Polarlichter fotografieren

Wer Polarlichter fotografieren möchte, muss sich auf Kälte und Dunkelheit einstellen. Es ist also eine gute Idee, sich schon mal bei Licht und Wärme mit dem Thema auseinanderzusetzen.

AUSRÜSTUNG

Polarlichter sieht man in der Arktis. Und dort ist es meist kalt, insbesondere nachts. Warme Kleidung und Handschuhe sind also ein Muss. Im Winter sind zudem auch Hand- und Fusswärmer nützlich, da dann die Temperaturen in der Arktis bei deutlich unter -20°C liegen können. Bei so grosser Kälte sollte man daher auch Ersatzakkus mitnehmen. Und zudem darf ein luftdichter Plastiksack nicht fehlen, um die Kamera nach getaner Arbeit langsam und ohne Kondensat wieder aufzuwärmen.

Wer seine Kamera nicht komplett blind bedienen kann (und das sind die wenigsten unter uns), sollte eine Stirnlampe oder eine Taschenlampe mit Clip mitnehmen. Diese ist nützlich, wenn man doch mal kurz die Kameraeinstellungen überprüfen muss. Zudem kann eine solche Lampe auch zum Light Painting genutzt werden, doch dazu später mehr.

Grundsätzlich ist jede Kamera für Polarlichtaufnahmen geeignet, die man komplett manuell einstellen kann. Ein möglichst lichtstarkes Weitwinkelobjektiv ist auf jeden Fall Pflicht. Bei uns hat sich ein 24-70mm f2.8 oder ein 16-35mm f2.8 bewährt.

Und last but not least benötigt man ein gutes Stativ. Dieses sollte genug stabil sein, damit die Kamera auch bei Wind nicht wackelt. Es lohnt sich also, bei der Nutzlast etwas höher zu gehen als das tatsächliche Gewicht der Kamera. Wenn Kamera und Objektiv max. 1.5 kg wiegen, ist eine Nutzlast von 4-5 kg sicherlich hilfreich.

Wenn es wirklich kalt ist, sollte man weder die Kamera, noch den Sucher, noch das Stativ mit der Haut berühren. Denn bei so kaltem Material würde man leicht festfrieren!

Also nochmals in Kürze:

  • Warme Kleidung
  • ev. Wärmepads (auch für die Akkus gut!)
  • Luftdichter Plastiksack für Kamera
  • Manuell einstellbare Kamera
  • Lichtstarkes Weitwinkelobjektiv
  • Stativ
  • Taschenlampe

EINSTELLUNGEN

Um Polarlichter richtig kräftig abzubilden, ist eine Langzeitbelichtung nötig. Bei uns haben sich folgende Einstellungen bewährt:

  • Einstellung M (Manuell) oder S/T (Zeitvorwahl)
  • Belichtungszeit 15 Sekunden
  • Blende 2.8
  • ISO-Wert 1000 (als Vorwahl oder Maximalwert)
  • Selbstauslöser 2 Sekunden (um eine Verwackelung durchs Auslösen zu vermeiden)
  • Manueller Fokus

Bei Belichtungszeiten von mehr als 15 Sekunden kann es bereits zu Bewegungsunschärfen bei den abgebildeten Sternen kommen. Und bei einem ISO-Wert von mehr als 1000 steigt das Bildrauschen an.

Die grösste Herausforderung ist der Fokus. Denn bei fast kompletter Dunkelheit funktioniert der Autofokus nicht. Man muss also manuell fokussieren. Doch auch das ist bei Dunkelheit nicht einfach. Wenn man z.B. einen Baum oder ein Gebäude im Vordergrund hat, sollte man auf dieses scharf stellen. Doch wie? Der beste Trick ist tatsächlich, bereits bei Tageslicht mögliche Aufnahmestandorte auszukundschaften und den Fokus bereits bei Licht einzustellen. Am besten fixiert man den Fokusring dann mit einem Klebestreifen. Sony-Kameras zeigen die Entfernung beim manuellen Fokussieren zudem digital an. Hier kann man sich natürlich auch einfach die entsprechende Fokusdistanz merken und auf den Klebestreifen verzichten.

Auch wenn man keinen Vordergrund im Bild hat, ist das Fokussieren nicht ganz einfach. Der erste Gedanke wäre, auf „unendlich“ zu fokussieren. Doch heutige Kameraobjektive haben bei „unendlich“ keinen Anschlag, sondern gehen zum Schutz des Autofokus-Antriebs über die Unendlichposition hinaus. Auch ohne Vordergrund muss man dem Fokussieren also Aufmerksamkeit schenken.

LIGHT PAINTING

Mit einer einfachen Taschenlampe kann man mit etwas Unterstützung von einer zweiten Person lustige Effekte erzielen. Die zweite Person kann z.B. während der Belichtungszeit ein Gebäude im Vordergrund kurz mit der Taschenlampe beleuchten. Bleibt die Person in Bewegung und zeigt mit der Lampe nie in Richtung Kamera, so sind weder Person noch Lampe sichtbar.

Light Painting mit einer Taschenlampe
Light Painting mit einer Taschenlampe

Selbstverständlich kann man mit der Lampe auch irgendwelche Botschaften und Muster direkt in die Kamera „zeichnen“. Aus unserer Sicht macht dies aber bei Polarlichtern weniger Sinn. Der Fantasie sind aber natürlich keine Grenzen gesetzt.

ZUM SCHLUSS

Polarlichter sind in Natura etwas unglaublich Beeindruckendes. Doch sie leuchten nicht so intensiv, wie man das von Fotos kennt. Erst die Langzeitbelichtung und eine geeignete Nachbearbeitung (z.B. in Lightroom) bringen die Farben so richtig schön zum Leuchten.

Fotos bearbeiten

Wie kann ich mich gegen Datenverlust schützen? Macht es Sinn, unterwegs schon Fotos zu bearbeiten oder geht das nur am grossen Bildschirm zuhause? Wie sieht ein optimaler “Workflow” aus? Hier stellen wir unsere Erfahrungen hierzu, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, zusammen.

DATENSICHERUNG

Eine Datensicherung ist immer eine gute Idee. Denn eine Speicherkarte kann mal verloren gehen oder den Geist aufgeben. Wer nur eine Kopie der Daten ziehen möchte, kann dies mit einer Festplatte mit eingebautem SD-Karten-Laufwerk machen.

Wer aber die Fotos unterwegs gleich auch schon sichten möchte, sollte ein Tablet oder Notebook mitnehmen. Bis vor kurzem reisten wir immer mit einem Notebook. Doch mittlerweile kann ein iPad Pro alles, was unterwegs notwendig ist. Aufgrund des kleineren Gewichts ist dies aus unserer Sicht die empfehlenswerteste Option.

JPG ODER RAW?

Ob man im JPG- oder RAW-Format fotografiert, ist eine persönliche Entscheidung. JPG ist komfortabel, weil die Kamera bereits die Schärfe, Kontraste und Farben optimiert. Zudem kann eine JPG-Datei gleich für Social Media- oder Web-Posts eingesetzt werden.

JPG hat aber zwei gravierende Nachteile: Erstens „weiss“ die Kamera nicht in jeder Situation, welche Anpassungen gewünscht sind. Soll ein Sonnenuntergang möglichst kräftig oder zart sein? Sollen Bäume im Vordergrund eines Sonnenuntergangs aufgehellt werden oder sollen sie wie Scherenschnitte aussehen? Und zweitens ist JPG eine verlustbehaftete Komprimierung. Es gehen also die ursprünglichen Bildinformationen verloren und man kann die Anpassungen durch die Kamera nur bedingt rückgängig machen oder übersteuern.

Das RAW-Format ist hingegen eine Art digitales Negativ. Es beinhaltet alle Bildinformationen und ermöglicht so eine maximale Flexibilität bei der Bearbeitung durch den Fotografen. RAW-Bilder muss man aber bearbeiten, damit sie gut aussehen. Wer also „ernsthaft“ fotografieren möchte, kommt um RAW und die nachfolgende Bildbearbeitung nicht herum.

Die meisten Kameras bieten auch die Möglichkeit, JPG und RAW parallel zu speichern. So hat man das Beste von beiden Formaten, allerdings auch einen deutlich höheren Speicherbedarf.

