei Bären in einiger Distanz beobachten. Doch beide wollten nichts mit uns zu tun haben. Daher machten wir uns auf den Rückweg zur Lodge, wo wir uns wieder etwas aufwärmten. Bei mittlerweile windstillem Wetter machten wir uns auf zu unserem Afternoon Walk. Ausser ein paar Schneehühnern, die bereits ihr weisses Winterkleid trugen, sahen wir keine Tiere. Direkt bei der Lodge sichteten wir dann aber einen Eisbären im Gebüsch. Wir schlichen zurück zur Lodge und konnten den Bären, es war wieder Prison Girl, von innerhalb des Sicherheitszauns aus nächster Nähe sehen und fotografieren. Ein Sprichwort hier lautet „When you look a polar bear in the eye, it changes your life“ – stimmt!

Der nächste Tag war bärenfrei. Auf zwei insgesamt 14 Kilometer langen Wanderungen sahen wir keine Tiere, jedoch wunderbare Licht- und Wolkenstimmungen. Ein grosser Teil der Wanderung führte uns über zugefrorene Seen und durch verschneite Gräser- und Buschlandschaften. Das hat uns mehr als nur entschädigt für das Ausbleiben der Bären. 

Wir waren erst kurz im Bett, als es an unsere Türe klopfte. Polarlichter! Das liessen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Also wieder rein in die Winterkleider, Kamera und Stativ geschultert und raus…  Tatsächlich flackerten am Himmel spektakuläre Polarlichter. Trotz der eisigen Kälte waren wir bestimmt eine Stunde am Fotografieren und Geniessen. Umso besser schliefen wir danach, wobei die warmen Bettflaschen, die uns von den netten Hosts der Lodge bereitgestellt wurden, sicher auch ihren Teil dazu beigetragen haben.

Bei windigem und kaltem Wetter machten wir am nächsten Morgen nur eine kleine Wanderung. Denn kaum waren wir weg, wurde Prison Girl bei der Lodge gesichtet. Das wollten wir nicht verpassen und machten uns daher auf den Rückweg zur Lodge. Kurze Zeit später sichteten wir einen weiteren Bären. Als er sich näherte, sahen wir, dass es sich um einen alten, schwachen Bären handelte. In der Lodge war er gut bekannt und wurde Pete genannt. Er sei schon über 20 Jahre alt und komme jedes Jahr zur Lodge. Man konnte deutlich erkennen, wie gross und mächtig Pete einst gewesen sein muss. Doch nun war er schwach und müde, ein alter Kämpfer am Ende seiner Tage. Sein Gesicht, seine Augen, seine zahlreichen Narben und seine riesigen Pfoten erzählten die Geschichte eines echten Königs der Arktis. Ein so beeindruckendes Tier so alt und schwach zu sehen, war eine der emotionalsten Begegnungen, die wir je erlebt haben. Viele von uns waren wirklich zu Tränen gerührt. Auch andere Bären behandeln solche Veteranen mit viel Respekt. Ein jüngerer Bär habe sogar mal etwas Fressbares übrig gelassen, damit Pete, der wohl nicht mehr jagen mochte, etwas zu fressen hatte.

Nach diesem emotionalen Vormittag machte sich am Nachmittag nur noch ein kleiner Teil der Reisegruppe auf den Afternoon Walk. Wir waren dabei und wurden mit wunderbaren Lichtstimmungen und einer erneuten, kurzen Begegnung mit Prison Girl belohnt.

Als ob dieser Tag nicht schon ereignisreich genug gewesen wäre, zeigten sich am Nachthimmel wieder Polarlichter. Diese waren intensiver und bunter als alles, was wir je gesehen hatten. Unsere Kameras hatten also nochmals eine Nachtschicht vor sich.

Der letzte Morgen in der Lodge war sehr kalt, inkl. Wind Chill waren es heute -25°C. Umso spektakulärer präsentierte sich die dampfende Hudson Bay im Licht der Morgensonne. Nicht mehr lange und die Bay würde zugefroren sein. Unser Flug zurück nach Churchill wurde zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben, weil in Churchill wegen Nebels keine Starts und Landungen möglich waren. Die so gewonnene Zeit genossen wir in der gemütlichen Lounge der Lodge. Und plötzlich tauchten zwei Bären nahe bei der Lodge auf. Einer kam so nahe an den Sicherheitszaun, dass wir ihn fast hätten berühren können. Das Fotografieren war mit dem viel zu langen Teleobjektiv aber eine Herausforderung… Was für ein wunderschöner Abschluss unseres Aufenthalts in der Seal River Heritage Lodge. Wir waren uns einig, dass dies das Schönste war, was wir bisher erlebt hatten.

In Churchill hatte sich der Nebel mittlerweile verzogen und so konnten wir unseren Rückflug mit den Propellermaschinen antreten. Es war spannend zu sehen, wie stark sich das Eis in den letzten vier Tagen bereits verändert hatte. Schon bald würde die Bay komplett zufrieren und die Eisbären zum grossen Fressen aufbrechen…

CHURCHILL

58°46‘N | 94°10‘W ● KANADA

Nach der Landung in Churchill fuhren wir ins Aurora Inn, unsere Unterkunft für die nächsten Tage. Ein spätes Mittagessen im benachbarten Tundra Inn machte uns fit für die folgende Rundfahrt durch Churchill. Erst bei Einbruch der Dämmerung waren wir zurück im Aurora Inn. Doch statt des geplanten Abendessens gab‘s zuerst einen Blackout. Plötzlich war alles dunkel, und zwar nicht nur in unserem Hotel, sondern in ganz Churchill. Respektive sogar in ganz Nord-Manitoba, wie wir über Twitter erfuhren. So ohne Strom in einer abgelegenen Siedlung bei -15°C macht man sich schon einige Gedanken… Doch nach einer knappen Stunde war alles wieder in Ordnung. Sogar ein warmes Abendessen im Tundra Inn gab‘s.

Am nächsten Tag fuhren wir mit einem Tundra Buggy übers Land. Diese umgebauten LKWs haben riesige Reifen, damit sie den empfindlichen Tundra-Boden nicht unnötig beschädigen. Zudem dürfen sie nur auf den vorgegebenen Tracks fahren. Die Eisbären sind bekanntermassen neugierig und kommen durchaus auch mal direkt bis ans Fahrzeug. Weil man im Fahrzeug gut geschützt ist, ist das kein Problem. Nur fürs Fotografieren muss man daran denken, dass man bei einer so nahen Eisbärenbegegnung mit dem 400mm-Teleobjektiv nur noch die Nasenspitze draufkriegt. Wir hatten riesiges Glück und haben diverse einzelne Eisbären, eine Eisbärenmama mit Jungem und zwei zum Spass kämpfende Eisbären gesehen. Alles, was man sich wünschen konnte! Erst nach Sonnenuntergang waren wir zurück in Churchill. Wie zu allen Mahlzeiten assen wir auch an diesem Abend im Tundra Inn. Das Essen schmeckte gut, auch wenn es natürlich vor allem schnell gehen muss – denn November ist hier Hochsaison.

Am nächsten Tag unternahmen wir eine Rundfahrt durch Churchill. Neben dem sehenswerten Museum machten wir einen Stopp beim Postamt. Denn der Poststempel von Churchill ist ein Muss, sei es auf einer Postkarte oder im Reisepass. Weiter ging’s zum Eisbären-Gefängnis, das korrekterweise eigentlich Polar Bear Holding Facility heisst. Dieser alte Flugzeughangar dient als temporäre Behausung für Eisbären, die der Stadt Churchill zu nahe kommen. Früher hat man Bären, die eine Gefahr für die Menschen darstellten, erschossen. Da scheint die heutige Methode, die Tiere einzusperren und nach einigen Tagen oder Wochen mit dem Hubschrauber weit weg vom Churchill wieder auszusetzen, doch um einiges humaner. Besichtigen kann man dieses Gefängnis nur von aussen.  Drinnen ist es dunkel und die Bären kriegen nur Wasser. Früher hat man die Bären offenbar auch gefüttert. Das hat dazu geführt, dass manchmal auch Bären ins Gefängnis eingebrochen sind, weil es ihnen dort so gut gefallen hat. Dass wir beim alten Hangar mit unserem Bus in einer Schneeverwehung stecken geblieben sind und erst mal kräftig schaufeln mussten, ist eine andere Geschichte… Doch hat auch dieses Erlebnis viel Spass gemacht!

Der nachfolgende Rundgang durch den Ort war rasch abgeschlossen. Denn abgesehen von einigen Souvenirshops, einem Supermarkt und einem Baumarkt, gibt es entlang der Main Street nicht viel zu erkunden. Weiter ging’s in den nahe gelegenen nordischen Wald zu einem Schlittenhundeführer. Mit seinem Team Wapusk hat er schon zahlreiche Rennen gewonnen. Und auch wir hatten die Möglichkeit, eine (geführte) Runde mit dem Hundeschlitten zu fahren. Es war faszinierend, wie viel Spass die Hunde am Laufen und Schlitten ziehen haben. Und damit hatten natürlich auch wir einen tollen Nachmittag. 

Den letzten Vormittag in Churchill verbrachten wir nochmals auf einem Tundra Buggy. Wir sahen wiederum einige Eisbären. Einer stellte sich beim Buggy sogar auf die Hinterbeine! Spannend war auch, die stetigen Veränderungen des Eises in der Hudson Bay zu beobachten. Vorgestern mit Nordwind war das Eis dicht an der Küste. Und heute mit Südwind trieb es wieder weit draussen in der Bay. Für uns war das positiv, denn solange die Bay noch nicht zugefroren war, konnte man an Land Eisbären sichten. Die Bay friert übrigens überraschenderweise von Süden nach Norden zu. Das liegt daran, dass im Süden einige Flüsse Süsswasser in die Bay schwemmen. Und da Süsswasser früher gefriert, bildet sich das erste Eis der Hudson Bay immer im Süden.

Nach diesem schönen Abschluss machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Und nach einem zweistündigen Flug waren wir schon wieder zurück in Winnipeg.

RÜCKREISE

Ein letztes Abendessen in Winnipeg und dann ging‘s am nächsten Morgen über Toronto zurück nach Zürich. 

Es wird wohl noch lange dauern, bis wir ganz begreifen, was wir in diesen 10 Tagen alles erlebt und gesehen haben. Definitiv war dies die bisher schönste Reise, die wir je unternommen haben. Wiederholung also durchaus nicht ausgeschlossen! 

Ellesmere Island 2015

Ellesmere Island 2015

Expedition Ellesmere Island – soweit nach Norden, wie es die Eislage zulässt. Das klingt ganz nach einer Reise für uns. So entschieden wir uns, diese Reise mit der MS Hanseatic zu buchen. Nicht nur für uns war dies Neuland, sondern auch für die „Hanse“. Denn Ellesmere Island liegt nördlich der Nordwestpassage in Kanada. Die Anziehungskraft der Nordwestpassage und die Eissituation haben dazu geführt, dass dieses Fjordsystem kaum je touristisch befahren wurde. Bis jetzt.  

KANGERLUSSUAQ

66°58’N | 51°58’W ● GRÖNLAND

Bereits die Anreise zu unserem Einschiffungsort war ungewöhnlich. Denn wann fliegt man schon mal nach Grönland? Auf jeden Fall reisten wir am Vorabend von Zürich nach Hamburg, von wo aus am nächsten Morgen unser früher Sonderflug mit Air Greenland nach Kangerlussuaq startete. Air Greenland fliegt mit ihrer einzigen Langstreckenmaschine normalerweise die Strecke Kopenhagen-Kangerlussuaq. Doch für rund 170 Passagiere, einige Crewmitglieder und vor allem viele Frischwaren lohnte es sich offenbar, das ganze Flugzeug zu chartern. 

Nach fünf Stunden Flug landeten wir dank vier Stunden Zeitverschiebung bereits kurz nach 08:00 auf dem ehemaligen amerikanischen Militärstützpunkt. Weil die Hanseatic noch nicht bereit war für uns, stand zuerst eine Landschaftsfahrt auf dem Programm. Mit einem alten Bus fuhren wir auf einen nahegelegenen Aussichtspunkt. Die Landschaft rund um Kangerlussuaq ist mässig attraktiv. Aber man konnte immerhin das grönländische Eisschild in der Ferne sehen. Auf der Rückfahrt in Richtung Pier sahen wir in einiger Entfernung Moschusochsen. Und schliesslich lernten wir bei einem kurzen Stopp einige Grönland-Hunde kennen. Diese sehen aus wie Löwen und sind wohl irgendwo zwischen Wolf und Husky anzusiedeln.

Schliesslich konnten wir mit den Tenderbooten durchs flache Wasser zur Hanseatic fahren, die im Fjord auf Reede lag. Das Gepäck und all die Frischwaren mussten mit einer „Barge“ separat transportiert werden. Schon das Einschiffen stimmte uns also auf die bevorstehende Expedition ein.

Schon bald legte die Hanseatic ab in Richtung Baffin Bay. Die Ausfahrt durch den rund 180km langen Søndre Strømfjord dauerte den gesamten Nachmittag. Die Aussicht auf die steilen, teilweise mehrere Milliarden Jahre alten Felswände war beeindruckend.  

CLYDE RIVER

70°28’N | 68°35’W ● KANADA

Nach einem regnerischen und stürmischen Seetag auf der Baffin Bay erreichten wir Clyde River. In diesem kleinen Ort an der Ostküste von Baffin Island wickelten wir offiziell die Immigration nach Kanada ab. Nachdem hier seit drei Jahren kein Passagierschiff mehr angelegt hatte, freuten sich die Locals natürlich über unseren Besuch. Denn Touristen bringen Geld in die Stadtkasse. Bei nur 1000 Einwohnern, aber einer durchaus guten Infrastruktur mit Supermarkt, Krankenhaus, Feuerwehr und sogar einer Eishockey-Halle, ist dies sicherlich willkommen. Bei einer Folklore-Vorführung lernten wir einige Inuit-Bräuche kennen. Es war spannend, wie sehr sich die Bräuche der ost-kanadischen und der russischen Inuit gleichen.