BILDBEARBEITUNG

Auch hier gibt es eine Vielzahl von Optionen. Wer seine Fotos als JPGs speichert, wird vermutlich nur geringe Anpassungen vornehmen. Dazu eignet sich z.B. die Foto-App, die auf jedem Apple-Gerät mit dabei ist. Um RAW-Dateien zu “entwickeln”, benötigt man aber eine Lösung mit erweiterten Möglichkeiten. Wir nutzen Adobe Lightroom CC. Diese cloudbasierte Lösung ist zwar nicht ganz günstig, bietet aber neben der Verwaltung und Bearbeitung von Fotos auch gleich eine Cloud-Datensicherung. Zudem lassen sich damit unterschiedliche Geräte per Synchronisation auf demselben Stand halten.

Auf die Bedienung von Lightroom gehen wir hier nicht vertieft ein. Dazu gibt es auf YouTube diverse Anleitungen, die das bestens abdecken. Nützlich (und unterhaltsam) sind in diesem Zusammenhang z.B. auch die Videos von Pavel Kaplun.

UNSER “WORKFLOW”

Wir setzen auf folgende Lösungen: iPad Pro, Apple SD-Karten-Adapter, Lightroom CC. Doch der Reihe nach…

VORBEREITUNG: ZEIT UND DATUM DER KAMERAS SYNCHRONISIEREN

Fotografiert man mit mehreren Kameras, sollte man dafür sorgen, dass die Uhren der Kameras exakt gleich gehen (gleiches Datum, gleiche Uhrzeit, gleiche Zeitzone). Dabei ist es nicht wichtig, dass die Kamera die Zeit der aktuellen Zeitzone anzeigt. Es reicht, wenn man die Kameras alle auf dieselbe Zeit in der Heim-Zeitzone einstellt.

So kann man die Fotos später alle nach Aufnahmezeit sortieren und hat gleich alles in der richtigen Reihenfolge.

SCHRITT 1: FOTOS AUF IPAD LADEN

Wenn man die SD-Karte mit dem Adapter ans iPad anschliesst, startet automatisch die Foto-App (bis iOS 12) resp. man kann mit der Foto-App die Bilder aufs Gerät laden (ab iPadOS 13). Die noch nicht importierten Fotos werden zum Import vorgeschlagen. Auch wenn man die Fotos später in Lightroom bearbeiten will, ist die erste Station leider immer noch die Foto-App. Seit iPadOS 13 würde das Betriebssystem auch einen direkten Import in eine andere Anwendung erlauben. Doch dies scheint sich bei Adobe noch nicht rumgesprochen zu haben…

Also importiert man die Fotos zuerst in die Foto-App. Die Frage, ob man die importierten Fotos behalten oder löschen möchte, sollte man mit “behalten” beantworten. Denn zumindest solange man unterwegs ist, macht diese Art der Datensicherung sicher Sinn.

SCHRITT 2: FOTOS IN LIGHTROOM IMPORTIEREN

In der Lightroom App wählt man “Importieren aus Aufnahmen” und wählt die eben in die Foto-App importierten Fotos aus. Am besten importiert man die Fotos direkt in ein spezielles Album, das man z.B. nach dem Anlass oder der Reise benannt.

Nach abgeschlossenem Import in Lightroom können die Fotos in der Foto-App gelöscht werden. Denn Lightroom speichert die Daten separat, so dass man die Fotos nicht doppelt im (teuren) iPad-Speicher halten muss.

Die Schritte 1 und 2 wiederholt man mit jeder Kamera.

SCHRITT 3: FOTOS AUSWÄHLEN

Hat man alle zu sortierenden Fotos in einem Album zusammengefasst, so kann man mit dem Auswählen beginnen. Weil es fast unmöglich ist, auf einen Schlag x Tausend Fotos auf ein verträgliches Mass zu reduzieren, machen wir das in mehreren Durchgängen. Lightroom bietet dafür die Möglichkeit, Fotos mit 0-5 Sternen zu bewerten. Im ersten Durchgang markieren wir alles, was einigermassen gut aussieht, mit einem Stern. Dann filtern wir die Ansicht, so dass nur noch Fotos mit mindestens einem Stern sichtbar sind. Beim nächsten Durchgang bewerten wir die besten mit zwei Sternen. Vermutlich sind es dann immer noch zu viele. Also: Nächster Durchgang mit drei Sternen. Bei Bedarf kann man das bis zu 5 Sternen wiederholen. So bleibt am Ende die wirklich beste Auswahl.

SCHRITT 4: FOTOS BEARBEITEN

Bearbeiten, also die RAW-Dateien entwickeln, tun wir nur die Fotos mit den höchsten Bewertungen.

BEI BEDARF: AUSMISTEN

Wird der Speicherplatz auf dem iPad knapp, so kann man bereits unterwegs alle Fotos mit 0 Sternen löschen. Denn diese wird man vermutlich nicht vermissen.

BEI GELEGENHEIT: SYNCHRONISIEREN

Um die Fotos dann in die Lightroom-Cloud hochzuladen, benötigt man vor allem eine schnelle Internetverbindung. Denn da müssen ja durchaus einige Gigabyte transferiert werden. Übers Mobilnetz ist das also eher nicht empfehlenswert. Es über eine langsame Internetverbindung zu versuchen, schadet zwar nicht, dauert aber ewig. In der Praxis synchronisieren wir daher meist erst zuhause. Denn unterwegs hat man, insbesondere in abgelegenen Gebieten, kaum je eine so schnelle Internetverbindung.

ZUHAUSE: AUF DEM MAC ODER PC WEITERARBEITEN

An sich kann man natürlich auch zuhause nur mit dem iPad arbeiten. Doch es gibt immer noch einige Funktionen, die nur in der Desktop-Version von Lightroom CC vorhanden sind. Dank des Synchronisierens kann man problemlos auf dem Mac oder PC dort weitermachen, wo man auf dem iPad aufgehört hat.

AM SCHLUSS: ALS JPG EXPORTIEREN

Lightroom speichert ja “nur” die RAW-Originale und die Bearbeitungen. Für Fotobücher, Social Media Posts, Diashows – eigentlich für fast alles – benötigt man am Ende aber JPG-Dateien. Diese kann man entweder bei Bedarf einzeln erzeugen oder man exportiert von allen bearbeiteten Bildern einen Satz JPG-Dateien. Wir machen in der Regel letzteres. Das hat zudem den Vorteil, dass man damit nochmals eine Datensicherung der besten Fotos hat.

Baffin Bay 2019

Baffin Bay 2019

Einmal rund um die nördliche Baffin Bay, das war der Plan für unsere Sommerferien. Start und Ende dieser Reise war Kangerlussuaq in Grönland. Doch wie weit wir in den Norden fahren würden, war offen. Denn je mehr das Eis schmilzt, desto mehr ist es in Bewegung. Das führt letztlich dazu, dass höhere Temperaturen in gewissen Gebieten zu mehr Eis führen. 

REISEVORBEREITUNGEN

Es ist jedes Mal eine Herausforderung, bei 30°C die Winterkleider für eine Reise in die Arktis bereitzulegen. Doch aus Erfahrung wissen wir, dass man es bitter bereuen würde, sollte man Handschuhe und Mütze zuhause lassen. Die zweite Herausforderung ist jeweils das Einhalten der Gepäcklimiten. Bei den Koffern sind diese ausreichend grosszügig bemessen. Doch beim Handgepäck kommt man mit der Fotoausrüstung ziemlich rasch an Grenzen resp. Limiten. 

SOMMERLICHES KANGERLUSSUAQ

66°57’N | 50°58’W ● KANGERLUSSUAQ | GREENLAND

Unsere Expedition in die Arktis startete in Hannover. Denn von dort startete unser Sonderflug mit Finnair nach Grönland. Auch die Flugzeug Crew war sichtlich aufgeregt, nach Grönland zu fliegen. Es sei erst das fünfte Mal, dass eine Finnair-Maschine nach Grönland fliege. Man habe daher zusätzlich zwei Supervisor und einen Mechaniker an Bord. Für den Fall der Fälle hätten wir eher ein umgekehrtes Verhältnis der zusätzlichen Fachkräfte gewählt… Nach einem wunderbaren Flug über die ost-grönländische Küste landeten wir im 18°C warmen Kangerlussuaq. Das ist selbst für den geschützten Ort, wo oft eine Art warmer Föhnwind bläst, unüblich warm. 

Für uns ging es mit einfachen Bussen direkt zum Hafen, der allerdings nicht viel mehr als eine kleine Pier ist. Und bei Ebbe ist das Wasser am Ende des Fjordes von Kangerlussuaq nur knapp 5 Meter tief. Das reicht gerade mal für die Tenderboote der neuen Hanseatic nature. Bereits die Einschiffung stimmte uns damit auf die bevorstehende Reise ein. Denn eine richtige Pier würden wir bestenfalls gegen Ende der Reise in Sisimiut sehen.

EISBERGE

70°41’N | 51°27’W ● UUMMANNAQ | GREENLAND

Nach einem wunderbar ruhigen Seetag in Richtung Norden erreichten wir die Insel Uummannaq. Das darauf liegende Dorf gilt als eines der schönsten Grönlands, weil die typischen bunten Häuser hier so schön in die Felsen gebaut sind. Uummannaq ist vor allem in Dänemark bekannt, weil hier in den 1970er Jahren eine Weihnacht-TV-Serie spielte. Während 24 Folgen musste der Weihnachtsmann aus seinem Sommerhaus gerettet werden… Wir unternahmen denn auch die landschaftlich schöne Wanderung bis zu diesem Sommerhaus. Der Weihnachtsmann war nicht zuhause, aber leckeres Weihnachtsgebäck hat die Crew der Hanseatic nature dennoch organisiert!

Über Mittag verholte das Schiff und brachte uns zu unserem Nachmittagsstopp auf der Wüsteninsel Storoen. Diese ist ursprünglich tief unter dem Meer als versteinerter Faulschlamm entstanden. Mangels Sauerstoff verbanden sich damals Schwefel und Eisen zu Pyrit. Nun an der salzigen Seeluft reagieren beide mit Sauerstoff. Der entstehende Rost und die Schwefelverbindungen lassen die Insel rot und gelb leuchten. Besonders fruchtbar scheint dieser Chemie-Cocktail aber nicht zu sein. Zum Reiz von Storoen trägt bei, dass dahinter eine wenig tiefe Meerenge liegt, in der zahlreiche Eisberge stranden. Das Gelb der Insel, das Blau des Wassers und Himmels und das Weiss der Eisberge ergibt einen wunderbaren Kontrast. 

WILLKOMMEN IN KANADA

72°42’N | 77°59’W ● POND INLET | NUNAVUT | CANADA

Wenn die See so richtig ruhige ist, fällt öfter mal die Bezeichnung “Ententeich”. Dass die Baffin Bay sich bei der Überfahrt von Grönland nach Kanada von dieser (eher untypischen) Seite zeigte, war uns mehr als recht. So kamen wir nach einem entspannten Seetag in Pond Inlet auf Baffin Island an. Die Einheimischen scheinen den Kreuzfahrttourismus ziemlich satt zu haben und erlauben nur noch, dass Besucher in Gruppen durchs Dorf marschieren und keine Fotos machen. Wenn man Geschichten von Besuchern hört, die durch Fenster in Häuser rein fotografiert haben, versteht man die Locals irgendwie. Für uns war Pond Inlet “nur” ein notwendiger Stopp, um offiziell nach Kanada einzureisen. Das klappte auch reibungslos und so konnten wir besagten Rundgang durch den Ort machen. Wenn man im lokalen Supermarkt eine Cola-Dose für 5 kanadische Dollar oder eine Chips-Tüte für 12 Dollar sieht, kommt man schon etwas ins Grübeln. Denn die meisten Menschen hier werden sich diese Waren niemals leisten können, selbst wenn hin und wieder ein Schiff einige Einnahmen bringt. 

EISBÄREN-FRÜHSTÜCK

73°37’N | 88°40’W ● PRINCE REGENT INLET | CANADA

Auf unserem Weg nach Norden machten wir einen kleinen Abstecher zum Eingang der Nordwestpassage. Das Prince Regent Inlet war noch ziemlich dicht mit Eis bedeckt. In einer solchen Umgebung hat man die grössten Chancen, Eisbären vom Schiff aus sehen zu können. Und als wir gerade beim Frühstück waren, lichtete sich der Nebel und vor dem Schiff tauchte ein ebenfalls frühstückender Eisbär auf. Er hatte eine Robbe erlegt und das für ihn so wichtige Fett bereits verspeist (resp. sich bis hinter die Ohren geschmiert). Nun schien er satt zu sein und auch unser Schiff störte ihn nicht. Was für ein Anblick. Der wieder aufziehende Nebel hüllte den Bären auf seiner Scholle in ein mystisches Licht bis er dann komplett aus unserer Sicht verschwand. Toll!

Am Nachmittag sichteten wir im Eis einen weiteren Eisbären. Dieser wollte mit uns aber gar nichts zu tun haben und lief auf seiner Scholle weg. Da stoppte der Kapitän selbstverständlich die Maschinen und wir warteten, bis der Eisbär in Ruhe das Weite gesucht hatte, bevor wir weiterfuhren. Denn bedrängen will man diese sowieso schon gefährdeten Tiere sicher nicht. So verbrachten wir einen wunderbaren Tag im Eis des Prince Regent Inlet.

NO MAN’S LAND

74°49’N | 83°9’W ● Devon Island | Nunavut | Canada

Devon Island ist die grösste komplett unbewohnte Insel der Welt. Doch bevor wir einen Fuss auf sie setzten, besuchten wir zuerst eine schöne Bucht mit einem Gletscher, die Croker Bay. Mit den Expeditionsschlauchbooten, den Zodiacs, fuhren wir entlang der Abbruchkante des Gletschers. Selbstverständlich muss man einen genügend grossen Abstand einhalten. Denn ein kalbender Gletscher ist keineswegs harmlos. Das abbrechende Eis kann einen Mini-Tsunami auslösen. Viel gefährlicher ist aber das berstende Eis, das wie eine Schrotladung weggeschleudert werden kann.

Am Nachmittag besuchten wir die ehemalige Station der Royal Canadian Mounted Police in Dundas Harbour auf Devon Island. Die alten Hütten sind noch erhalten. Die RCMP verfolgte hier oben aber keine Verbrecher, sondern wollte vor allem Präsenz markieren, damit keine andere Nation plötzlich auf die Idee kam, diese Insel zu beanspruchen. Hier oben für teilweise mehrere Jahre stationiert zu sein, kam wohl eher einer Verbannung gleich. Auf dem Friedhof von Dundas Harbour liegen denn auch zwei “Mounties”, die offiziell beim Reinigen ihrer Waffe ums Leben gekommen sind. Vermutlich wollte man die tatsächliche Todesursache – also vermutlich Suizid – nicht in die Geschichtsbücher schreiben. Trotz dieser eher düsteren Vergangenheit war es spannend diesen Ort besuchen zu können.

PLAN D

76°28’N | 81°15’W ● FRAM FJORD | NUNAVUT | CANADA

Ursprünglich sollten wir heute Vormittag den Jakeman Glacier im Jones Sound besuchen. Doch auf der geplanten Anlandestelle stand eine so hohe Dünung, dass an eine Anlandung mit den Zodiacs nicht zu denken war. Also Plan B: Eine neue Anlandestelle musste gefunden werden. Dies gelang zwar, doch wir waren nicht die ersten dort. Ein Eisbär hatte sich dort bereits niedergelassen. Und nachdem Eisbären hier zuhause und wir nur Gäste sind, hiess es für uns: weiterfahren. Denn an Land will man hier oben sicher keinem Eisbären begegnen.

Der Plan C war dann, den geplanten Nachmittagsstopp auf den Vormittag zu verlegen. Dies wäre eine Wanderung in ein Tal im Fram Fjord gewesen. Doch auch hier waren die Wellen zu hoch. Was dann Plan D in Aktion setzte: Im Fram Fjord wurde tatsächlich eine geeignete eisbärenfreie Landestelle gefunden. So setzten wir auf dieser Reise zum ersten Mal einen Fuss auf die nördlichste Insel der Welt, Ellesmere Island. Und auch die Plan-D-Wanderung war sehr schön.

Den Nachmittag nutzten wir, um einen noch nie von einem Expeditionsschiff befahrenen Fjord zu erkunden. So schön wie sich dieser Fjord, der Starne Fjord, präsentiert, überraschte uns dies eigentlich. Doch selbst unser mitreisender Ice Master, ein ehemaliger kanadischer Eisbrecherkapitän, der den Kapitän in Eisfragen berät, war noch nie hier. Wir konnten bei einem schönen Gletscher sogar an Land gehen und nochmals etwas wandern. 