Dass wir zwar weit weg von der kanadischen Hauptstadt, aber doch noch voll im Einflussgebiet der Bürokratie waren, zeigte sich an den Vorschriften, die nun eingehalten werden mussten. So stand ab heute auf der Speisekarte, dass nicht durchgegarte tierische Produkte als nicht unbedenklich eingestuft werden müssten. Ebenfalls mussten die Salz- und Pfeffermühlen abgepackten Papiertütchen weichen. Und von der Schiffsleitung wird für den gesamten Aufenthalt in Kanada bei jeder Anlandung ein Sicherheitsdispositiv gefordert, wie sie die Hanseatic zu schützen gedenkt. Da spielt es keine Rolle, ob das Schiff in Quebec oder im Niemandsland der kanadischen Arktis liegt. 

Den Nachmittag verbrachten wir mit einer schönen Zodiac-Ausfahrt im nahegelegenen Clyde Inlet. So ging unser erster Tag in der kanadischen Arktis mit vielen schönen Eindrücken zu Ende.

SAM FORD FJORD

70°36’N | 71°29’W ● KANADA

Der heutige Tag startete sehr früh. Denn bereits um 03:00 rumpelte es ordentlich, als die Hanseatic in ein Packeisfeld fuhr. Das störte uns aber nicht wirklich und so schliefen wir weiter, bis um 05:00 die leise Durchsage von der Brücke kam, dass nun draussen langsam die Sonne aufgehe. Da die Temperatur bereits unter dem Gefrierpunkt lag, hatte sich über Nacht eine dünne Eisschicht auf dem Wasser gebildet. Man konnte sogar schon erste “Pancakes” sehen – und dies bei einem traumhaften Sonnenaufgang. Einfach toll!

Kurze Zeit später sichteten unsere Lektoren eine Eisbärenfamilie: eine Mutter mit zwei Jungen machten sich in einiger Distanz gerade über eine Robbe her. Von blossem Auge konnte man die Tiere zwar sehen, aber nicht viel erkennen. Doch mit dem Fernglas konnten wir diese Mahlzeit gut mitverfolgen…

Am Nachmittag konnten wir dann bei einer Gletscherzunge an Land gehen und über einige Felsblöcke auf die Endmoräne klettern. Zuletzt gingen wir sogar einige Meter auf dem blanken Gletschereis, was ohne Spikes oder Steigeisen vermutlich nicht die vernünftigste Idee war. Aber es kamen alle wohlbehalten zurück.

Wir waren rund 230 Seemeilen in den Sam Ford Fjord reingefahren. Und dementsprechend dauerte auch die Ausfahrt wieder bis in die Nacht.

POND INLET

72°48’N | 77°18’W ● KANADA

Pond Inlet liegt ganz im Norden von Baffin Island und hat rund 1500 Einwohner. Wie in Clyde River ist auch hier die Infrastruktur erstaunlich gut für einen so kleinen Ort. Und für diejenigen, die hier mal Urlaub machen möchten, gibt es sogar ein Hotel und eine Indoor-Minigolfanlage. Bei uns stand allerdings nicht Minigolf auf dem Programm, sondern eine erneute Folklore-Darbietung. Diese war wiederum interessant und wurde von der lokalen Folkloregruppe mit viel Begeisterung vorgeführt.

Pond Inlet war unser letzter Stopp in der “Zivilisation”. Bei der Durchfahrt durch den Eclipse Sound konnten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang bestaunen.

JONES SOUND

75°31’N | 79°59’W ● KANADA

Um von Pond Inlet in den Jones Sound zu gelangen, muss man einen kurzen Abstecher in die Baffin Bay machen. Diese wurde ihrem Ruf als Wetterküche gerecht und empfing uns mit Windstärke 7 und ordentlichem Seegang. Die Hanseatic stampfte ordentlich und musste etwas Fahrt zurücknehmen, also langsamer fahren. Entsprechend froh waren wir, als wir dann den geschützten Jones Sound erreichten. Schlagartig war die See ruhig.

Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir eine Zodiac-Rundfahrt in einem Eisfeld unternehmen. So kurvten wir zwischen grösseren und kleineren Schollen hindurch.

NORWEGIAN BAY

76°43’N | 90°37’W ● KANADA

Heute war der alles entscheidende Tag dieser Reise. Denn um in das Fjordsystem von Ellesmere Island einzufahren, muss man entweder das Hell Gate oder die Cardigan Strait passieren. Beides sind Meerengen, die oft von Eisfeldern verstopft sind. Die Hanseatic hat mit Eis zwar kein Problem, kann aber kein Eis brechen. Wenn die Eisbedeckung zu gross ist, gibt es also kein Durchkommen.

Eigentlich wollte Kapitän Natke das wohl treffend benannte Hell Gate passieren. Doch dieses war nicht passierbar, weil sich über Nacht ein Eisfeld direkt dorthin verschoben hat. Glücklicherweise war dafür die Cardigan Strait frei, so dass unserer Expedition nach Ellesmere Island nichts im Wege stand. Es würde aber spannend bleiben, da in den Fjorden einige riesige Eisfelder lagen und wir ja auch wieder durch eine der beiden Meerengen aus dem Fjordsystem rausfahren mussten. Da war es beruhigend zu wissen, dass sich gleichzeitig auch ein kanadischer Eisbrecher in der Nähe befand, der uns wohl im Fall der Fälle helfen könnte.

Eureka

79°59’N | 85°54’W ● KANADA

In Eureka steht die nördlichste zivile Wetterstation der Welt. Den grössten Teil des Jahres ist sie nur auf dem Luftweg erreichbar. Nur im Sommer kann im Idealfall ein Versorgungsschiff schwere Dinge, wie z.B. Baumaterial, hierher bringen. Und dieses einzige Versorgungsschiff war genau zeitgleich mit uns dort. Daher war die Stationsbesatzung mit dem Löschen der Ladung beschäftigt und wir konnten die Wetterstation nicht besichtigen. Wir konnten aber neben der Station mit den Zodiacs an Land fahren und eine kleine Wanderung unternehmen. Dabei haben wir einen schönen weissen Schneehasen gesehen. Denn hier ist der Sommer so kurz, dass die Hasen das ganze Jahr ihr weisses Fell behalten.

Zurzeit hätte es die Eislage zugelassen, noch deutlich weiter nach Norden zu fahren. Doch mitten im Hauptfjord lag ein 18km langes und 9km breites Packeisfeld aus altem Eis. Auch wenn der Weg nach Norden am Eisfeld vorbei noch möglich gewesen wäre, durften wir dies natürlich nicht riskieren. Denn hätte sich das Eisfeld gedreht und den Fjord dicht gemacht, so wären wir quasi in der Falle gesessen. Und bei so dichtem Eis hätte uns auch der kanadische Eisbrecher nicht helfen können. Daher kam auch von der kanadischen Küstenwache ein klares „Nein“ zu einer Fahrt weiter nach Norden. Daher endete unsere Reise nach Norden bei 80°5‘N, also rund 1000km vom Nordpol entfernt. 

AXEL HEIBERG ISLAND

79°31’N | 85°11’W ● KANADA

Axel Heiberg Island begrenzt die Fjorde von Ellesmere Island im Westen. Bereits gestern Abend kamen wir im Mocca Fjord an, wo wir die Nacht über ankerten. Um 06:00 fuhren wir bereits mit den Zodiacs an Land. Wir unternahmen eine schöne Wanderung, die aber mit eisigem Wind und wiederholten Schneeschauern recht kühl war. Jedenfalls waren wir danach so richtig hungrig auf ein leckeres Frühstück an Bord. 

Vor dem Mittag besuchten wir einen interessanten Vortrag unseres Ice Masters. Bei Fahrten ins Eis fährt meist ein lokaler Ice Master mit, der den Kapitän berät. Auch stellt der Ice Master über seine Verbindungen zur Coast Guard sicher, dass immer die aktuellsten Eiskarten vorliegen. Das ist in einem Gebiet, wo man nur sehr begrenzten Internetzugang hat, gar nicht so einfach. Es war auf jeden Fall spannend, was der Ice Master über seine mehr als 40 Jahre als Eisbrecher-Kapitän erzählte.

Auf der Hanseatic ist es Tradition, jeweils an einem besonders schönen Ort eine Pølser Party an Deck zu feiern. Da war die arktische Fjordlandschaft natürlich genau der richtige Ort. Doch die Party endete rasch, als ein Passagier eine Eisbärenfamilie sichtete. Es war eine Mutter mit zwei Jungen. Die kleine Familie posierte auf einer grossen Eisscholle und war durchaus neugierig. Aus nächster Nähe konnten wir die drei mehr als eine Stunde lang beobachten. Mehr als 300 Fotos später konnten wir uns der Aussage einer mitreisenden Passagierin nur anschliessen: „Macht’s gut und überlebt lange!“

Bei mittelmässigem Wetter machten wir dann nochmals eine Anlandung und eine kleine Wanderung. Das war ein schöner Abschluss eines wunderbaren Expeditionstages auf Axel Heiberg Island.

HELL GATE

76°17’N | 88°33’W ● KANADA

Auf dem Weg nach Norden war das Hell Gate nicht passierbar, dafür aber die Cardigan Strait. Nun war es genau umgekehrt. So kamen wir doch noch zu einer Passage durch das Höllentor. Abgesehen von starken Winden war die Durchfahrt aber nicht besonders höllisch. Vielmehr kamen wir so gut vorwärts, dass wir im Jones Sound sogar noch Zeit für eine zusätzliche Anlandung im Baade Fjord hatten. Dort gibt es ein rund 1000m hohes Kap, das auf keiner der Seekarten einen Namen trug. Unsere Crew hat es daher kurzerhand als „Kap Thilo“ zu Ehren von Kapitän Thilo Natke getauft. 

Auf unserer Wanderung sahen wir Schneehasen und diverse Fossilien. Die versteinerten Schnecken waren besonders faszinierend, waren diese doch einige hundert Millionen Jahre alt. Sie stammten aus einer Zeit als Ellesmere Island noch beim Äquator lag. 

Beim Recap am Abend erfuhren wir, dass wir gut daran getan haben, nicht weiter nach Norden zu fahren. Denn mittlerweile hatte sich das Eisfeld so weit nach Süden verschoben, dass es kein Durchkommen mehr gegeben hätte. Selbst Eureka war bereits nicht mehr erreichbar und das Versorgungsschiff musste den Liegeplatz sogar vorzeitig verlassen.

GRISEFJORD

75°51’N | 80°51’W ● KANADA

Der Plan wäre gewesen, heute unseren Ice Master im 150-Seelen-Dorf Grisefjord abzusetzen. Dort hätte er vier Tage in einem Motel auf seinen Flug nach Hause warten müssen. Da das Motel weder eine Küche noch ein Restaurant hatte, wäre er von der Hanseatic mit einem grossen Picknick-Korb ausgerüstet worden. Hätte, würde, wäre… Denn vor Grisefjord lag so viel Eis, dass an eine Anlandung nicht zu denken war. So blieb unserem Ice Master der Aufenthalt in Grisefjord erspart und er würde dafür noch etwas länger an Bord bleiben.

Auch der für den Nachmittag geplante Stopp beim Jakeman Glacier fiel den Eisverhältnissen zum Opfer. Daher fuhren wir früher als geplant in die Baffin Bay in Richtung Grönland. Und wie so oft war die See auch dieses Mal wieder recht bewegt. Aber wir waren ja mittlerweile schon gut eingeschaukelt. 

SIORAPALUK & QAANAAQ

77°42’N | 70°50’W ● GRÖNLAND

In der Arktis ist fast jede Infrastruktur ein nördlicher Superlativ. So auch Siorapaluk, das als nördlichste zivile Siedlung gilt. Es leben rund 50 Menschen und deutlich mehr Hunde hier. An einem windstillen Tag wie heute ist der Ort eine ordentliche geruchsmässige Herausforderung. Eine Mischung aus nassem Hund, Hunde-Hinterlassenschaften und verrottenden Jagdabfällen ist durchaus gewöhnungsbedürftig. So waren wir nicht unglücklich, schon bald in Richtung Qaanaaq weiterzufahren…

Qaanaaq ist mit 650 Einwohnern geradezu grossstädtisch im Vergleich zu Siorapaluk. Nach zahlreichen Tagen ohne Internetverbindung war es richtig ungewohnt, plötzlich wieder ein Handynetz zu haben. Qaanaaq ist eine künstliche Siedlung. Denn in den 1950er Jahren wurden die Menschen vom weiter südlich gelegenen Thule hierher umgesiedelt, weil dort eine US Airforce Base gebaut wurde. Qaanaaq hat eine gute Infrastruktur mit Schule, Krankenhaus, Kirche, Altersheim und sogar zwei Supermärkten. Eine Besonderheit gab es in der Kirche zu sehen: Wie in vielen Kirchen ist auch dort ein Bild von Jesus in den typischen Jesus-Sandalen zu finden. Nach einigen Jahren hatten die Einwohner allerdings Erbarmen, da Jesus doch sicherlich an die Zehen frieren würde. Daher malten sie ihm blaue Socken in die Sandalen…

OLD THULE, PARKER SNOW BAY & KAP YORK

76°33’N | 69°2’W ● GRÖNLAND

Heute ging’s wieder mal früh los. Kurz nach Sonnenaufgang gingen wir in der Nähe der Thule Airforce Base an Land. Nach einer kalten Nacht waren die grösstenteils verblühten Blümchen mit Rauhreif überzogen. Da schlug natürlich das Fotografen-Herz höher. Wir wanderten über die gefrorene Tundra und genossen das warme Morgenlicht.  

Bereits vor dem Mittag fuhren wir weiter zur Parker Snow Bay. Dort unternahmen wir eine mehrstündige Wanderung zu einem Gletscher und wieder zurück. Der Weg führte über das Schwemmland des Gletscherflusses. Wir hatten wohl Glück, dass es schon wieder kälter wurde und der Fluss daher nicht mehr so viel Schmelzwasser führte. Sonst wäre das wohl eine ziemlich nasse Angelegenheit geworden. Es war eine schöne Wanderung und wir konnten sogar etwas auf den Gletscher raufklettern, was aber eine ordentliche Rutschpartie war.

Später fuhren wir weiter in Richtung Süden. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichten wir Kap York. Das ist ein regelrechter Eisberg-Friedhof. Die Eisberge schwimmen von der Disko Bucht zunächst nach Norden. Dann stranden sie im untiefen Wasser vor Kap York. Erst wenn sie etwas abgeschmolzen sind, schwimmen sie wieder auf und driften dann langsam nach Süden. Hunderte von Eisberge im Licht der untergehenden Sonne sehen wirklich spektakulär aus. Tage wie dieser machen eine Arktisreise zu einem wunderbaren Erlebnis.

UUMMANNAQ

70°40’N | 52°6’W ● GRÖNLAND

Nach einem ruhigen, sonnigen Seetag waren wir bereits im Bett als uns die folgende Durchsage weckte: Polarlichter! Wir hatten uns so gewünscht, einmal Polarlichter zu sehen. Und nun hatten wir dieses Glück! Tatsächlich flackerten die Polarlichter wunderschön über den Nachthimmel.  

Nach einer polarlichter-bedingt etwas kürzeren Nacht kamen wir am nächsten Morgen in Uummannaq an. Mit seinen rund 2800 Einwohnern ist Uummannaq einer der grösseren Orte Grönlands. Die zahlreichen bunten Häuser, die direkt in den Fels gebaut sind, machen Uummannaq zu einem sehr malerischen Ort. Im Hafen gibt’s eine kleine Pier, so dass wir wieder mal mit den Tenderbooten an Land fahren konnten. 

Interessanterweise werden in Grönland die meisten Häuser aus Holz gebaut, obwohl dieses importiert werden muss. Steine würde es genug geben, doch die werden nicht zum Bauen genutzt. Daher ist die Stein-Kirche von Uummannaq ein spezielles Bauwerk. Wir hatten jedoch andere Pläne als einen Kirchenbesuch. Denn wir wanderten eine gute Stunde zum Sommerhaus des Weihnachtsmanns. Dieses war Drehort einer dänischen Weihnachts-TV-Serie. Wir trafen dort den MS Hanseatic-Weihnachtsmann mit Weihnachtsgebäck und Glühwein an. Das war natürlich sehr willkommen als Zwischenverpflegung auf unserer Wanderung. 

Zurück in Uummannaq hörten wir es immer wieder krachen. Denn in der Bucht vor dem Ort lagen zahlreiche Eisberge, von denen immer wieder Stücke abbrachen. Und das krachte dann jeweils ganz ordentlich.  

Währenddem die Hanseatic sich auf den Weg in Richtung Disko Bucht machte, hatten wir die Möglichkeit, die Schiffsküche zu besichtigen. Das war wirklich spannend. 

DISKO BUCHT

69°16’N | 51°17’W ● GRÖNLAND

Das heutige Ziel war Ilulissat an der Disko Bucht. Dort mündet der Eisfjord ins Meer, der von einem der produktivsten Gletscher, dem Jakobshavn Gletscher, gespiesen wird. Wegen einer Untiefe an der Mündung des Fjords stauen sich dort die Eisberge und werden erst ins Meer gedrückt, wenn der Druck der nachfolgenden Eismassen genug gross wird. Daher kann die Disko Bucht manchmal fast eisfrei sein und dann wieder komplett dicht mit Eis. Bei uns war letzteres der Fall. Es gab so viel Eis, dass Kapitän Natke nach mehreren Stunden aufgeben musste. Wir würden also nicht an Land gehen können. Für uns war das kein Problem, war die Fahrt durch dichtes Eis doch mindestens so schön wie ein Landgang. Etwas ungünstiger war das für unseren Ice Master, der eigentlich schon in Grisefjord von Bord gehen sollte. Nun drohte auch sein nächster geplanter Ausstieg zu scheitern. Doch einem unverfrorenen lokalen Fischer war es dann zu verdanken, dass der Ice Master schliesslich doch aussteigen konnte. 

Wir konnten am Nachmittag die 15. und letzte Zodiac-Fahrt dieser Reise unternehmen. Mehr als eine Stunde fuhren wir zwischen Eisbergen hindurch. Sonnenschein und Windstille sei Dank spiegelten sich die Eisberge wunderschön im Wasser.

Nach dem traditionellen Farewell-Abend meldete die Brücke wiederum, dass Nordlichter zu sehen seien. Und tatsächlich leuchteten diese heute Abend noch viel intensiver über den klaren Himmel als beim letzten Mal. Einfach traumhaft!

SISIMIUT

66°57’N | 53°41’W ● GRÖNLAND

Das erste Mal überhaupt machten wir auf dieser Reise an einer Pier fest. In Sisimiut musste die Hanseatic Treibstoff bunkern. Und wir hatten Zeit für einen Bummel durch den Ort. Sisimiut ist ein kleines, malerisches Städtchen. Nahe beim Hafen entdeckten wir einen kleinen Woll-Laden, der Moschusochsen-Wolle, sogenanntes Qiviut, verkaufte. Diese Wolle ist zwar sehr teuer, aber unglaublich warm und leicht. Wir kauften ausgiebig ein.

Nach diesem sonnigen Tag in Sisimiut mussten wir auch noch unsere Koffer packen. Das gehört halt auch dazu. Und zumindest hatten wir die Gewissheit, dass dies nicht die letzte Reise in diese Region sein würde. Denn wir hatten schon wieder einen Leckerbissen entdeckt und gebucht…

Kurz vor der Ausfahrt aus dem Hafen von Sisimiut zeigte uns ein Einheimischer zahlreiche Varianten der Eskimorolle mit seinem Kajak. Danach ging’s los in Richtung Kangerlussuaq.

KANGERLUSSUAQ

66°58’N | 51°58’W ● GRÖNLAND

Wir hätten bereits um 07:00 in Kangerlussuaq von Bord gehen sollen. Doch die Air Greenland-Maschine, welche die neuen Passagiere einfliegen und uns nach Hamburg bringen sollte, stand defekt in Kopenhagen. Daher verschob sich unser Abflug mehrmals. Zumindest konnten wir an Bord warten und nochmals ein unerwartetes, letztes Mittagessen Bord geniessen. Mit rund 10 Stunden Verspätung flogen wir dann mit der mittlerweile reparierten Maschine ab. Doch wegen des Nachtflugverbots in Hamburg konnten wir nicht dorthin fliegen. Vielmehr flogen wir nach Kopenhagen, wo wir mitten in der Nacht auf einen kleinen Transfer-Flieger nach Hamburg umsteigen mussten. Statt wie geplant im Flughafenhotel in Hamburg verbrachten wir die Nacht in Flugzeugen und auf dem Flughafen Kopenhagen. Na ja, Hauptsache wir sind gut und sicher nach Hause gekommen.

Wir blicken auf eine wunderbare Reise in eine Region zurück, die kaum je von einem Passagierschiff angelaufen wurde. Wir schätzen uns glücklich, dass wir so viele schöne Eindrücke sammeln konnten. 

UND ZUM SCHLUSS… 

 …EINE INUIT-WEISHEIT

Die Inuit leben seit Jahrtausenden in dieser kargen und unwirtlichen Gegend. Eine ihrer Weisheiten lautet wie folgt:

Es trafen sich zwei Inuit-Jäger. Der eine hatte einen Polarwolf erlegt und sich das Fell um die Schultern gelegt. Der andere hatte an Caribou geschossen und sich dessen Pelz ebenfalls übergeworfen. Die beiden begannen zu streiten, welches Tier nun das wärmere Fell habe. Der eine Jäger meinte, es sei der Polarwolf, weil dieser mehr Haare habe. Der andere bestand darauf, dass es das Caribou sei, da dieses mehr Haare habe. Also setzten sie sich hin und begannen die Haare zu zählen. Immer 10 Haare banden sie zu Büscheln zusammen. So zählten sie einen Tag und die ganze Nacht lang. Auch am nächsten Tag zählten sie weiter. Und nach drei Tagen waren beide tot – erfroren.

Und die Inuit-Moral von der Geschichte: Man solle sich im Leben nicht mit unwichtigen Dingen beschäftigen…

Nordostpassage 2014

Nordostpassage 2014

Bereits im 16. Jahrhundert hat Willem Barents erste Polarexpeditionen zur Nordostpassage unternommen. Damals war man sich noch nicht sicher, ob es überhaupt einen Seeweg nördlich von Russland gibt. Doch aufgrund des dichten Eises und der einfachen Schiffe sah man keine Möglichkeit, dies zu überprüfen, geschweige denn einen solchen Seeweg zu nutzen.

Erst vor rund 150 Jahren hat der schwedische Polarforscher Adolf Erik Nordenskjöld dann erstmals erfolgreich die Nordostpassage durchfahren. Er startete im Juli 1878 in Schweden und erreichte im September 1879 Japan. Bis zur kommerziellen Nutzung vergingen aber nochmals viele Jahre. Erst in der jüngeren Vergangenheit versucht Russland, die “Northern Sea Route” als Abkürzung für den Frachtverkehr zwischen Asien und Europa zu etablieren.

Als erstes nicht russisches Passagierschiff durchquerte die MS Hanseatic 2014 erfolgreich die Nordostpassage. Damit gelang, was von der Reederei Hapag-Lloyd rund 10 Jahre Planung und Vorbereitung erfordert hat. Die Durchquerung dauerte glücklicherweise deutlich weniger lange als bei Nordenskjöld: Die Hanseatic war gut 3 Wochen unterwegs, Nordenskjöld 14 Monate. Doch der Reihe nach…

REISEVORBEREITUNGEN

Wir waren uns bewusst, dass es diverse Gründe gab, an denen dieses Reisevorhaben hätte scheitern können. Da war einerseits die Eissituation, die trotz milderen Temperaturen in der Arktis nach wie vor unberechenbar ist. Und andererseits, und wohl noch weniger planbar, war die erforderliche Genehmigung von Präsident Putin höchstpersönlich. Denn eine solche Passage durch russisches Hoheitsgebiet benötigt unzählige Genehmigungen, unter anderem auch vom russischen Militär. Solche Genehmigungen werden kurzfristig erteilt und auch wieder entzogen. Der finale Entscheid, ob die Reise wie geplant stattfinden konnte, würde also erst bei der Einklarierung nach Russland getroffen.

Auch persönlich erfordert eine solche Reise einiges an Vorbereitung. Zuerst ist da das russische Visum, das höchstens drei Monate vor der Reise beantragt werden kann, spätestens aber drei Monate vor Reisebeginn der Reederei vorgelegt werden musste. Dank Visa-Büros in der Schweiz und Deutschland wurde aber auch diese Herausforderung gemeistert. Russische Visa setzen voraus, dass man den Nachweis über ausreichende Barmittel erbringt (Bestätigung, dass man über ein Vermögen von mindestens 1000 Schweizer Franken verfügt…) und eine Rücktransport-Bestätigung der Krankenversicherung beibringt (für den Krankheits- und vor allem Todesfall). Das bringt einen so richtig in Reisestimmung…!

Letztlich war dann aber alles geregelt und die Winterkleidung für unsere Sommerreise durch die russische Arktis eingepackt. So machten wir uns auf den Weg nach Nome, Alaska.

NOME

64°31’N | 165°25’W ● U.S.A.

Von Nome sagt man, dass es nicht der A… der Welt sei, man ihn aber von dort aus sehen könne… Entsprechend war auch die Anreise mit einigem Aufwand verbunden. Von Zürich über Frankfurt flogen wir zunächst nach Vancouver. Bereits im Lufthansa-Flug wurden die Gäste der Hanseatic speziell willkommen geheissen. Nach der Landung in Vancouver dann die erste Beruhigung: Alle Gepäckstücke waren angekommen. Vier Wochen in der russischen Arktis mit nur gerade dem Handgepäck wäre eine sehr unschöne Vorstellung gewesen…

Weiter ging‘s nach einer Übernachtung in Vancouver dann frühmorgens mit einem Sonderflug der Air Miami direkt nach Nome. Weil die MS Hanseatic noch von den Spuren der abreisenden Gäste befreit werden musste, standen für uns zunächst eine leckere Tomatensuppe und Chocolate Chip Cookies im Gemeindezentrum von Nome auf dem Programm. Nach einem kurzen Rundgang durch den Ort, der übrigens der Zielort des bekannten Iditarod Hundeschlittenrennens mit Start im südlicher gelegenen Anchorage ist, wurden wir in typisch amerikanische Schulbusse verfrachtet. Mit diesen machten wir eine Rundfahrt in und um Nome. Das Highlight war eine Gruppe von Moschusochsen, die wir aus nächster Nähe betrachten konnten. Moschusochsen sind an sich Pflanzenfresser. Doch sind sie für Menschen und Schlittenhunde dennoch gefährlich. Denn sie sind wohl nicht besonders schlau und sehen in jedem anderen Lebewesen eine Bedrohung, die im Idealfall zu Tode getrampelt werden soll. Also schön Abstand halten…!

Schliesslich war die Hanseatic bereit und wir konnten aufs Schiff gehen. Nach der langen Anreise war dies wirklich ein tolles Gefühl. Für uns war es unsere erste Reise mit der „Hanse“. Doch wir fühlten uns sogleich wohl an Bord. Nach der obligatorischen Rettungsübung legten wir auch bereits ab in Richtung Russland. Bei toller Abendsonne fuhren wir dicht an der heute unbewohnten King Island vorbei. 

Die Beringstrasse zeigte sich erfreulich ruhig. Den in dieser Region etwas eigenartig verlaufenden Zeitzonen und der Datumsgrenze sei Dank war die folgende Nacht 4 Stunden länger. Dafür folgte auf den Mittwoch gleich der Freitag. 