IM REICH DER EISBÄREN

78°45’N | 74°12’W ● PIM ISLAND | NUNAVUT | CANADA

Einen schönen Seetag lang fuhren wir nach Norden. Gegen Abend sichtete ein Matrose von der Brücke einen im Wasser schwimmenden Eisbären. Also gingen wir natürlich an Deck, um das majestätische Tier zu fotografieren. Dieser schwamm langsam der untergehenden Sonne entgegen. Was für ein toller Anblick! Doch wir konnten unser Glück kaum glauben: kurz hinter dem ersten Eisbären folgte ein zweiter. Wir wissen nicht, weshalb diese Tiere, die ja eigentlich Einzelgänger sind, so dicht hintereinander in dieselbe Richtung schwammen. Schön war’s auf jeden Fall. Nach diesem Highlight ging’s zum Abendessen. Doch als wir gerade die Suppe vor uns hatten, wurde eine Eisbärenmutter mit zwei Jungen auf einer Eisscholle gesichtet. Die Prioritäten waren sofort klar, denn wir waren ja der Eisbären und nicht der Suppe wegen hier in der Arktis! Wir konnten den drei Bären lange Zeit zuschauen. Immer wieder stellte sich einer davon auf die Hinterbeine und versuchte auszumachen, wer oder was wir denn wohl seien. Wir blieben in sicherer Distanz, um die Bären nicht zu beunruhigen. Letztlich mussten wir dann aber doch weiterfahren. Der Kapitän fuhr einen mehrere Meilen grossen Bogen um die Eisbärenscholle, damit die Eisbärenfamilie nicht verschreckt wurde.

Am folgenden Tag kamen wir bei der weit nördlich gelegenen Pim Island an. Die geplante Anlandung viel allerdings einem Eisbären zum Opfer. Denn ein sehr wohlgenährter Bär hat sich in der Nähe der geplanten Landestelle eingerichtet. Statt einer Anlandung konnten wir diesen Bären von den Zodiacs aus beobachten. Von einem Eisbären lässt man sich gerne eine Anlandung streichen.

ZWISCHEN KANADA UND GRÖNLAND

80°50’N | 66°39’W ● HANS ISLAND | CANADA? | GREENLAND?

In einem kalten Sommer ist die Nares Strait zwischen Kanada und Grönland meist mit dem Schiff befahrbar. Denn im Norden des Kennedy Channel sitzt ein Pfropfen aus mehrjährigem Eis. Solange dieser dicht hält, gibt es in der Nares Strait nur einjähriges Eis, das erstens im Sommer schmilzt und zweitens von einem Schiff wie der Hanseatic nature gut durchfahren werden kann. Wenn der Sommer aber warm ist, dann bricht dieser Eispfropfen auf und treiben grosse, alte Eisfelder Richtung Süden. Hier gilt also paradoxerweise “je wärmer, desto mehr Eis”.

Letztlich liess es die Eislage aber zu, bis über den 80. Breitengrad zu fahren. Bereits frühmorgens kamen wir bei der Hans Insel an. Diese liegt genau in der Mitte des Kennedy Channel zwischen Grönland und Kanada. Und sie wird auch von beiden Nationen, also Kanada und Dänemark (das Grönland aussenpolitisch vertritt) beansprucht. Benannt wurde die Insel 1871 nach Hans Hendrik, einem Inuit, der aufgrund seiner Sprachkenntnisse (Inuktitut, Englisch, Dänisch) zahlreiche Polarexpeditionen begleitet hat. Im Jahre 1973 einigten sich Dänemark und Kanada auf den Grenzverlauf in der Region, wobei die Entscheidung, wem nun die Hans Insel zuzurechnen sei, erst einmal vertagt wurde. Auch beim neuen Grenzvertrag zwischen den beiden Ländern aus dem Jahre 2012 wurde die Hans Insel wiederum ausgeklammert. Und so hissen die Kanadier bei jedem Besuch der Insel ihre Flagge und hinterlassen eine Flasche kanadischen Whisky. Die Dänen rollen jeweils die kanadische Flagge ein und ziehen ihre eigene auf. Und sie hinterlassen eine Flasche dänischen Aquavit. Bis dann die Kanadier wieder auftauchen… Der Verbleib der Schnäpse des jeweilig anderen Landes ist nicht geklärt, wohl aber auch keine grosse Überraschung. Auf jeden Fall würde man sich wünschen, dass Grenzstreitigkeiten überall mit so viel Charme ausgetragen würden, auch wenn es eigentlich um einen ernsten Hintergrund geht.

Wir konnten sogar kurz einen Fuss auf dieses ehemalige Korallenriff setzen, das zu Urzeiten mal beim Äquator lag. Heute ist es ein vegetationsloser Stein- resp. Fossilhaufen, der aber aufgrund seiner Lage im Eis doch durchaus sehenswert ist. Die Hans Insel markierte auch den Umkehrpunkt dieser Reise. Von nun an geht’s Richtung Süden.

STURMTAUFE

77°50’N | 73°14’W ● BAFFIN BAY

Vormittags hätten wir eine Anlandung in der verlassenen grönländischen Siedlung Etah machen wollen. Doch starker Wind und Seegang verunmöglichten dieses Vorhaben. Immerhin haben wir dort in der Nähe unseren zehnten Eisbären dieser Reise auf einer Eisscholle gesehen. Doch der Wind war kein gutes Zeichen. Über der Baffin Bay hat sich ein Sturmtief mit Windstärke 10 aufgebaut. Dieses würde in den nächsten Tagen genau über den Orten Siorapaluk, Qaanaaq und Thule liegen, welche wir eigentlich besuchen wollten. Daran war bei einem solchen Sturm nicht zu denken. Also musste eine Alternative her. Und diese sah wie folgt aus: Wir würden mitten durch den Sturm fahren und ein weiteres Mal die Baffin Bay durchqueren. Da wir entgegen dem Sturm fahren würden, wäre das ein kurzes aber heftiges Unterfangen. Das Ziel war nochmals Kanada: Baffin Island. Dass uns die kanadischen Behörden überhaupt nochmals eine Landeerlaubnis gegeben haben, nachdem wir ja eigentlich bereits in Richtung Grönland unterwegs waren, ist eine grosse Ausnahme. Aber was will man machen: Unser letzter Stopp war die Hans Insel. Und diese sehen die Kanadier ja als kanadisches Hoheitsgebiet an. Wir haben also Kanada nie verlassen…

Die folgenden gut 12 Stunden waren dann wirklich nicht angenehm. Bei anhaltender Windstärke 10 und 7 Meter hohen Wellen stampfte die drei Monate alte Hanseatic nature durch ihren ersten richtigen Sturm. Und man muss es ihr attestieren: sie liegt viel ruhiger im Wasser als sämtliche anderen Schiffe, die wir schon kennengelernt haben. Das macht einen solchen Sturm zwar nicht zu einem angenehmen Erlebnis, aber doch viel erträglicher.

Natürlich waren während dieser Sturmnacht alle Aussendecks geschlossen und selbst die Balkontüren auf den Kabinen durfte man nicht mehr öffnen. Die Wellen schlugen teilweise bis zur auf Deck 8 liegenden Observation Lounge hoch. Doch Passagiere und Schiff überstanden das Unwetter schadlos.

GLETSCHERZUNGEN

71°44’N | 74°41’W ● ICY ARM | BAFFIN ISLAND | CANADA

Bei nur noch drei Meter hohen Wellen schaukelten wir am Vormittag Baffin Island entgegen. Diese Insel ist etwas vom Schönsten, was man in der Arktis landschaftlich vorfindet. Doch leider wird sie nur selten angelaufen. Wir hatten also dank dieses Sturmes letztlich das Glück, zu zwei Extratagen in dieser schönen Fjordlandschaft zu kommen. 

Als während der letzten Eiszeit vor 20’000 Jahren etwa 4000 Meter dickes Eis auf Nordamerika lag, wurde das Land darunter in die Tiefe gedrückt. So entstand quasi eine Wanne unter dem Eis. Der tiefste Punkt davon ist die heutige Hudson Bay. Die Wannenränder wurden in die Höhe gedrückt. Im Westen sind dies die Rocky Mountains, im Osten die Steilküste von Baffin Island. Diese Steilküste ist tief eingeschnitten von Fjorden. Einer davon ist der heute besuchte Icy Arm. Im Innern von Baffin Island gibt es noch einen kleinen Eisrest aus der letzten Eiszeit. Sehen werden wir diesen nicht, aber die Chancen sind gut, dass zumindest ein Teil des hier entstehenden Schmelzwassers noch aus der letzten Eiszeit stammt.