PROVIDENJIA

64°25’N | 173°13’W ● RUSSLAND

Providenjia ist ein ehemaliger russischer Militärstützpunkt. Doch heute leben die Menschen hier vor allem von der Jagd, von einem bisschen Tourismus und vom russischen Staat. Denn wirklich viele Einkommensquellen gibt es in diesem abgeschiedenen Ort mit 2000 Einwohnern nicht. Für uns war Providenjia der wichtigste Hafen der ganzen Reise. Denn hier entschieden die Behörden, ob wir einreisen und in die Nordostpassage einfahren durften. Und zum Glück waren die Behörden uns wohl gesonnen: Freie Fahrt für die Hanseatic!

So konnten wir nach einem Face Check an Land gehen und uns einen Überblick über den Ort verschaffen. Da gab‘s zum einen ein interessantes, kleines Museum mit diversen Gegenständen aus Tierprodukten. Gut, einen wasserdichten Parka aus Walross-Darm muss man jetzt nicht unbedingt haben, aber spannend war es allemal. Ebenfalls sehenswert war die Folklore-Show, welche von einer lokalen Tanztruppe vorgeführt wurde. Interessant war vor allem der Kontrast zwischen klassischer russischer Folklore und den Tänzen der Ureinwohner, der Inuit. 

Mit 148 Passagieren und einer Crew von 129 Personen nahm die MS Hanseatic am Abend Kurs auf die legendäre Nordostpassage. 

LITKE HARBOUR & LAWRENTIYA

65°35’N | 170°59’W ● RUSSLAND

Die erste Zodiac-Anlandung dieser Reise fand mitten in der Natur, in Litke Harbour, statt. Einige zerfallende Hütten, ein rostiges Bootswrack und ein Walskelett vermittelten zunächst einen etwas verlassenen Eindruck. Doch die frischen Bärenspuren und vor allem ein süsses arktisches Ziesel zeigten, dass hier durchaus Leben existiert. 

Bereits am Nachmittag folgte eine weitere Anlandung einige Seemeilen nördlich im Ort Lawrentiya. Dort fand gerade ein Volksfest statt. Die Kinder aller umliegenden Orte führten zahlreiche Tänze auf. Betanzt wurde vom Wal über die Robbe, den Kranich, die nicht vorhandenen Walrosse und die Grossmütter alles. 

So endete ein erlebnisreicher erster Expeditionstag in der russischen Arktis. An Bord folgte vor dem Abendessen der übliche Recap (Tagesrückblick) und Precap (Ausblick auf den nächsten Tag) unserer Lektoren.

BIG DIOMEDE & KAP DEZHNEV

66°4’N | 169°39’W ● RUSSLAND

Die Strecke bis zum Kap Dezhnev ist nicht weit, so dass wir Zeit hatten für einen Abstecher zu den Diomeden-Inseln. So fuhren wir entlang der russisch-amerikanischen Grenze zwischen Big Diomede (Russland) und Little Diomede (U.S.A.) und konnten dank des starken Windes sogar beide Inseln ohne Nebel sehen. Zwar waren wir einige hundert Meter von Big Diomede entfernt, doch konnten wir die dort am Strand liegenden Walrosse sowohl sehen als auch riechen. Es scheint der Verdauung nicht besonders zuträglich zu sein, wenn man nur Muscheln frisst…

Der weitere Vormittag stand dann ganz im Zeichen einer Wanderung zum Leuchtturm von Kap Dezhnev. Dieses stürmische Kap ist der offizielle Startpunkt der Nordostpassage und gleichzeitig der östlichste Punkt des eurasischen Kontinents. Trotz Sonnenschein sorgten die gut sechs Windstärken dafür, dass wir auch beim Aufstieg zum Leuchtturm nicht ins Schwitzen kamen.

Nach diesem schönen Ausflug machten wir an Deck der Hanseatic einen “Anfängerfehler”: Wir setzten uns zum Mittagessen an einen der äusseren Tische des Bistro Lemaire. Solange die Hanseatic im Windschatten von Kap Dezhnev lag, war dies auch schön angenehm. Doch als die Hanseatic diesen Windschatten verliess, flogen plötzlich Stühle und Gedecke übers Deck. Zumindest waren unsere Teller schon leer…

Der geplante Nachmittagsstopp in Inchoun ist dann leider einer zu hohen Dünung am Strand zum Opfer gefallen.

KOLYUCHIN INSEL & KAP VANKAREM

67°27’N | 174°36’W ● RUSSLAND

Kolyuchin ist eine Insel vor der russischen Küste, die vor allem für ihre Vogelpopulation bekannt ist. Zuerst besichtigten wir einen riesigen Vogelfelsen per Zodiac-Rundfahrt von unten. Aufgrund des günstigen Wetters konnten wir daraufhin sogar an Land gehen und denselben Vogelfelsen von oben betrachten. Dies war noch deutlich faszinierender, konnten wir die Tiere doch aus nächster Nähe beobachten. Neben den Trottel-Lummen, die durchaus eleganter aussehen als es ihr Name vermuten lässt, hatten es uns vor allem die papageienartigen Horn-Lunde angetan.

Nach einem leckeren BBQ an Deck der Hanseatic stand am Nachmittag die letzte Anlandung auf dem russischen Festland auf dem Programm. Denn danach würden wir bis Murmansk voraussichtlich nur noch Inseln anlaufen. Zwar konnten wir in Vankarem an Land gehen. Doch die geplante Wanderung konnten wir nicht durchführen, da auf der Halbinsel des Kap Vankarem hunderte Walrosse lagen. Diesen darf man sich keinesfalls nähern, da sie sonst in Panik geraten und ins Meer flüchten könnten. Einerseits würde das unnötige Energie kosten, welche die Tiere während des Fellwechsels im Sommer nicht haben. Und andererseits bestünde die Gefahr, dass bei einer solchen “Stampede” Jungtiere zerquetscht würden. So genossen wir den Anblick aus einiger Distanz.

WRANGEL INSEL

71°13’N | 178°54’E ● RUSSLAND

Wrangel liegt auf ziemlich genau 180° Ost resp. West. Sie ist nach dem deutschen General Wrangel benannt, weshalb wohl auch die deutsche Aussprache des Namens die korrekte ist. Bis vor einigen Jahren war diese Insel im Sommer jeweils von einem dicken Treibeisgürtel umgeben und damit häufig gar nicht zugänglich. Doch die steigenden Temperaturen in der Arktis sorgen seit einigen Jahren für mehrheitlich eisfreies Wasser rund um die Insel. Wir konnten also wie geplant bei der verlassenen Siedlung Somnitelnaya an Land gehen. Lediglich einige Ranger sind hin und wieder dort, weil Wrangel ein Naturschutzgebiet ist.

Auf Wrangel blühte die arktische Tundra in allen Farben. Wirklich wunderschön! Und wenn man genau hinschaute, konnte man sogar den Wald sehen. Dieser besteht hier aus Polarweiden, die gerade mal fünf Zentimeter hoch werden. So steht also durchaus mal ein viele Jahrzehnte alter Baum im Schatten eines Polarmohns… Auf Wrangel leben zahlreiche Eisbären, weshalb unsere Bärenwächter permanent mit den Ferngläsern die Landschaft absuchten. Bären sahen wir keine, dafür Stosszähne eines Mammuts. Diese Tiere lebten hier noch bis vor 4000 Jahren. Erst dann starben sie auch auf Wrangel aus.

Am Nachmittag landeten wir bei Kap Blossom an, nachdem wir auf dem Weg dorthin einen schwimmenden Eisbären und drei weitere an Land gesichtet hatten. Alle waren aber so weit von unserer Landestelle entfernt, dass wir problemlos an Land gehen konnten. Woher Kap Blossom seinen Namen hat, ist nicht klar. Denn es handelt sich um eine Steinwüste, auf der unzählige Walross-Skelette liegen. Kein sehr einladender Ort…

Da auch unser morgiger Stopp auf Wrangel lag – und damit nur rund 30 Seemeilen entfernt war – blieben wir die ganze Nacht vor Kap Blossom vor Anker. Der nächste Morgen brachte uns kein Wetterglück. Sowohl bei Kap Blossom als auch beim geplanten Ziel Kap Florence lag dichter Nebel mit einer Sichtweite von weniger als 500 Metern. Bei diesen Wetterverhältnissen wäre eine Anlandung viel zu gefährlich, da man Eisbären nicht rechtzeitig entdecken würde. Und auch der zweite geplante Stopp beim Kap Fomui fiel dem Nebel zum Opfer.

So fuhr die Hanseatic langsam durch die Eisfelder vor Wrangel. Immer wieder erzitterte das Schiff, wenn wir eine grössere Scholle rammten. Dank hoher Eisklasse mussten wir uns dabei keine Sorgen machen, doch ein spezielles Gefühl war es dennoch. Dann plötzlich eine Durchsage der Brücke: “Eisbär voraus Richtung Steuerbord.” Sofort wurden die Maschinen gestoppt und Kapitän Natke manövrierte die Hanseatic nahe an die Eisscholle, auf der sich der Eisbär aufhielt. Dieser fand das wohl spannend und setzte sich regelrecht in Szene. Mal betrachtete er sein Spiegelbild im Wasser, mal stellte er sich auf die Hinterbeine, mal schwamm er ein Stück und einmal zeigte er sogar sein gewaltiges Gebiss. So wurde ein nebliger, unfreiwilliger Seetag zum bisherigen Höhepunkt dieser Reise.

Auch im weiteren Verlauf sahen wir immer wieder Eisbären, allerdings in etwas grösserer Distanz. Offensichtlich gibt es in der russischen Arktis noch genügend Nahrung für diese beeindruckenden Tiere, denn alle waren wohlgenährt und sahen gesund und kräftig aus.

AJON

70°18’N | 170°49’E ● RUSSLAND

Die 260 Seemeilen von Wrangel nach Ajon bescherten uns fast einen ganzen Seetag. Diesen verbrachten wir mehrheitlich auf dem Sonnendeck und auf der tagsüber jederzeit zugänglichen Brücke. Dort erfuhren wir viel Wissenswertes vom diensthabenden Sicherheitsoffizier. Und wir lernten Lars und Jule kennen, zwei Stoffeisbären, die seit vielen Jahren auf der Brücke der Hanseatic mitreisen. In der Antarktis übernimmt dann jeweils ein Stoffpinguin diese Funktion…

Bei wunderbarer Abendsonne erreichten wir Ajon. Wie viele (resp. wie wenige) Menschen hier genau wohnen, weiss man nicht. Aber die Rentiere hat man offenbar mal gezählt: 33’000 sollen es sein! Trotzdem bekamen wir nur einige Menschen aber keine Rentiere zu Gesicht. Erstaunlich war, dass hier in kleinen Treibhäusern sogar Gemüse angepflanzt wird und hinter dem einen oder anderen Fenster eine Hauskatze an der Sonne sass. Kurz nach 20:00 nahm die Hanseatic dann Kurs auf die Medvezhi Inseln.

CHETYREKHSTOLBOVOY & KRESTOVSKIY INSELN

70°52’N | 161°26’E ● RUSSLAND

Unsere heutigen Stopps gehören zu den Medvezhi Inseln. Medved ist russisch für Bär oder Eisbär. Die Medvezhi Inseln sind also die Bäreninseln. Bereits frühmorgens näherten wir uns der Insel Chetyrekhstolbovoy, deren Namen wir trotz mehrerer Versuche nicht aussprechen konnten. Offenbar heisst der Name sinngemäss “die Insel mit den vier Zinnen”. Das leuchtet ein, sind die Erkennungszeichen dieser Insel doch tatsächlich vier hoch aufragende Steinsäulen.

Wir konnten bei bestem Wetter eine ausgedehnte Wanderung zu genau diesen vier Zinnen unternehmen. Über teils grosse Steinblöcke wanderten und kletterten wir mit unseren leihweise erhaltenen Expeditionsgummistiefeln in Richtung dieser 30 Meter hohen Türme. Dass Gummistiefel keine Wanderschuhe sind, bemerkten wir daran, dass diese prompt “leck schlugen” und uns damit beim Einstieg in die Zodiacs nasse Füsse bescherten. Doch glücklicherweise führte die Hanseatic ausreichend viele Ersatzexemplare mit.

Auf der Insel standen einige langsam zerfallende Gebäude. Diese waren von ihren Bewohnern offenbar fluchtartig verlassen worden. Denn im Innern standen Möbel herum und es lagen sogar alte Filmrollen und ein Feuerlöscher auf dem Boden. Zu gerne hätten wir unsere Neugier gestillt, was wohl auf diesen Filmen drauf war. Aber natürlich gilt auch in der russischen Arktis: nichts liegen lassen, nichts mitnehmen! Zumindest als Besucher. Denn fast überall in der russischen Arktis sieht man vor sich hin rostende alte Treibstoff-Fässer. Die ehemaligen Bewohner nahmen es also mit dem “nichts liegen lassen” nicht so genau.

Auf dem Weg zum zweiten Stopp sahen wir in der Ferne fünf Grönlandwale. Aufgrund ihrer dicken Fettschicht wurden diese Wale besonders stark bejagt und damit fast ausgerottet. Früher bezeichneten die Walfänger diese Art sogar als “Right Wale”, weil er einerseits so ergiebig war und andererseits wegen seiner Fettschicht nach dem Erlegen an der Wasseroberfläche schwamm. Heute stehen diese Tiere glücklicherweise unter strengem Artenschutz!

Nach der unaussprechlichen Anlandung am Vormittag, war der Nachmittag mit einer Anlandung auf der Kreuz-Insel, Krestovskiy Island, diesbezüglich deutlich einfacher. An Land sahen wir eine Bärenspinnerraupe, deren englischer Name deutlich attraktiver ist: Woolly Bear Caterpillar. Die Besonderheit dieser Raupe ist, dass sie die kurzen arktischen Sommer nutzt, um zu fressen und sich danach wieder für rund 11 Monate eingräbt. Dank Glykol im Körper nimmt sie auch bei tiefen Minustemperaturen keinen Schaden. Doch dauert es wegen diesen kurzen Wachstumsperioden 14 Jahre, bis aus ihr ein Schmetterling schlüpft.

Nach diesem spannenden Tag auf den Bäreninseln nahm die Hanseatic Kurs auf die neusibirischen Inseln.

BELKOVSKIY INSEL

75°33’N | 135°50’E ● RUSSLAND

Aufgrund der grossen Distanz zu den neusibirischen Inseln stand gestern ein Seetag auf dem Programm. Ohne besondere Ereignisse fuhren wir durch das teilweise nur zehn Meter tiefe Wasser Richtung Nordwesten.

Am Tag unserer Ankunft bei den neusibirischen Inseln wurden wir bereits um 03:00 von einem Krachen und Knirschen geweckt, das wir mittlerweile gut kannten: die Hanseatic fuhr durchs Eis. Auch einige Stunden später waren wir immer noch in dichtem Eis. Bei wunderbarem Licht kämpften wir uns langsam in Richtung der Polarforschungsstation, die wir besuchen wollten. Doch an eine Anlandung war nicht zu denken: Das Eis war viel zu dicht für die Zodiacs. Wir genossen stattdessen die schöne Aussicht. Etwas ärgerlicher war es sicher für die Besatzung der Forschungsstation. Denn diese hatten sich wohl auf frische Salate und Obst gefreut, die als Gastgeschenk geplant gewesen wären.

Bei mittlerweile regnerischem Wetter suchten wir am Nachmittag eine Landestelle auf der Belkovskiy Insel. Nachdem noch niemand von unserer Crew jemals hier war, musste zuerst eine geeignete Stelle gefunden werden. Der Kapitän entschied sich schliesslich für einen schwarzen Kiesstrand mit beeindruckenden Schieferklippen. Trotz Regen genossen wir diese Anlandung mitten im Nirgendwo.

Kurz darauf nahmen wir Kurs auf eine weitere Inselgruppe der neusibirischen Inseln, die De Long Inseln. Vielleicht würden wir ja auf dem Weg dorthin Sannikov Island finden. Denn Sannikov Island ist das Atlantis der Arktis. Die Insel kommt in vielen Reiseberichten vor, u.a. auch in jenen von Nordenskjöld. Doch leider kann heute keiner diese Insel finden. Man weiss nicht, ob es sich um eine Fatamorgana, Seemannsgarn oder vielleicht wirklich eine weg-erodierte flache Insel im untiefen Wasser handelte.

Sannikov Island entdeckten wir nicht. Doch gegen Mitternacht zeigte sich plötzlich wieder die Sonne am Himmel und bescherte uns einen tollen Abschluss dieses Expeditionstages.

BENNETT INSEL

76°46’N | 149°31’E ● RUSSLAND

Nach einem Frühstück an Deck, das dank Wärmestrahlern und Wolldecken richtig gemütlich war, kamen wir vor Bennett Island an. Bennett gehört eigentlich zu Russland. Doch seit der amerikanische Polarforscher De Long diese Inselgruppe 1881 entdeckt hat, erheben die U.S.A. ebenfalls Anspruch darauf. Doch wurde dieser Anspruch nie formell durchgesetzt.

Bennett Island ist klein und unbewohnt und man findet auch keine Aufzeichnungen über geeignete Landestellen. Doch die Expeditionsleitung der Hanseatic fand schliesslich eine geeignete Stelle, wo wir mit den Zodiacs an Land fahren konnten. Dort konnten wir eine ausgedehnte Wanderung entlang des Kiesstrandes unternehmen. Am Ende dieses Strandes lagen zwei Walrosse, die überhaupt nicht scheu waren. So konnten wir uns vorsichtig bis auf wenige Meter nähern. Einfach toll!

85°N

85°40’N | 136°4’E ● EISGRENZE

Eigentlich hätten wir auf dieser Reise auch Franz-Josef-Land besuchen wollen. Doch das russische Militär entzog uns die zuvor vom russischen Tourismus-Ministerium erteilte Genehmigung für ein Anlaufen dieser Inselgruppe im Nordpolarmeer kurzfristig wieder. Weil nun also drei Tage Franz-Josef-Land wegfallen würden, hatten wir Zeit für andere Unternehmungen. Eine dieser Unternehmungen war, so weit nach Norden zu fahren, wie es die Eissituation zuliess. Denn Kapitän Natke hat auf seinen Eiskarten festgestellt, dass das eisfreie Wasser dieses Jahr ausserordentlich weit in den Norden reichte. Die Spannung war entsprechend gross, wie weit wir es nach Norden schaffen würden.

Am zweiten Tag dieses Abenteuers erreichten wir am Vormittag bei 85°N etwas dichteres Eis. Der Kapitän beschloss daher, die Zodiacs zu Wasser zu lassen und eine Zodiac-Rundfahrt zu unternehmen. Denn so weit nördlich war noch nie ein konventionell angetriebenes Schiff gekommen. Und ein Zodiac ist auf einer solchen Breite erst recht noch nie gefahren. So hielt unser erster Offizier denn diesen denkwürdigen Moment auch mit der Erkenntnis fest “I am the first man on 85° North in a rubber boat”.

Nach dieser nördlichsten Zodiacfahrt aller Zeiten schaffte es die Hanseatic noch ein bisschen weiter nach Norden. Um 12:38 war dann bei 85°40.8’N 136°04.4’E Schluss. Weltrekord für ein Passagierschiff!

Auch auf dem Weg nach Süden kamen wir immer wieder durch Eisfelder. Stellenweise bildete sich bereits wieder neues Eis. Und weil es letzte Nacht leicht geschneit hatte, bauten wir an Deck unseren nördlichsten Schneemann. Mit etwa 20cm erreichte er aber zumindest von der Grösse her keine Rekordmasse…

BOLSCHEWIK INSEL

77°58’N | 109°17’E ● RUSSLAND

Nach drei Tagen nördlich von 80°N mutete unsere heutige Position mit rund 78°N schon fast wieder südlich an. Doch die Landschaft zeigte ein anderes Bild. Denn wir hätten eigentlich Kap Tscheljuskin, den nördlichsten Punkt des eurasischen Festlandes anlaufen wollen. Doch vor der Küste lag so viel Eis, dass daran nicht zu denken war. Daher nutzten wir die Eissituation und die gewonnene Zeit für eine Anlandung der besonderen Art. Mitten in der Wilkizki-Strasse, einer Meerenge, konnten wir eine Eisscholle betreten. Diese war so gross, dass sie sich eigentlich wie Festland anfühlte. Und doch war da die Gewissheit, dass unter uns mindestens 200 Meter eiskaltes Wasser war. Spannend war auch, wie schnell sich diese Eisscholle fortbewegt hat: in den rund zwei Stunden, die wir dort verbrachten, hat sie sich rund 5 Seemeilen bewegt.

Am Nachmittag hätten wir bei einer verlassenen Polarforschungsstation auf der Bolschewik Insel an Land gehen wollen. Doch einen ersten Eisbären sahen wir schon von weitem. Und wir mussten befürchten, dass sich in der verlassenen Station noch weitere verstecken könnten. Das wäre für eine Anlandung natürlich viel zu gefährlich gewesen. Daher fuhr die Hanseatic weiter zu einer nächsten Bucht, der Solnetschnaja Bucht. Auf Deutsch heisst diese Sonnenschein-Bucht und sie machte ihrem Namen alle Ehre. Denn nach einem mehrheitlich trüben Tag gingen wir bei schöner Abendsonne an Land und genossen einen ausgiebigen Spaziergang über die Tundra. Denn wegen unseres Abstechers nach 85°N hatten wir schon einige Tage keinen festen Boden mehr unter den Füssen. 

Auch die Nacht verbrachten wir in der Solnetschnaja Bucht vor Anker.

AKHMATOVA FJORD & MIKOJANA BUCHT 

78°50’N | 102°33’E ● RUSSLAND

An sich hätten wir heute die Oktoberrevolutionsinsel anlaufen wollen. Doch weil es auf der Bolschewik Insel so schön war, entschied der Kapitän, nochmals einen Tag dort zu verbringen. Und die Entscheidung war richtig. Denn kaum fuhren wir in den Akhmatova Fjord ein, lichtete sich der morgendliche Nebel und machte strahlendem Sonnenschein Platz. Mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bildete sich auf dem Wasser bereits wieder eine dünne Eisschicht. Wir fuhren mit der Hanseatic wie durch eine dünne Glasschicht. Es klirrte und knirschte richtig laut – ein wunderbares Schauspiel. 

Wir verbrachten daraufhin einen sonnigen Vormittag an Land. Die bereits verblühten Pflanzen waren mit Eiskristallen überzogen. Daran kann man erkennen, wie kurz hier der Sommer ist. Nach dieser wunderschönen Anlandung nahm die Hanseatic Kurs auf die Mikojana Bucht, unserem Ziel für den Nachmittag. Die Ausfahrt aus dem Akhmatova Fjord war genauso spektakulär wie die Einfahrt. Bei kompletter Windstille bewegte sich das Wasser überhaupt nicht. Auf den (zahlreichen) Fotos konnten wir kaum erkennen, was oben und was unten ist…

In der Mikojana Bucht trieben viele Eisberge. Das war genau die richtige Umgebung für eine Zodiac-Rundfahrt. Die Sonne schien zwar weiterhin, doch war es mittlerweile recht windig. Das machte die Rundfahrt zu einem schönen aber nassen Erlebnis. Beruhigt stellten wir fest, dass unsere Sony A7R-Kameras erstaunlich wasserfest waren! 

ZHURAVLOV GOLF & SCHMIDT INSEL

80°41’N | 92°57’E ● RUSSLAND

Bereits frühmorgens fuhren wir auf der Westseite der Komsomolets Insel in den Zhuravlov Golf ein. Zunächst lag dichter Nebel vor der Küste, was eine Anlandung verunmöglicht hätte. Doch wie schon öfter auf dieser Reise lichtete sich dieser Nebel und wir konnten wir geplant an Land gehen. Zwar wurde in der Nähe ein Eisbär gesichtet, doch da sich dieser rasch entfernte, stellte er für uns keine Gefahr dar. So genossen wir einen schönen Spaziergang in der russischen Arktis.

Am Nachmittag wollten wir die Schmidt Insel erkunden. Für den Weg dorthin benötigten wir etwas mehr Zeit, da die Hanseatic wegen Reparaturarbeiten an einem Antrieb nur mit halber Kraft fahren konnte. Für heute stellte das kein Problem dar und der Kapitän war zuversichtlich, dass die Reparatur erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Die Schmidt Insel ist fast komplett von einem Gletscher bedeckt. Nur im Norden kann man in einer eisfreien Bucht an Land gehen. Doch genau dort sass ein grosser Eisbär. Daher fuhren wir noch etwas weiter, bevor wir dann doch an Land gehen konnten. Doch schon vom Zodiac aus konnten wir den Bären auf der mittlerweile gegenüberliegenden Seite der Bucht sehen. Offenbar hatte er schon länger keine Robbe mehr erlegt, denn er frass mit kleiner Begeisterung Seegras. Für uns stellte dieser Bär keine Gefahr dar, doch mussten wir sicherheitshalber nahe an der Landestelle bleiben und unsere Rettungswesten anbehalten. So wären wir schnell wieder weg gewesen, hätte der Bär angefangen, sich in unsere Richtung zu bewegen.

VIZE INSEL

79°20’N | 76°34’E ● RUSSLAND

Auf dem Weg nach Nowaja Semlja liegt die Vize Insel (ausgesprochen wird sie „Wiese“). Normalerweise ist diese wegen Treibeis nicht zugänglich. Doch die aktuelle Eissituation liess es zu, dass wir eine Anlandung auf dieser Insel planten. Es gibt dort eine Polarforschungsstation, deren Besatzung sich schon auf unseren Besuch, resp. vermutlich vor allem auf unsere Gastgeschenke freute. Bei Windstärke 6 und starker Dünung erschien es mehr als fraglich, ob eine Anlandung möglich sei. Doch der erste Offizier, der Expeditionsleiter und unser russischer „Verbindungsmann“ unternahmen doch einen Versuch, mit dem Zodiac an Land zu fahren. Keine Chance! Sehr nass kehrten sie kurz darauf auf die Hanseatic zurück. Die Polarforscher würden also leer ausgehen. Wir waren diese Saison das vierte Schiff, das eine Anlandung versucht hat. Keinem ist es gelungen. Vermutlich steht also nun Dosenfleisch statt frischem Salat auf dem Speiseplan der Polarforscher. 

Bei zunehmend bewegter See fuhren wir weiter Richtung Nowaja Semlja.

VITNAY BUCHT

76°27’N | 69°1’E ● RUSSLAND

Auf Nowaja Semlja ist der grösste Teil militärisches Sperrgebiet. Denn hier hat das russische Militär früher seine Atomwaffen getestet. Doch an einigen Stellen ist ein Landgang möglich. Und eine solche Stelle haben wir uns für die heutige Anlandung ausgesucht: Kap Zhelanja. Einerseits mussten wir dort den hier obligatorischen lokalen Ranger an Bord nehmen, andererseits wollten auch wir an Land gehen. Ersteres klappte problemlos. Doch das zweite Vorhaben scheiterte an den rund 15 Eisbären, die sich rund um die Station tummelten. Doch auch ohne Landgang war der Anblick der verschneiten Küste sehenswert.

Der Nachmittags-Stopp klappte dann aber. Wir landeten in der Vitnay Bucht an, die direkt neben der Barents Bucht liegt. Von unserer Landestelle unternahmen wir eine Wanderung zum Gedenkkreuz zu Ehren von Willem Barents, dem Namensgeber der Barentsee. Ende des 16. Jahrhunderts verbrachte dieser einen Winter hier und ist letztlich auch in dieser Gegend verschollen. Auf unserer Wanderung entdeckten wir zahlreiche kleine Blütenpflanzen, welche die kurze Vegetationsperiode nutzten. Und direkt neben unserem Pfad befand sich eine Wurfhöhle einer Eisbärin. Man konnte im Geröll sogar noch einige weisse Eisbären-Haare sehen!

Nachdem wir wieder mal ausgiebig „Auslauf“ hatten, genossen wir beim Abendessen einen wunderschönen Sonnenuntergang.  