Die Anlandung bei einem Gletscher im Icy Arm war eine schöne Alternative zum eigentlich für diesen Tag geplanten Nordwestgrönland-Programm.

TUNDRAWANDERUNG

70°36’N | 71°29’W ● SAM FORD FJORD | BAFFIN ISLAND | CANADA

Bereits frühmorgens konnten wir im Walker Arm des Sam Ford Fjordes an Land gehen. Auf dem Programm stand eine insgesamt rund zweistündige Wanderung zu einem Bergsee. Dort hätte man sogar ein Bad nehmen können, was aber bei einstelligen Wasser- und Lufttemperaturen nicht jedermanns Sache ist. Nach diesem endgültig letzten Stopp in Kanada machten wir uns auf den Weg, um die Baffin Bay ein viertes Mal zu überqueren. Die erste Überquerung führte uns von Grönland nach Kanada. Die zweite Überquerung war nur eine kurze, denn bei der Hans Insel ist die Baffin Bay, die dort Nares Strait heisst, nur wenige Meilen breit. Die dritte Überquerung war quasi von Nord nach Süd durch den Sturm, zurück nach Baffin Island. Und die vierte war nun die Überquerung der Davis Strait, wie man die südliche Baffin Bay bezeichnet. Faszinierend hierbei ist vor allem auch, dass all die langen Seestrecken im Winter mehrheitlich zugefroren sind. Man kann sich diese enormen Eisflächen fast nicht vorstellen.

GUTER HAFEN

69°15’N | 53°32’W ● QEQUERTARSUAQ | GREENLAND

Nach einer ruhigen Überfahrt über die Davis Strait erreichten wir am frühen Nachmittag den Ort Qequertarsuaq auf der gleichnamigen Insel vor Grönland. Leichter von der Zunge geht da schon der deutsche Name der Insel: Disko Insel. Und auf Dänisch heisst der Ort mit dem schwierigen Namen Godhavn, also guter Hafen. Das war er denn auch, und schön obendrein. Genau 10 Tage ist es her, seit wir das letzte Mal in einer Ortschaft waren. Das war Pond Inlet in Kanada. Und hier muss man festhalten, dass Qequertarsuaq den Beauty Contest ganz klar gewinnt. So verbrachten wir einen sonnigen Nachmittag in diesem schmucken Ort. Immer wieder sahen wir zwischen den Häusern hindurch die Eisberge der nahegelegenen Disko Bucht hervorblitzen. 

Woher übrigens die Disko Insel und die Disko Bucht ihren Namen haben, ist nicht geklärt. Das Spektrum der Erklärungsansätze reicht von Duke’s Bay (in Anlehnung auf den alten Walfänger Marmaduke) über einen nordischen Seefahrer mit Griechischkenntnissen (Discus, also Scheibe) bis hin zu einem offenbar hier versunkenen Schiff ähnlichen Namens. Und daneben gibt es noch zahlreiche Mythen und Sagen, die ebenfalls Erklärungen für diesen eigenartigen Namen bieten. Mit dem Nachtleben hat der Name aber definitiv nichts zu tun.

WALE

69°14’N | 51°9’W ● ILULISSAT | DISKO BAY | GREENLAND

Die Distanz zwischen Qequertarsuaq und Ilulissat beträgt nur 55 Seemeilen. Das wäre bei voller Geschwindigkeit locker in 4 Stunden machbar gewesen. Doch wir hatten dafür die ganze Nacht Zeit. Entsprechend ruhig war die Fahrt. In Ilulissat gibt es verschiedene Möglichkeiten, was man unternehmen könnte: einen Hubschrauberflug, eine Wanderung zum Eisfjord, einen Spaziergang durch den Ort etc. Wir entschieden uns für letzteres, kannten wir die anderen Optionen doch schon von früheren Reisen. Denn Ilulissat und die Diskobucht gehören praktisch zu jeder Grönlandreise dazu.

Bereits während dem Frühstück und auch am Mittag tauchten immer wieder Buckelwale beim Schiff auf und stiessen ihren typischen Blas aus. Wenn sie nicht ihre Fluke, die Schwanzflosse, zeigen, sind sie zwar nicht besonders fotogen, jedoch nicht minder beeindruckend. Es ist schon gewaltig, wie gross diese Tiere sind und mit welcher Ruhe sie durchs Wasser gleiten.

Am Nachmittag stand die letzte Zodiacausfahrt dieser Reise auf dem Programm. Rund eine Stunde lang fuhren wir zwischen Eisbergen hindurch und bewunderten die faszinierenden Formen dieser Giganten. Die meisten Eisberge werden von hier zunächst mit dem Westgrönlandstrom nach Norden getrieben. Irgendwo in der Gegend von Kap York ist dann der nördlichste Punkt ihrer Reise, bevor sie sich wieder auf den Weg nach Süden machen. Grosse Exemplare können dabei durchaus bis in den Nordatlantik treiben. Man vermutet, dass auch das Unglück der Titanic durch einen Eisberg aus der Diskobucht ausgelöst worden ist. 

Auch wenn es auf der Hanseatic nature viel weniger Kreuzfahrt-Traditionen gibt als auf der alten Hanseatic, so darf der Farewell Abend inkl. Shanty-Chor auch auf dem neuen Schiff nicht fehlen.

AN DER PIER

66°56’N | 53°28’W ● SISIMIUT | GREENLAND

Sisimiut ist tatsächlich einer der wenigen Häfen in der Arktis, der eine Pier hat, die genug gross für ein Expeditionsschiff ist. Daher wird Sisimiut auch genutzt, um Treibstoff und nicht verderbliche Waren zu bunkern. Dass Sisimiut nach der Hauptstadt Nuuk die zweitgrösste Stadt Grönlands ist, merkt man aber nicht nur an der Pier. Hier gibt es mehrere (!) Supermärkte, Hotels, Restaurants und Souvenirshops. Besonders empfehlenswert ist ein lokaler Geologie-Shop, wo man neben dem Nationalstein Grönlands, dem Tugtupit, auch weitere bis zu 3 Milliarden Jahre alte lokale Gesteine kaufen kann. Wem der Sinn eher nach weicheren Sachen steht, ist im Geschäft Qiviut richtig. Dort gibt’s alles aus Moschusochsenwolle – zwar nicht günstig, aber deutlich günstiger als wenn man das zuhause kaufen würde. 

Der Ortsteil beim Hafen ist besonders malerisch. Dort ist auch das lokale Museum untergebracht. Wir verbrachten den Vormittag mit Sightseeing und auch ein bisschen Shopping. Am Nachmittag stand dann das ungeliebte Kofferpacken auf dem Programm. Nach fast drei Wochen hatten wir uns so richtig gut eingerichtet in unserer Kabine…

Für den Abend kündigte der Kapitän nochmals etwas Seegang an. Doch einmal mehr lag die Hanseatic nature komplett ruhig im Wasser. Und dies, obwohl die See deutlich sichtbar bewegt war. Beim Rumpf und den Stabilisatoren haben die Ingenieure bei diesem Schiff also definitiv alles richtig gemacht.

POLARLICHTER

66°57’N | 50°57’W ● KANGERLUSSUAQ | GREENLAND

Was fehlt noch auf einer Reise, wo wir Eisbären, Robben, Wale und Eisberge gesehen haben? Genau, Polarlichter. Und die sahen wir im Sondrestrom Fjord kurz nach Mitternacht an unserem Aussteigetag. Was für ein toller Abschluss einer wunderbaren Reise!

Der Rest ist schnell erzählt: Nach dem Ausschiffen machten wir noch eine kurze Rundfahrt und fuhren dann zum Kangerlussuaq Rowing Club, wo ein leckeres BBQ auf uns wartete. Und danach ging’s auch schon weiter zum Flughafen. Die für ihre Gründlichkeit berüchtigte Sicherheitskontrolle war heute unauffällig, so wie man das von anderen Flughäfen auch kennt. Wir haben hier auch schon erlebt, dass jeder Passagier alles auspacken musste.

Beim Rückflug überquerten wir zum sechsten Mal auf dieser Reise den Polarkreis, wovon man allerdings in der Luft noch weniger mitkriegt als auf dem Schiff. Wir blicken einmal mehr zurück auf eine wunderschöne Reise mit vielen einzigartigen Tier- und Naturbeobachtungen.