INOSTRANSTEVA BUCHT

76°53’N | 66°54’E ● RUSSLAND

An diesem Vormittag wäre eine Anlandung bei den Nowaja Semlja vorgelagerten Oranskie Inseln geplant gewesen. Doch Sturm, Schneefall und zu hohe Wellen am Strand verunmöglichten eine Anlandung. So mussten wir unverrichteter Dinge wieder nach Kap Zhelanja zurückfahren, wo wir unseren Ranger absetzen mussten. Auch die zahlreichen Eisbären waren nach wie vor dort.

So nahmen wir Kurs Süd, allgemeine Richtung Murmansk. Doch wir wollten noch einen Abstecher in die Inostransteva Bucht machen. Grundsätzlich dürfte man ohne Ranger an Bord nur mit der Hanseatic in die Bucht rein und wieder rausfahren. Weil wir aber offenbar keine Bedrohung aus Sicht der russischen Verwaltung darstellten, wurde uns erlaubt, auch ohne Begleitung eine Zodiac-Rundfahrt zu machen. 

Anfangs bei Schneefall, doch dann bei immer besserem Wetter unternahmen wir eine spektakuläre Zodiac-Fahrt zwischen blau leuchtenden Eisbergen. Überall knisterte und krachte das Eis. Wenn Gletschereis schmilzt, knistert es deutlich hörbar. Denn im Eis sind kleine Luftblasen eingeschlossen, die beim Schmelzen entweichen.  

Diese wunderschöne Rundfahrt war unser letzter Expeditionsstopp dieser Reise. Denn nach rund drei Wochen würden wir in Murmansk erstmals wieder an einer Pier festmachen. 

Am Abend stand auf dem Schiff eine Crew-Show auf dem Programm. Dies ist ein seltenes Ereignis, da die Crew für die Vorbereitung viel Freizeit opfern muss. Das machen sie nur, wenn die Reise genug lang und die Gäste genug nett sind 🙂 …und wenn sich der Kapitän bereit erklärt, während der Proben und der Show die Brückenwache zu übernehmen. Auf dieser Reise hat offenbar alles gepasst und wir kamen in den Genuss einer abwechslungsreichen, enorm lustigen Show. 

KURS MURMANSK

76°33’N | 52°2’E ● BARENTSEE

Nach dem abwechslungsreichen Programm der letzten Tage genossen wir die beiden Seetage auf dem Weg nach Murmansk. Hin und wieder kreuzten Buckelwale unseren Kurs. Ansonsten verbrachten wir ruhige Tage an Bord der Hanseatic.  

Nachdem wir die letzten 10 Tage aufgrund der nördlichen Breite keinen Satellitenempfang und damit auch kein Internet hatten, waren wir heute erstmals wieder online. So erfuhren wir auch, dass wir uns wegen unserer entzogenen Bewilligung für Franz-Josef-Land nicht wirklich ärgern mussten. Dort lag dieses Jahr so viel Eis, dass eine Anlandung nur an wenigen Stellen möglich gewesen wäre. Da waren wir wohl mit unserem Abstecher nach 85°N besser gefahren.

MURMANSK

68°57’N | 33°2’E ● RUSSLAND

Mit der Ankunft in Murmansk hatten wir die Nordostpassage offiziell erfolgreich durchquert. Murmansk liegt an einem schönen Fjord, bietet aber selber wenig Reizvolles. Da halfen der grosse Kohlehafen und die zahlreichen Plattenbauten auch nicht wirklich weiter. Nach den letzten Wochen in der Wildnis war unser Aufenthalt in einer 300´000-Einwohner-Stadt aber schon etwas gewöhnungsbedürftig. 

Nach der Freigabe des Schiffes durch die Behörden konnten wir an Land gehen. Dort besichtigten wir den ehemaligen Atomeisbrecher Lenin. Die Kernreaktoren wurden entfernt und so ist heute auch ein Besuch der technischen Infrastruktur dieses Schiffs gefahrlos möglich. Es ist beängstigend und beeindruckend zugleich, mit welch rustikaler Technologie man früher in der Arktis unterwegs war. Und nicht viel beruhigender ist die Tatsache, dass auch heutige Atomeisbrecher eigentlich nur stärker, nicht aber wirklich viel moderner seien…

Bei der Ausfahrt aus dem Murmansk Fjord sahen wir russische Flugzeugträger, Atomeisbrecher im Wasser und im Trockendock und sogar den einzigen atombetriebenen Frachter weltweit. Irgendwie faszinierend und zugleich etwas unheimlich.

Auf jeden Fall wurde heute Abend die erfolgreiche Durchquerung der Nordostpassage gebührend auf dem kleinen Pooldeck der Hanseatic gefeiert. 

HAMMERFEST

71°12’N | 25°33’E ● NORWEGEN

Bei Sonnenschein aber ordentlichem Seegang fuhren wir heute Mittag beim Nordkap-Felsen vorbei. Diesen hatten wir ja auf unserer ersten Polarreise von oben besichtigt und waren begeistert, so weit nördlich zu sein. Nun, da wir von 85°N her kamen, wirkte dieser Ort schon fast mediterran! Auch das Wetter war mild und damit ideal für entspannte Stunden an Deck. 

Am Nachmittag erreichten wir dann Hammerfest. Bei weiterhin sonnigem Wetter war unser erster Stopp der „Eisbären-Club“, der eigentlich „The Royal and Ancient Polar Bear Society“ heisst. Für einen kleinen Beitrag kann man Mitglied in diesem erlauchten Kreis werden. Das haben wir natürlich gemacht und sind nun stolze Träger eines Eisbären-Pins. Die lebenslange Mitgliedschaft berechtigt zur Teilnahme an der Jahresversammlung jeweils im Januar. Der Ansturm wird sich in Grenzen halten. 

Wir nutzten die Abendsonne für einen Spaziergang durch den Ort und den sogenannten Zickzack-Weg hoch. Er machte seinem Namen alle Ehre. Dann nahmen wir Kurs auf unser letztes Ziel dieser Reise: Bodø. Im hellen Licht des Vollmondes fuhren wir durch die norwegischen Fjorde.

BODØ 

67°17’N | 14°23’E ● NORWEGEN

Bevor diese einzigartige Reise zu Ende ging, hatten wir nochmals einen Seetag. Doch dieser war natürlich nicht mehr ganz so entspannt, wie die vorhergehenden Seetage. Denn es mussten ja nach fast vier Wochen die Koffer gepackt werden. Das machte an sich schon keinen Spass, und die Aussicht, dass diese Reise damit ihr Ende findet, war genauso unerfreulich.

Doch nach vier Wochen, 22 Zodiac-Ausfahren, 8000 Fotos, 10 Offline-Tagen und einer kompletten Umrundung der Erde darf man sich natürlich nicht beklagen. Wir hatten eine wunderbare Zeit an Bord und haben mehr Eindrücke sammeln können, als wir verarbeiten konnten. Das wird wohl noch Wochen dauern!

Ebenfalls erstaunlich ist, dass wir bis zum letzten Tag frisches Obst und Gemüse und sogar frischen Salat hatten. Da hat der Proviantmeister ganze Arbeit geleistet.

Wie immer am Ende einer Reise geht‘s Schlag auf Schlag: Packen, Koffer vor die Türen stellen, eine kurze letzte Nacht, ein letztes Frühstück, Abschied nehmen von neu gewonnenen Freunden und dann auf zum Flughafen.  

Während die Anreise nach Nome ja eine halbe Weltreise war, schafften wir die Rückreise von Bodø nach Zürich deutlich schneller. Und auch wenn die Koffer verstaut, die Wäsche gewaschen und die Fotos sortiert und bearbeitet sind, wird uns diese Reise ewig in Erinnerung bleiben. Wiederholung nicht ausgeschlossen…!

Spitzbergen 2009

Spitzbergen 2009

Bereits vor einem Jahr waren wir nördlich des Polarkreises unterwegs. Doch dieses Mal stand eine „richtige“  Arktisreise auf dem Programm: Sie führte uns bis fast auf 80°N an der Nordküste Spitzbergens. Damit waren wir nun wohl endgültig und offiziell Polar-Fans!

HAMBURG

53°33’N | 10°0’E ● DEUTSCHLAND

Bereits den ganzen Tag lag die MS Europa im Hamburger Hafen. Es musste reichlich Treibstoff und einige Containerladungen Frischwaren gebunkert werden. Denn auf der Reise in die Arktis würde es nicht viele Möglichkeiten geben, um die Vorräte aufzustocken. Und Kreuzfahrtgäste sind ja nicht für ihren kleinen Appetit bekannt.  Bei sonnigem Wetter und zum Sound von „Hey, wir woll‘n die Eisbären seh‘n“ fuhren wir schliesslich die Elbe runter in Richtung Nordsee. In der Nordsee weiss man ja nie so recht, wie stark der Seegang sein wird. Daher war uns die ruhige Ausfahrt ganz recht. 

TORSHÁVN

62°1’N | 6°46’W ● FÄRÖER INSELN

Den gestrigen Seetag verbrachten wir bei angenehmem Wetter teils an Deck. Der Seegang war zwar spürbar, aber kein Problem. So trafen wir um die Mittagszeit in Torshávn, der Hauptstadt der Färöer Inseln, ein. Auf den Färöer Inseln regnet es an 260 Tagen im Jahr. Wir schätzten uns entsprechend glücklich, dass wir einen trockenen, wenn auch bedeckten Tag für unseren Besuch erwischt hatten. 

Bei einer Inselrundfahrt erkundeten wir diverse kleine Orte. Mit den grasbedeckten Häusern wirken diese wie aus einer Märchenlandschaft. Was uns besonders aufgefallen ist, waren die saftig grünen Wiesen und Hügel. Der häufige Regen und die vulkanische Erde sind eine fruchtbare Kombination.

Nach diesem beeindruckenden Tag auf den Färöer Inseln stach die MS Europa wieder in See, Kurs Reykjavik.

REYKJAVIK

64°9’N | 21°56’W ● ISLAND

Auf dem Weg nach Island verbrachten wir erneut einen Tag auf See. Bei mehrheitlich ruhigen Verhältnissen erkundeten wir das Schiff. Besonders spannend war ein Besuch auf der Brücke. Diese ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Wir erfuhren, wie die Europa angetrieben wird (mit zwei Azipod-Antrieben), wie sie gesteuert wird und weshalb elektronische Seekarten und ihr Papiergegenstück parallel eingesetzt werden (weil insbesondere in der Arktis nicht alle Gebiete elektronisch vermessen sind).

Am frühen Morgen trafen wir pünktlich im Hafen von Reykjavik ein. Wir hatten uns für einen ganztägigen Ausflug entschieden: eine Rundfahrt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten rund um die isländische Hauptstadt. Der sogenannte Golden Circle umfasst den Gullfoss Wasserfall, die Bruchzone der Kontinentalplatten bei Thingvellir und einen schönen Geysir. 

Der erste Stopp war bei Thingvellir. Hier treffen die europäische und die amerikanische Kontinentalplatte aufeinander. Dass diese Plattenbewegungen nicht immer ganz reibungslos verlaufen, äussert sich in den regelmässigen Erdbeben in diesem Gebiet. Es war aber schon ein spezielles Gefühl, mit einem Fuss in Amerika und mit einem Fuss in Europa zu stehen! Und auch landschaftlich ist diese Gegend sehr sehenswert. Weiter ging’s zum Gullfoss Wasserfall. Dieser ist aufgrund der häufigen Niederschläge wirklich beeindruckend. Nach einem kurzen Fotostopp fuhren wir schliesslich zu einem faszinierenden Geysir. Dieser schiesst etwa alle 10-15 Minuten eine heisse Wasserfontäne in die Luft. Übrigens befindet sich der Namensgeber für den Begriff Geysir ebenfalls auf Island. Der Grosse Geysir ist aber touristisch weniger interessant, weil er nur rund einmal pro Tag ausbricht. 

Nach diesem schönen Tag auf Island freuten wir uns, dass auch am nächsten Tag nochmals ein Island-Tag auf dem Programm stand. So nahmen wir Kurs auf Akureyri.

AKUREYRI

 65°41’N | 18°6’W ● ISLAND

Akureyri liegt im Norden von Island und mit 65°N nur ganz knapp südlich des Polarkreises. Auch hier ist das Erdinnere aktiv und so konnten wir eine Art Mondlandschaft besuchen, wo überall heisse Dämpfe aufstiegen und Schlammtümpel kochten. Das ganze war vom Schwefel gelb-orange gefärbt und war sehr sehenswert. Weil der Boden nicht überall zuverlässig trägt, durften wir uns nur entlang der freigegebenen Wege bewegen. 

Der zweite Stopp war dann in einem Gebiet mit bizarren Lavaformationen. Zwischen den Lavatürmen führten Spazierwege hindurch, welche wir ausgiebig erkundeten. Bei gutem Wetter fuhren wir dann weiter an den Myvatnsee. Wenn man weiss, dass dieser seinen Namen wegen der Milliarden von Myvatn, also Mücken, trägt, die hier brüten, kann man sich etwa vorstellen, worauf man sich einstellen muss. Tatsächlich schwebten über dem Ufer Mückenschwärme, die wie Nebelschwaden ausgesehen haben. Und sobald man den schützenden Bus verliess, war auch die eigene Jacke bedeckt von winzigen Mücken. Gestochen hat uns keine, aber so richtig angenehm war es auch nicht. Also Mund zuhalten… Landschaftlich ist der Myvatnsee aber sehr reizvoll. Zahlreiche grüne Pseudokrater verleihen der Landschaft etwas Unwirkliches, wie wenn jemand ein bisschen zu intensive Farben aufgetragen hätte…

Nach diesem Mücken-Stopp war unser letztes Ziel für heute der Godafoss Wasserfall. Auch dieser war imposant anzusehen. So fuhren wir zurück zum Hafen von Akureyri. Die nächsten Tage würden wir mit Kurs Nord auf See verbringen. 