Den Emergence Quest 2019

Den Emergence Quest 2019

In November, the Hudson Bay polar bears are eagerly waiting for the bay to freeze over, because that is where they find their favorite food during winter: seals. But not all bears spend the winter on sea ice. During this time, the mother bears search for a sheltered cave onshore where they can give birth to their offspring in December or January. Temperatures of -40°C prevail during this time, and that would be much too cold for the little bears. That is why the young bear family spends the first few months in the snow cave. Only when the temperatures rise to about -20°C do the mother bears dare to leave their caves, the so-called “dens.” A strenuous march towards Hudson Bay begins, because for the female bears, the last proper seal meal was nearly 10 months ago. It was at this time that we took a journey to the wild Kaska Coast of the Hudson Bay in the hope of possibly observing such a young bear family as they leave their cave.

TRAVEL PREPARATIONS

We were already familiarized with the climatic conditions of Hudson Bay during our stay in November. But November is fall, whereas March is winter. As such we had to get ready for dealing with significantly colder temperatures. That’s why we picked up ample hand and foot warmers and various layers of clothing. Once again we had to keep an eye on the baggage weight limit of 20 kg, because in this isolated region you don’t simply pay for exceeding the limit: you have to leave your baggage behind, because the small planes aren’t made for much additional load.

WINNIPEG

49°53‘N | 97°12‘W ● CANADA

While it was already quite spring-like in Switzerland, when we landed in Toronto it was snowing and -4°C. But only our next flight to Winnipeg finally gave us winter: -28°C! Even bright sunshine didn’t really help in that case. But we enjoyed the day in the capital of Manitoba despite the cold weather. We visited the Museum for Human Rights which was very much worth seeing in terms of both architecture and content, and supplied ourselves at the former goods depot “The Forks.” It was time to go to the fitting room before we met the remaining trip participants for dinner. Because of the expected temperatures of -40°C, only the best equipment is worth considering – and it was provided to us on loan by the organizer Churchill Wild. So we tried on padded ski pants and warm down parkas in a well heated hotel room. We could have even loaned some shoes, but there was no need for that since were very well-equipped with our -70°C Sorel boots. By the time we had dinner together we had already realized that the next 10 days with Jad, Sylvia, Sue, Coco, Annabelle, Liz and Peter would surely be very entertaining! Because we got along very well right away. Jad Davenport, National Geographic photographer and our “Photo Leader” increased our anticipation even more with a brief outlook regarding the coming days.

KASKA COAST

57°7‘N | 91°40‘W ● NANUK POLAR BEAR LODGE | CANADA

Nanuk Polar Bear Lodge is operated by Churchill Wild and is usually open between July and November. However, because of the Den Emergence Quest it is also open in March for 10 days. This means more than a week of preparation, because we were expecting a very comfortable lodge with all kinds of amenities. It is certainly not self-evident that you can easily take warm showers and have excellent meals in the middle of the Canadian winter. The path to the lodge at the wild Kaska Coast turned out be quite cumbersome, however. From Winnipeg, we first flew with a Calm Air propeller aircraft to the city of Thompson which has 13,000 inhabitants. Then we continued to Gillam with a small Cessna Caravan, and after a fuel stop we eventually arrived directly at the lodge on the Hudson Bay coast. Upon arrival we could already see how isolated this place was. The area around the lodge is about ten times as large as Yellowstone National Park, and for the next 10 days there would be just 19 people (lodge guests and employees) staying in this area. By the first afternoon we had already gone for a brief drive with the snowmobiles and the attached wood sledges, also called Komatiks. These were previously used by the Inuit in a slightly different form. The advantage that they have is that you are protected somewhat from the wind. However, the disadvantage is that these wood constructions have no suspension whatsoever. Even a minor unevenness in the snow or ice shakes you up a lot. But despite this – or because of it – we had lots of fun. As such we should’ve been tired enough to fall asleep quickly. But before we could even think about doing that, there was a knock on our door: Northern Lights! And at their finest! What a remarkable first day “in the middle of nowhere!”

PTARMIGANS

Ptarmigans, also known as snow grouses, look quite cool with their feet fully covered in feathers. That’s why we were very happy when we discovered many of these animals after only a short trip with the Komatiks. With sunshine we even forgot – well, nearly – that it felt like -32°C. But we quickly realized how cold it actually was when we did a quick break and were supplied with hot chocolate and very frozen cereal bars. And for the first time, we could also have the experience of learning how to dig a snowmobile-Komatik tandem out of the deep snow. Over the next days, this getting stuck and getting unstuck would happen to us frequently and become a veritable race… We arrived back at the lodge in time for lunch and savored the tasty meal and the warm open fire. Despite having arrived here just the previous day, we already felt totally at home! The drive out in the afternoon was a little less appealing, though. This is because we made three rookie mistakes. First, we didn’t change our (apparently slightly wet) socks during lunchtime. Second, we relied on the time specifications on our hand and foot warmers. And third, we assumed that stylish, Central European ski goggles would be suitable for the climatic conditions up here. With cold hands and feet and fogging, then quickly freezing ski goggles, this drive was rather mediocre… But we learned our lesson(s) and immediately bought new ski goggles at the lodge.

CAMPFIRE

Shortly after sunrise, a so-called sun dog formed around the sun. This phenomenon occurs when the backlight is split into spectral colors due to fine snow crystals. Apparently there were enough of these snow crystals in the air on this cold (-20°C) and blustery (50km/h) morning. That’s why we only planned a brief drive on this morning. This time, we enjoyed our hot chocolate around a warming campfire. The cold was quite tolerable this way. During the break, we suddenly noticed a moose on the other end of a large clearing. He obviously saw us too, or smelled us, because he stared at us for what was undoubtedly 10 minutes while remaining motionless. Then he disappeared and we also headed back after this beautiful encounter. Right after lunch, two foxes appeared directly in front of the lodge! We would have loved to keep watching them – but they seemed to have other plans and disappeared soon after. Contrary to the weather forecast, the wind didn’t lessen in the afternoon – in fact, it became much more intense. Despite this, we decided to do another drive. Thanks to fresh socks and fresh hand and foot warmers, we overcame this windy drive without any problems. In fact, it was so very pretty that we only returned to the lodge at nightfall.

WOLVES

We were quite surprised when we spotted five wolves directly in front of the lodge’s windows. They were so close to the lodge that our telephoto lenses were too strong. Which is obviously a first world problem, and ultimately led to gorgeous close up shots. Since the wolves kept appearing again and again around the lodge throughout the day, we did without a drive and just enjoyed the wild nature around the lodge.

SNOWY OWLS

Contrary to the weather forecast, it was milder and more sunny today compared to the previous days. We made use of this good weather for an extensive trip from which we returned after 3 pm. Closer to the lodge we were able to see “our” wolves again. The scenery at the coast is characterized by rivers, plains and small forests. The rivers run towards the sea, more or less, and the plains run parallel to the coast. And since everything was frozen in winter, you can easily use these paths as driving routes. A few kilometers from the lodge, we spotted a snowy owl on a treetop. Even up here, these animals are rare and that’s why deemed ourselves very lucky to be able to see two of these animals in flight and to take pictures of them. On the way back, we encountered a fox and an moose, although neither of them were really interested in us…

Where there is a sort of mudflat landscape in summer everything was now frozen. And that’s how we were able to explore the shipwreck of the Mooswah in picturesque snow and ice landsacpe because otherwise it would be in a swamp. After so many impressions we arrived hungry at the lodge. Since the afternoon was practically over already, our guides decided to take a trip on the ice at sunset. So we drove straight to the ice of the Hudson Bay, directly from Manitoba to Nunavut. The play of colors at sunset was indescribably beautiful. You can really only experience such colors in the Arctic! At nightfall we drove back to the lodge. What a day!

IGLOO

With a temperature around -20°C and snowfall beginning, we did another short trip with the snowmobiles and Komatiks once again. But even the animals were put off by the nasty weather today, because we didn’t spot any animals during the morning. Since the weather seemed to be getting even worse, we were enthusiastic about the alternative afternoon program: building an igloo. With our combined forces and the know-how of our guide Emri, we managed to build a truly attractive first igloo within roughly three hours. The fact that it was illuminated by the aurora borealis later in the evening rounded off the day perfectly. Churchill Wild patrons Mike Reimer and Albert „Butch“ Saunders were a little less lucky today. They set out on two snowmobiles in order to locate polar bear tracks. They got stuck and broke through the ice several times, however, which turned this journey of discovery into a strenuous 14-hour day. In the end, however, everyone arrived back at the lodge safely.