Und die erste Amtshandlung auf diesem Kurs war am späteren Abend das Überqueren des Polarkreises. Die unvermeidliche Polartaufe fand aber aufgrund des mittlerweile regnerischen Wetters nicht an Deck, sondern in der Europa-Lounge statt. 

ITTOQQORTOORMIIT

70°30’N | 21°58’W ● GRÖNLAND

Per Durchsage von der Brücke wurden wir schon früh aus den Federn geholt: Ein Finnwal in nächster Nähe auf der Backbordseite! Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Im Gegensatz zu vielen Mitreisenden schafften wir es aber zumindest noch, unsere warmen Kleider anzuziehen. Denn nur im Bademantel wäre das dann doch etwas gar kalt gewesen. Auf jeden Fall war unsere erste Walbegegnung ein wirklich bewegendes Erlebnis.

Doch der Tag hatte noch mehr Höhepunkte für uns bereit. Nur wenige Zeit später wurde der erste Eisberg gesichtet. Es handelte sich um einen in der nördlichen Hemisphäre eher seltenen Tafeleisberg. Dieser war so gross, dass er richtiggehend sein eigenes Wetter produzierte. Denn plötzlich zog rund um den Eisberg dichter Nebel auf und er verschwand komplett aus unserer Sicht. Bei solchen Verhältnissen kann man froh sein, dass man sich nicht mehr wie früher auf Sicht verlassen muss, sondern mit Radar & Co. ausgerüstet ist. Der Nebel bescherte uns dann noch ein weiteres, seltenes Phänomen der Arktis: einen Nebelbogen. Dies ist eine Art weisser Regenbogen, aber halt eben im Nebel statt im Regen.

Das nächste Highlight war dann nach dem Mittag, als wir einen schwimmenden Eisbären sichteten. Dieser war weit weg von unserem Schiff im offenen Meer unterwegs. Und auch wenn man ihn nur mit starkem Teleobjektiv oder Fernglas gut sehen konnte, war unsere allererste Eisbärensichtung doch ein wunderbares Erlebnis!

Dann folgte eine weitere Überraschung. Denn statt auf direktem Weg von Island nach Spitzbergen zu fahren, entschied sich Kapitän Damaschke, Grönland anzulaufen. Unser Ziel für den späteren Nachmittag war die Inuit-Siedlung Ittoqqortoormiit. Bereits die Einfahrt in den Scoresby Sund war traumhaft schön. Immer wieder musste die Europa grösseren und kleineren Eisschollen ausweichen. Denn Eiskontakt ist bei einem Schiff ohne Eisklasse keine gute Idee. Schliesslich konnten wir mit den Zodiacs in Ittoqqortoormiit an Land gehen. Für die Einheimischen war dies ein regelrechter Festtag: Ein Versorgungsschiff und die MS Europa lagen zum gleichen Zeitpunkt vor Anker. So viel Betrieb gab‘s hier wohl noch nie. Wir genossen jedenfalls einen wunderbaren arktischen Nachmittag in Grönland. Im Licht der Abendsonne fuhren wir wieder aus dem Scoresby Sund hinaus, vorbei an riesigen Eisbergen. Und an der einen oder anderen Scholle sah man verdächtige Farbspuren – offenbar hatte die Europa bei der Einfahrt in den Fjord doch den einen oder anderen Eisblock gestreift…

So endete ein traumhafter Tag, der alles beinhaltet hat, was die Arktis so besonders macht. Oder wie es Kapitän Damaschke ausgedrückt hat:  “Mehr geht nicht!“ 

SPITZBERGEN

78°13’N | 15°38’E ● NORWEGEN

Bei zunehmend bedecktem und nebligem Wetter verbrachten wir zwei Seetage auf dem Weg nach Spitzbergen. Unser erster Stopp war in Longyearbyen, dem Hauptort von Spitzbergen. Zwar ist Longyearbyen ein kleiner Ort, doch kommt ihm so etwas wie eine Zentrumsfunktion für die gesamte Inselgruppe zu. Daher gibt es hier eine erstaunlich gute Infrastruktur: Vom Supermarkt mit frischem Obst über diverse Outdoor-Geschäfte bis hin zu Hotels und Restaurants findet sich hier alles. Sogar eine Universität gibt es hier. Trotz Regen konnten wir unseren ersten Tag auf Spitzbergen geniessen. Für die kommenden beiden Expeditionstage nahmen wir zudem zwei Eisbärenwächter mit, die sich mit den Gefahren dieser Tiere auskannten. Denn Spitzbergen ist Eisbären-Land. Und wo man als Mensch nur zu Gast ist in der rauhen Natur, will man natürlich sicher sein, dass dies nicht auf Kosten derselben stattfindet. Daher sind kundige Guides eine Vorschrift, genauso wie ein detailliertes Briefing mit zahlreichen Geboten und Verboten, das wir vor unserer Ankunft erhalten haben. Der Sysselmann, also der oberste Beamte von Spitzbergen, schreibt dies so vor. Kein Briefing, keine Anlandung… Das macht Sinn, ist die Natur hier doch sehr empfindlich und würde Jahrzehnte benötigen, um sich von Schäden durch den Tourismus zu erholen. 

Weiter ging’s dann in Richtung Norden, zum Magdalenenfjord, zum Smeerenburgfjord und zum Liefdefjord. In allen drei Fjorden konnten wir ausgiebige Rundfahrten mit den Zodiacs unternehmen. Das machte trotz Regenwetter enorm Spass. Und obwohl die Sicht nicht so toll war, konnten wir doch die blau leuchtenden Eisberge sehen und umrunden. Offenbar leuchtet das Eis sogar schöner, wenn der Himmel bedeckt ist. Wir genossen die Ausfahrten auf fast 80°N auf jeden Fall sehr. Und dann zeigte sich sogar die Sonne und wir konnten direkt beobachten, wie die Eisberge plötzlich viel weisser erschienen, wenn sie im Sonnenlicht schwammen. Und aufgrund des besseren Wetters konnten wir nun auch die namensgebenden spitzen Berge an der Küste Spitzbergens sehen. Ein wunderbares Panorama, fernab jeglicher Zivilisation.

Leider hatten wir damit den nördlichsten Punkt unserer Reise bereits erreicht und fuhren nun wieder Richtung Süden. Wir wären durchaus gerne noch länger hier geblieben. Doch auch auf dem Weg nach Süden warteten nochmals zwei Highlights auf uns.  

Zunächst fuhren wir nach Ny-Ålesund, einer kleinen Forschungssiedlung an der Westküste Spitzbergens. Immer noch unter den wachsamen Augen unserer Bärenwächter konnten wir uns frei im Ort bewegen. Es gab dort einen kleinen Souvenirshop und vor allem das nördlichste Postamt der Welt. Auch wir konnten es natürlich nicht lassen, Postkarten von hier zu verschicken. In Ny-Ålesund sind stets alle Haustüren unverschlossen, damit man sich im Falle einer Bärenbegegnung rasch in Sicherheit bringen könnte. Diesen Notfallplan mussten wir glücklicherweise nicht beanspruchen. Allerdings hatten wir sehr wohl mit aggressiven Tieren zu tun: Direkt neben dem Postamt nistete eine Küstenseeschwalbe, welche ihr Nest aufs Äusserste verteidigte. An sich würde man ja der Natur den Vorrang lassen und ein Tier niemals bedrängen. Aber der Nistplatz beim Eingang zum Postamt war vielleicht doch etwas unglücklich gewählt. Letztlich endete diese Begegnung aber für alle Beteiligten ohne Verluste. Küstenseeschwalben nisten im Sommer in der Arktis und fliegen dann – oft non-stop – in die Antarktis, wo sie den Süd-Sommer verbringen. Und im nächsten Sommer sind sie dann schon wieder zurück in der Arktis. Damit sind sie Rekordhalter unter den Zugvögeln.

Am Abend stand eine letzte Anlandung auf Spitzbergen auf dem Programm, und zwar in Møllerhafen. Dort hatte die Crew ein aufwändiges BBQ an Land vorbereitet. Auf grossen Feuerstellen wurden Würste und Gulaschsuppe zubereitet. Bei leichtem Regen war es ganz angenehm, sich nicht zu weit vom Feuer zu entfernen. Einen Abstecher zur extra aufgebauten nördlichsten Bar und vor allem ins Lloyd Hotel machten wir aber trotz des bescheidenen Wetters. Das Lloyd Hotel ist eine kleine Schutzhütte, die vor vielen Jahrzehnten von der Reederei Lloyd für Notfälle aufgebaut wurde. Nun ist es Tradition, dass jedes Schiff, das hierher kommt, die Notvorräte wieder auffüllt. Denn tatsächlich übernachtet hin und wieder ein einsamer Wanderer hier. 

Nach diesem sehr speziellen Abend legte die Europa erst nach Mitternacht, aber natürlich immer noch bei Tageslicht, ab und setzte die Reise nach Süden fort. Bei einem sogenannten technischen Stopp verabschiedeten wir in Longyearbyen am nächsten Vormittag unsere lokalen Eisbärenwächter. 

NORDKAP 

71°10’N | 25°47’E ● NORWEGEN

Fast zwei Seetage waren wir unterwegs, bis wir gegen Abend im wunderbaren Abendlicht den Nordkap-Felsen erreichten. Nach dem Abendessen mit Sicht aufs Nordkap legten wir in Skarsvåg, einem kleinen Fischerdorf, an. Mit Bussen fuhren wir, wie schon im Jahr zuvor, zum Nordkap hoch. Und auch dieses Mal hatten wir wieder grosses Wetterglück. Es war sogar viel weniger windig und damit sehr angenehm. 

Von Sonnenuntergang kann man hier zu dieser Jahreszeit eigentlich fast nicht sprechen. Denn kaum war die Sonne am Horizont verschwunden, tauchte sie auch schon wieder auf. So genossen wir lange nach Mitternacht die Abfahrt der Europa noch bei besten Wetterverhältnissen und Lichtstimmungen.

TROMSØ

69°39’N | 18°57’E ● NORWEGEN

Nord-Norwegen machte diesen Sommer gerade eine Hitzewelle durch. Es soll in Tromsø sogar 30°C heiss gewesen sein. Ganz so warm war es bei unserem Besuch nicht mehr. Aber mit 25°C war es immer noch so mild, dass wir im T-Shirt auf den Størsteinen hochgefahren sind. Der Ausblick auf Tromsø und Umgebung war umwerfend schön.

Das schöne Wetter ermöglichte dann sogar, dass wir am Abend eine Party an Deck der Europa feiern konnten. Denn es war nicht nur sonnig, sondern auch fast windstill. 

GEIRANGER

62°6’N | 7°12’E ● NORWEGEN

Einen Seetag später erreichten wir frühmorgens den Geiranger Fjord. Bei tollem Wetter fuhren wir vorbei an den sieben Schwestern, einem resp. sieben Wasserfällen, die sich von den steilen Klippen in den Fjord ergiessen. Hier waren wir ja vor einem Jahr schon einmal und haben damals eine Fahrt auf den nebelverhangenen Dalsnibba unternommen. Da hatten wir dieses Jahr mehr Glück: Bei sonnigem Wetter war die Aussicht wirklich sehr schön. 

Während unserer Landschaftsfahrt hat die MS Europa nach Hellesylt verholt und stand dort bereits zum Einsteigen bereit, als wir an der kleinen Pier ankamen.

BERGEN

60°23’N | 5°20’E ● NORWEGEN

Hatten wir in Tromsø und im Geiranger Fjord mehr Wetterglück als im Vorjahr, so war‘s in Bergen genau umgekehrt. Zwar war das Wetter auch dort trocken, doch bei bedecktem Himmel leuchteten die farbigen Häuser des alten Handelsquartiers Bryggen natürlich gleich etwas weniger stark. Trotzdem genossen wir einen Bummel durch die Stadt. Doch etwas wehmütig waren wir schon, denn Bergen war der letzte Stopp dieser einzigartigen Arktisreise.  

HAMBURG

53°33’N | 10°0’E ● DEUTSCHLAND

Eine verhältnismässig ruhige Nordsee ermöglichte uns nochmals einen schönen Seetag, obwohl nach rund drei Wochen in unserem schwimmenden Zuhause auch das Kofferpacken etwas Zeit beanspruchte.

Bei sonnigem Wetter fuhren wir frühmorgens die Elbe hoch und legten pünktlich kurz vor 08:00 am Grasbrook Terminal in Hamburg an. Wir blickten auf eine wunderbare Reise in den hohen Norden zurück. Wir waren uns einig, dass dies sicherlich nicht die letzte Reise in diese Region bleiben würde. 

Nordkap 2008

Nordkap 2008

In Bezug auf Reisen in die Polarregionen gibt es zwei Arten von Menschen: die einen haben es nach einer Reise gesehen, die anderen werden vom “Polarvirus” infiziert und bereisen diese Regionen immer wieder. Wir gehören definitiv zur zweiten Gruppe. Unsere “Infektion” fand wohl 2008 auf einer Reise mit der MS Europa ans Nordkap statt.

KIEL

54°20’N | 10°8’E ● DEUTSCHLAND

Bereits beim Packen für unsere Nordlandreise mussten wir feststellen, dass Badeferien im Süden kleidungstechnisch einfacher sind. Denn im hohen Norden muss man wettermässig mit allem rechnen: es kann genauso wie in Mitteleuropa 30°C warm sein. Doch ebenso wahrscheinlich sind Temperaturen im einstelligen Bereich – und dann kommt noch der Wind dazu.

Mit viel Gepäck flogen wir von Zürich nach Hamburg. Nach einer Übernachtung ging’s per offiziellem Transfer der Reederei Hapag-Lloyd weiter nach Kiel, wo die MS Europa bereits für uns bereit stand. An sich haben wir für diese Reise nicht das Schiff, sondern die Route ausgewählt. Denn wir wollten unbedingt mal bis zum Nordkap fahren.

Wir haben uns auf der MS Europa sogleich wohl gefühlt. Wie auf allen Reisen fand zuerst die obligatorische Rettungsübung statt. Dieser “Drill” ist sinnvoll, damit in einem – unwahrscheinlichen – Notfall alle wüssten, was zu tun ist. Gerade bei einer Fahrt in kalte Gewässer ist dies enorm wichtig.