MORE SNOWY OWLS

The rivers in this region have sonorous names which were given to them by indigenous people, the Cree. In the morning at what felt like -38° C we drove east to the Mistikokan River and then further towards the Mistasini River. In the afternoon, we drove in the opposite direction – first, along the Opoyastin Creek, and then towards the Menahook River. Once again, we discovered snowy owls, both in the morning and afternoon. But the remaining fauna remained invisible apart from tracks and other “legacies.” After returning, we were greeted in the lodge with an downright barbecue and drinks in ice cups. What a nice surprise!

SUNRISE WITH THE WOLVES

Our wolves returned once again. Even before sunrise we could see them sleeping some distance from the lodge. It is quite impressive how resistant these animals are when it comes to the cold. Because today’s morning was once again a cold -38° C, including wind chill. We spent more than an hour outside and observed how the wolves slowly got active. They even got as close as 50 meters to us! The warm morning light created a wonderful atmosphere and turned the photography session into a very special treat. We were truly frozen, but another treat was awaiting us: the sumptuous breakfast at the lodge. We spent the remaining morning with sorting and editing our photos – amounting to several thousand by now. Jad’s expert tips were very welcome in this matter, of course. In the afternoon, the wind picked up to roughly 60 km/h, but in turn the temperature rose a bit. That’s why the drive out in an actual snow storm, made of stirred up snow, was quite bearable and truly fascinating – because the snow flurry created a very special mood.

BEAR TRACKS

All of these wolves, snowy owls, foxes and mooses almost made us forget the original reason we came here. We suddenly became aware of this again when we found tracks of a polar bear mom and a cub on the way to York Factory. Although York Factory – basically the cradle of modern Canada – would have surely been worth a visit, everyone agreed that the bears were priority No. 1. Indeed we knew that the discovered tracks were already a few days old. We also noticed, however, more tracks in the area. So we had to just wait and hope. This wasn’t a problem at all due to sunshine and a mild -6°C. Churchill Wild makes it clear that you shouldn’t follow bears and you shouldn’t startle them. You just have to wait and hope that the bears come by. Although this does reduce the chance of a bear sighting, it is the right thing to do. This is because the mother bears and their cubs have already gone through a very challenging march and still have to face many dangers. It would be unacceptable to stress these animals even more. Unfortunately, we didn’t get more than the tracks. But since we had already been out and about for the entire day, Jad had a good idea: on the way back, we drove to the sea ice once again. By now two wolves had settled down there. They looked like silhouettes against the golden sky. It was just unbelievably gorgeous! We made another stop with the Komatiks directly at the lodge since the remaining wolf pack was very close. Suddenly, one of the wolves began to howl – and one after another, the others joined. Wolves continuously modulate the pitch of their howling so that it actually sounded like a song. We barely dared to breathe and were just so fascinated and touched! The howling or rather singing ended as quickly as it started. But one of the wolves, the female alpha, stood up and walked right towards our Komatik. She stopped about 5 meters in front of us and looked us directly in the eyes. These are the moments you’ll never forget! Then she turned around and ambled off.

NO LUCK

Even before sunrise, we were on our way to the same place as the day before, because there was still the chance of seeing bears there. So we once again made ourselves comfortable with a campfire, and waited. But after noon, our guides got bad news for us. They discovered a so-called daybed – a female bear’s resting spot – which was already showing a thin ice layer again. This was a clear sign that the bear family had already reached the Hudson Bay ice the previous day. On the other hand, this was also good news for us since not every bear family manages to get to the sea ice safely. Knowing that they made it is more valuable than just a pretty photo. On the way back, we spotted a few more moose. With their long legs and peculiar heads, they always somehow look wrongly assembled…

SNOW MOBILES

Today would have been the last chance to see polar bears. It soon became clear, however, that this was most likely not going to happen. In any case, the animals weren’t as active today for some reason. Except for a few small birds at long distance, we didn’t see any animals at all. Because of that we again learned something new. Because there was a dead lemming on the wayside. This small, arctic mouse is kind of like the krill of the local food chain. That’s because basically all larger animals feed on lemmings. But our discovery had apparently been lost by a predator – perhaps a snowy owl – and was now just laying there frozen next to our track. Furthermore, we examined the droppings of a variety of local animals. Moose dung looks like little eggs made of sawdust, because moose eat only sprouts and branches during the winter. The wolf’s dung looks just like a dog’s, but that’s no problem since it’s frozen. The snowy owl regurgitates the non-digestible lemming parts which results in a rather unappetizing ball of fur, bone pieces and teeth. Yes, you can truly learn a lot here 🙂 After noon, we were eventually allowed to take control of a snowmobile. It’s a lot of fun but not as easy as it looks! As soon as we returned to the lodge, we were able to clearly see that it was already being prepared for hibernation again. Various windows had already been secured again, and lots of things had been rewrapped. This is because after the crew as well leaves this place in one or two days, the next guests will only arrive in July. One last cozy evening complemented this fantastic stay.

FAREWELL

On the last morning, the wolves appeared once again directly at the lodge. It really felt like they wanted to say goodbye to us. We were happy about that, but it also made us feel quite wistful. But the decision had already been made to repeat this trip at some point in the future, which made it easier for us say farewell to the wild Kaska Coast.

WINNIPEG

49°53‘N | 97°12‘W ● CANADA

First, we flew to Gillam, and then we swtiched to an airliner from Calm Air. Thus we arrived back in civilization on time and without any issues. That evening, there was yet one more scheduled dinner with our fellow travellers. One could tell that everyone was sad about this “trip of a lifetime” coming to an end. We had planned a spare day in Winnipeg since you can never truly be sure if flights in the Arctic will actually take place. This way we had some buffer which we were able to use instead for some sightseeing and a visit to “The Forks.” And that’s how our trip came to an end, a trip the likes of which we had never experienced before. It was without a doubt the most moving and probably the most beautiful trip we had ever made.

Den Emergence Quest 2019

Den Emergence Quest 2019

Im November warten die Eisbären der Hudson Bay sehnlichst auf das Zufrieren der Bay. Denn im Winter finden sie dort ihre Leibspeise, Robben. Doch nicht alle Bären verbringen den Winter auf dem Meereis. Muttertiere suchen sich in dieser Zeit eine geschützte Höhle an Land, wo sie im Dezember oder Januar ihre Jungen zur Welt bringen. Zu dieser Zeit herrschen Temperaturen von -40°C. Für die kleinen Bären wäre das viel zu kalt. Daher verbringt die junge Bärenfamilie die ersten Monate in der Schneehöhle. Erst wenn die Temperaturen gegen -20°C steigen, wagen sich die Bärenmütter aus ihren Höhlen, den sogenannten Dens. Es beginnt ein kräftezehrender Marsch in Richtung Hudson Bay. Denn für die Bärinnen liegt die letzte ordentliche Robbenmahlzeit fast 10 Monate zurück. Zu dieser Zeit unternahmen wir eine Reise an die wilde Kaska Coast an der Hudson Bay – in der Hoffnung, eine solche junge Bärenfamilie beim Verlassen ihrer Höhle beobachten zu können.

REISEVORBEREITUNGEN

Die klimatischen Bedingungen an der Hudson Bay kannten wir ja schon von unserem Aufenthalt im November. Doch November ist Herbst, März ist Winter. Wir mussten uns also darauf einstellen, dass wir es mit deutlich kälteren Temperaturen zu tun haben würden. Wir packten daher reichlich Hand- und Fusswärmer und diverse Kleiderschichten ein. Auch dieses Mal galt es, die Gepäcklimite von 20kg im Auge zu behalten. Denn in dieser abgelegenen Region bezahlt man nicht einfach für Übergepäck, nein, man lässt es zurück. Denn die kleinen Flugzeuge sind nicht auf grosse Zusatzlasten ausgelegt…

WINNIPEG

49°53‘N | 97°12‘W ● KANADA

Währenddem es in der Schweiz schon recht frühlingshaft war, landeten wir in Toronto bei Schneefall und -4°C. Doch erst unser Weiterflug nach Winnipeg brachte uns dann wirklich in den Winter: -28°C! Da half selbst der strahlende Sonnenschein nicht mehr viel. Doch trotz des kalten Wetters genossen wir den Tag in der Hauptstadt Manitobas. Wir besuchten das architektonisch und inhaltlich sehr sehenswerte Museum for Human Rights und verpflegten uns im ehemaligen Güterbahnhof „The Forks“. 