So fuhren wir schon bald aus der Kieler Förde raus in die ruhige Ostsee.

KATTEGAT & SKAGERRAK

57°50’N | 9°4’E

Unser erster Tag auf dieser Reise war ein Seetag. Und solange wir in der Ostsee fuhren, war dieser auch schön ruhig und angenehm. Doch kaum hatten wir das Kattegat in Richtung Skagerrak verlassen, nahm der Seegang merklich zu. Die MS Europa stampfte und rollte so stark, dass nach einigen Überschwemmungen an Deck auch der Pool ausgelassen werden musste.

Wir stellten bei dieser Gelegenheit fest, dass Christoph seefest ist, Fabienne aber nicht. Dank des an sich aber sehr guten Wetters konnten wir den Tag unter Wolldecken auf den Liegestühlen im Freien verbringen. Die frische Luft, die Errungenschaften der Reisemedizin und der sich allmählich beruhigende Seegang sorgten dann dafür, dass wir beide das Kapitänsdinner am Abend bereits wieder voll geniessen konnten.

VIK & FLÅM

61°3’N | 6°35’E ● NORWEGEN

Der erste Landgang in Norwegen führte uns in den Ort Vik. Von dort ging’s per Bus zur bekannten Stabkirche Hopperstad. Diese ist komplett aus Holz gebaut und stammt aus dem 12. Jahrhundert. Leider wurde sie bei unserem Besuch gerade renoviert und war zumindest von aussen mit einem Baugerüst verstellt. Auf der weiteren Fahrt nach Myrdal besuchten wir diverse Häuser mit Grasdächern und genossen die schöne Aussicht auf die Fjorde.

In Myrdal bestiegen wir dann die traditionsreiche Flåmsbana, die Bahn von Myrdal nach Flåm. Vorbei am imposanten Wasserfall Kjosfossen fuhren wir über diverse Kehren und durch zahlreiche Tunnels bis nach Flåm. Die MS Europa ist in dieser Zeit ebenfalls von Vik nach Flåm gefahren, so dass wir gleich wieder an Bord gehen konnten.

Kapitän Akkermann informierte uns, dass einer der Azipod-Antriebe der Europa ausgefallen sei. Daher könne die MS Europa nur mit halber Kraft weiterfahren. Spätestens im nächsten Hafen solle das Problem aber behoben werden können.

MOLDE & ÅNDALSNES

62°44’N | 7°10’E ● NORWEGEN

Da unsere Kabine einen Blick nach hinten aufs Kielwasser hatte, konnten wir beim Aufstehen mit Beruhigung feststellen, dass offenbar wieder beide Antriebe funktionierten. Unserer weiteren Reise sollte also nichts im Weg stehen.

Bei wunderbarem Sonnenschein erreichten wir den Hafen der Rosenstadt Molde. Rosenstadt deshalb, weil hier wegen des erstaunlich milden Klimas Rosen wachsen, obwohl diese normalerweise nur weit südlicher zu finden sind.

Mit einer Fähre fuhren wir zunächst auf die andere Seite des Moldefjords. Von dort brachte uns ein Bus über zahlreiche Serpentinen auf den Trollstigen. Trotz mittlerweile bedecktem Himmel war die Fahrt sehr sehenswert.

Unser Ziel war aber letztlich Åndalsnes. Und wie schon am Vortag “verholte” die Europa auch dieses Mal an unseren Zielort und stand in Åndalsnes zum Einstieg bereit.

TRONDHEIM

63°26’N | 10°24’E ● NORWEGEN

Unsere Reise Richtung Nordkap führte uns immer weiter in Richtung Polarkreis. Doch bevor wir diesen erreichten, stand ein weiterer Landgang an der norwegischen Küste auf dem Programm. Auch dieser Tag war wieder sonnig und mild. Hatten wir unsere warmen Kleider umsonst mitgebracht?

Der erste Stopp unserer Rundfahrt führte uns zu einer verlassenen Mine. Mit Helmen ausgerüstet konnten wir diese besichtigen. Auch wenn die früheren Minenarbeiter vielleicht etwas kleiner waren als wir, würde man einen solchen Arbeitsort sicherlich niemandem wünschen. Dennoch war die Besichtigung sehr interessant.

Mit einer alten Eisenbahn fuhren wir dann über Land zurück nach Trondheim. Hier blieb sogar noch Zeit für einen kurzen Stadtrundgang.

LOFOTEN

68°9’N | 13°37’E ● NORWEGEN

We’ve done it! In der letzten Nacht haben wir zum ersten Mal bewusst den Polarkreis überquert. Bewusst deshalb, weil wir auf Flügen nach Nordamerika durchaus schon nördliche Routen jenseits des Polarkreises geflogen sind. Doch auf dem Boden ist das halt was anderes, da man sich viel eher bewusst wird, wo man sich eigentlich befindet. Nun ist es ja nicht so, dass es “auf der anderen Seite” anders aussieht. Doch irgendwie ist es schon ein spezielles Gefühl!

Bei weiterhin traumhaftem Wetter legten wir heute in Gravdal auf den Lofoten an. Die Lofoten machen an einem so sonnigen Tag jedem Strand in der Südsee oder Karibik Konkurrenz – mal abgesehen vielleicht von den Wassertemperaturen.

Über diverse Brücken fuhren wir in einen kleinen Ort mit dem kurzen Namen Å. Nach dem Besuch des Stockfisch-Museums ging’s weiter zum komplett denkmalgeschützten Ort Nusfjord. Dieser kleine Ort ist wirklich malerisch mit seinen gelben und roten Häusern. Das Ufer des Fjordes säumten viele Rorbuer, also Fischerhütten. Heute werden diese teilweise auch als Ferienhäuser genutzt.

Am Nachmittag kehrten wir zurück auf die Europa. Dort wartete eine Überraschung auf uns. Die MS Europa führt 12 Expeditionsschlauchboote, sogenannte Zodiacs, mit. Diese werden an besonders schönen Orten für Ausfahrten genutzt. Und offensichtlich befand Kapitän Akkermann, dass es sich hierbei um einen solchen Ort handelte. So kamen wir zu unserer ersten Zodiacfahrt – und es war uns schnell klar, dass das keinesfalls die letzte bleiben dürfte.

So endete dieser wunderbare Tag auf den Lofoten mit dem Ablegen von Gravdal. Die MS Europa fuhr dem Sonnenuntergang entgegen, weiterhin Kurs Nord. Wegen der nördlichen Breite wurde es gar nicht mehr komplett dunkel.

NORDKAP

71°10’N | 25°47’E ● NORWEGEN

Aufgrund der grossen Distanz zwischen den Lofoten und dem Fischerdorf Skarsvåg am Fusse des Nordkaps war die Ankunft erst am Abend geplant. Diesen Fast-Seetag nutzten wir, um das Schiff ausgiebig zu erkunden. So konnten wir beispielsweise den Maschinenraum besichtigen. Es war faszinierend zu sehen, welche Technik nötig ist, um eine schwimmende Kleinstadt mit rund 700 Personen zu betreiben. Wir lernten, wie aus Salzwasser Süsswasser gewonnen wird, wie Abwasser gereinigt wird, wie der Strom für die beiden Azipod-Antriebe und für das gesamte Schiff erzeugt wird und vieles mehr.

Wären wir wegen der Landschaft Norwegens und den hellen Nächten nicht sowieso schon zu Nordland-Fans geworden, so hätte uns spätestens die folgende Begegnung “den Rest gegeben”. In der Fotogalerie der MS Europa waren nämlich nicht nur Fotos unserer aktuellen Reise ausgestellt, sondern auch der Vorgängerreise. Diese führte die MS Europa nach Spitzbergen – Eisberg- und Eisbärensichtungen inklusive. Einfach traumhaft! Und “unglücklicherweise” stand auch im folgenden Jahr wieder eine solche Expedition Spitzbergen mit zahlreichen Zodiac-Ausfahrten und -Anlandungen auf dem Programm. Wir haben natürlich gleich gebucht. Und so wurde aus einer Reise ans Nordkap letztlich eine Liebe zur Arktis, die uns noch viele Male in diese Region führen würde.

Doch zunächst erreichten wir nun Skarsvåg, von wo uns nach dem Abendessen diverse Busse zum Nordkap fuhren. Das Nordkap gilt als nördlichster Punkt des europäischen Festlandes. Nun ist das Nordkap aber weder der aller-nördlichste Punkt Europas, noch auf dem Festland gelegen. Doch das stört kaum, denn der Felsen ist tatsächlich viel markanter als der eigentlich nördlichste Punkt des europäischen Festlandes. Aus touristischer Sicht ist diese kleine Schummelei also nachvollziehbar.

Am Nordkap gibt es sehr oft Nebel und starken Wind. Währenddem letzterer auch bei uns blies, war von ersterem nur gerade so viel zu sehen, dass es wunderschöne Fotos ermöglichte. Auf jeden Fall verbrachten wir viel Zeit bei der bekannten Nordkap-Kugel und waren zum ersten Mal auf dieser Reise richtig froh um alles, was wir an warmen Kleidern mitgebracht hatten.

Erst weit nach Mitternacht fuhren wir zurück zum Schiff. Weil es draussen immer noch hell war, war natürlich an Schlafen nicht zu denken. So genossen wir noch den einen oder anderen Absacker in der schönsten Bar auf See, der Sansibar, mit Blick aufs Kielwasser.

TROMSØ

69°39’N | 18°57’E ● NORWEGEN

Wenn man vom Nordkap her kommt, dann erscheint Tromsø schon wieder recht südlich. Doch auch diese Stadt, die Paris des Nordens genannt wird, liegt immer noch deutlich nördlich des Polarkreises. Am bekanntesten ist Tromsø für den Hausberg, den Storstein, und für die Eismeerkathedrale. Beides besichtigten wir ausgiebig. Und am Abend veranstalteten einige mitreisende Künstler sogar ein exklusives Konzert in der Eismeerkathedrale.

Wir genossen den Tag in Tromsø sehr und freuten uns, dass Tromsø auch auf der geplanten Spitzbergen-Reise im nächsten Jahr wiederum ein Stopp sein würde.

TROLLFJORD

68°21’N | 14°58’E ● NORWEGEN

An sich stand heute ein Seetag auf dem Programm. Aber der Kapitän liess sich etwas einfallen, um uns auch heute zu überraschen. Denn auf dem Weg lag der kleine, enge Trollfjord. An der engsten Stelle ist er nur 100 Meter breit und daher für grössere Schiffe nicht passierbar. Und auch wenn die MS Europa bei weitem nicht so breit ist, kamen die Felswände doch sehr nahe ans Schiff. Trotz Regenwetters war dies eine gelungene Premiere für die MS Europa – und für uns. Den restlichen Tag verbrachten wir drinnen und genossen das Schiff und die leckeren Mahlzeiten…

GEIRANGER

62°6’N | 7°12’E ● NORWEGEN

Der Geirangerfjord ist wohl das Postkartenmotiv Norwegens schlechthin. Und trotz mittelmässigen Wetters konnten wir die Schönheit der Landschaft geniessen. Mit Wasserfällen, die “7 Schwestern” oder “Freier” heissen, und mit Felsen, die versteinerte Trolle darstellen sollen, ist dies wirklich ein mystischer Ort.

Wir machten einen Ausflug auf den Aussichtsberg Dalsnibba. Wobei sich die Aussicht vom Gipfel auf dichten Nebel beschränkte. Doch die Fahrt hin und zurück war durchaus sehenswert und an der einen oder anderen Stelle auch ziemlich abenteuerlich.

So genossen wir einen weiteren Tag in Norwegen. Wettermässig war uns schon klar, dass dies eigentlich eher typisches Norwegenwetter war als unsere erste, sehr sonnige Woche.

BERGEN

60°23’N | 5°20’E ● NORWEGEN

Bergen hat den Ruf, die Regen-Hauptstadt Norwegens zu sein. Daher waren unsere Erwartungen in Bezug auf das Wetter doch eher bescheiden. Umso erfreuter waren wir, als wir bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen in Bergen an der Pier festmachten. Mit dem alten Handelsquartier Bryggen und dem Fischmarkt am Hafen ist Bergen wirklich eine malerische Stadt. Wir genossen einen ausgiebigen Rundgang durch die alten Häuser und Gassen.

Nach fast zwei Wochen in kleinen und kleinsten Orten mussten wir uns zuerst wieder an die vielen Leute gewöhnen, die hier unterwegs sind. Während wir den Tag in Bergen genossen, trat ein Teil unserer Crew zu einem sportlichen Wettkampf an: Ein Fussballturnier gegen die Crew eines anderen, ebenfalls im Hafen liegenden Kreuzfahrtschiffs. Solche Freundschaftsspiele haben Tradition und sorgen im sehr stressigen Arbeitsalltag der Besatzung für etwas Abwechslung.

Wenn man in Bergen weder Sightseeing macht, noch Fussball spielt, dann kauft man sich am besten norwegische Erdbeeren auf dem Markt. Denn diese sind wegen des ausgeglichenen Klimas (Golfstrom sein Dank) und den langen Tagen viel grösser und süsser als ihre südliche Variation.

Die Ausfahrt aus dem Hafen von Bergen, vorbei an den Schären-Inseln, war ein würdiger Abschluss unseres letzten Landgangs dieser wunderbaren Reise.

KIEL

54°20’N | 10°8’E ● DEUTSCHLAND

Von Bergen bis Kiel ist die Distanz so gross, dass man dafür einen ganzen Seetag benötigt. Das war auch gut so, denn so konnten wir die Erlebnisse der letzten Tage nochmals in Ruhe Revue passieren lassen. Und dann stand ja auch noch das durchaus ungeliebte Kofferpacken auf dem Programm.

Doch so sehr uns der Abschied vom Norden und auch von der MS Europa schwer gefallen ist, so sehr freuten wir uns schon auf den nächsten Sommer. Denn dann würden wir von Hamburg aus nach Island, Spitzbergen und Norwegen fahren. Eine tolle Aussicht…!