Bevor wir die übrigen Teilnehmer dieser Reise zum Abendessen trafen, ging’s zur Kleideranprobe. Denn  bei den erwarteten bis -40°C kommt nur die beste Ausrüstung in Frage – und die wurde vom Veranstalter Churchill Wild leihweise zur Verfügung gestellt. So probierten wir in einem gut geheizten Raum im Hotel wattierte Skihosen und warme Daunenparkas… Selbst die Schuhe hätte man ausleihen können, doch da waren wir mit unseren -70°C-Sorel-Schuhen so gut ausgestattet, dass es dazu keinen Anlass gab.

Bereits beim gemeinsamen Abendessen im Hotelrestaurant stellten wir beruhigt fest, dass die nächsten 10 Tage mit Jad, Sylvia, Sue, Coco, Annabelle, Liz und Peter sicherlich sehr unterhaltsam werden würden! Denn wir verstanden uns alle auf Anhieb sehr gut. Jad Davenport, National Geographic Fotograf und unser „Photo Leader“ steigerte mit einem kleinen Ausblick auf die kommenden Tage unsere Vorfreude noch mehr.

KASKA COAST

57°7‘N | 91°40‘W ● NANUK POLAR BEAR LODGE | KANADA

Die Nanuk Polar Bear Lodge wird von Churchill Wild betrieben und ist normalerweise zwischen Juli und November geöffnet. Für die Den Emergence Quest wird sie aber auch im März für 10 Tage in Betrieb genommen. Das bedeutet mehr als eine Woche Vorbereitung, denn uns erwartete eine sehr gemütliche Lodge mit jeglichem Komfort. Dass man im kanadischen Winter hier draussen problemlos warm duschen und exzellent essen kann, ist definitiv nicht selbstverständlich.

Der Weg zur Lodge an der wilden Kaska Coast gestaltete sich aber recht aufwändig. Von Winnipeg flogen wir zunächst mit einer Propellermaschine von Calm Air in die 13´000-Einwohner-Stadt Thompson. Mit einer kleinen Cessna Caravan ging’s dann weiter nach Gillam und nach einem Tankstopp dort schliesslich zur Lodge direkt an der Küste der Hudson Bay. Bereits beim Anflug konnten wir sehen, wie abgelegen dieser Ort ist. Das Gebiet um die Lodge ist rund zehn Mal so gross wie der Yellowstone Nationalpark. Und für die nächsten 10 Tage würden gerade mal 19 Personen (Gäste und Mitarbeiter der Lodge) in diesem Gebiet sein. 

Bereits am ersten Nachmittag machten wir eine kurze Ausfahrt mit den Schneemobilen, resp. den dahinter angehängten Holzschlitten, den Komatiks. Diese wurden in ähnlicher Form schon von den Inuit genutzt. Der Vorteil ist, dass man darin etwas vom Wind geschützt ist. Der Nachteil ist jedoch, dass diese Holzkonstruktionen rein gar keine Federung haben. Bereits geringe Unebenheiten im Schnee oder Eis schütteln einen daher kräftig durch. Spass hat’s trotzdem – oder gerade deshalb – gemacht. 

So wären wir eigentlich genug müde gewesen, um rasch einzuschlafen. Doch bevor wir daran auch nur denken konnten, klopfte es an unsere Tür: Northern Lights! Und zwar vom Feinsten! Was für ein erster Tag „in the middle of nowhere“!

PTARMIGANS

Ptarmigans sind Schneehühner, die mit ihren komplett mit Federn bedeckten Füssen ziemlich cool aussehen. Wir freuten uns daher sehr, als wir bereits nach kurzer Fahrt mit den Komatiks zahlreiche dieser Tiere entdeckten. Bei Sonnenschein vergassen wir sogar fast, dass es gefühlt -32°C kalt war. Dies wurde uns dann aber rasch wieder bewusst, als wir eine kurze Pause machten und mit heisser Schokolade und sehr tiefgefrorenen Getreideriegeln verpflegt wurden. 

Wir konnten auch das erste Mal Erfahrungen sammeln, wie man ein Schneemobil-Komatik-Gespann wieder aus dem Tiefschnee ausgräbt. Dieses getting-stuck-getting-unstuck würde uns über die nächsten Tage noch oft begleiten und zu einem regelrechten Wettrennen werden…

Rechtzeitig zum Mittagessen waren wir zurück in der Lodge und genossen das leckere Essen und das warme Kaminfeuer. Obwohl wir erst gestern hier angekommen waren, fühlten wir uns schon richtig zuhause! 

Die Ausfahrt am Nachmittag war dann etwas weniger attraktiv. Denn wir machten wohl drei Anfängerfehler: Erstens wechselten wir über Mittag die (wohl leicht feuchten) Socken nicht, zweitens vertrauten wir auf die Zeitangaben auf unseren Hand- und Fusswärmern und drittens gingen wir davon aus, dass eine schicke, mitteleuropäische Skibrille für die klimatischen Gegebenheiten hier oben geeignet wäre. Mit kalten Händen und Füssen und mit einer zunächst beschlagenen, rasch aber auch gefrorenen Skibrille war diese Ausfahrt ziemlich mittelmässig… Aber wir haben unsere Lektion(en) gelernt und uns sogleich in der Lodge neue Skibrillen gekauft.

CAMP FIRE

Kurz nach Sonnenaufgang bildete sich um die Sonne ein sogenannter Sun Dog. Dieser entsteht, wenn das Gegenlicht durch feine Schneekristalle in die Spektralfarben zerlegt wird. Und Schneekristalle hatte es an diesem -20°C kalten und mit 50km/h stürmischen Morgen wohl genug in der Luft. Daher planten wir an diesem Vormittag nur eine kurze Ausfahrt. Unsere heisse Schokolade genossen wir dieses Mal bei einem wärmenden Lagerfeuer. So war die Kälte gut auszuhalten. Während der Pause entdeckten wir am anderen Ende einer grossen Lichtung plötzlich einen Elch. Offensichtlich hat er uns auch gesehen oder gerochen. Denn er blickte sicherlich 10 Minuten lang regungslos zu uns rüber. Dann suchte er das Weite und auch wir machten uns nach dieser schönen Begegnung auf den Rückweg. 

Kurz nach dem Mittagessen tauchten direkt vor der Lodge zwei Füchse auf! Gerne hätten wir diesen noch länger zugeschaut – aber offenbar hatten sie andere Pläne und verschwanden schon bald wieder. 

Entgegen der Wettervorhersage flaute der Wind am Nachmittag nicht ab, sondern nahm sogar noch zu. Trotzdem unternahmen wir nochmals eine Ausfahrt. Dank frischen Socken und frischen Hand- und Fusswärmern überstanden wir diese windige Ausfahrt problemlos. Sie war sogar sehr schön, so dass wir erst bei Einbruch der Dunkelheit zur Lodge zurückkehrten.

WOLVES 

Wir staunten nicht schlecht, als wir direkt vor den Fenstern der Lodge fünf Wölfe sichteten. Diese kamen so nahe an die Lodge, dass unsere Teleobjektive zu stark waren. Was offensichtlich ein Luxusproblem ist, führte schliesslich zu wunderschönen Close-Up-Aufnahmen. Weil die Wölfe den ganzen Tag immer wieder rund um die Lodge auftauchten, verzichteten wir auf eine Ausfahrt und genossen einfach die wilde Natur um die Lodge.

SNOWY OWLS

Entgegen der Wettervorhersage war es heute milder und sonniger als an den vorhergehenden Tagen. Dieses gute Wetter nutzten wir für einen ausgiebigen Ausflug, von dem wir erst nach 15:00 zurückkehrten. Bereits näher bei der Lodge sichteten wir wieder „unsere“ Wölfe.

Die Landschaft an der Küste ist geprägt von Flüssen, Ebenen und kleinen Wäldern. Die Flüsse verlaufen mehr oder weniger in Richtung Meer, die Ebenen verlaufen parallel zur Küste. Und nachdem im Winter alles gefroren ist, kann man diese Pfade gut als Verkehrswege nutzen.

Einige Kilometer von der Lodge entfernt sichteten wir auf einem Baumwipfel eine Schneeeule. Diese Tiere sind auch hier oben selten und so schätzten wir uns sehr glücklich, zwei dieser Tiere sogar im Flug sehen und fotografieren zu können. Auf dem Rückweg begegneten wir einem Fuchs und einem Elch, wobei beide nicht wirklich interessiert waren…

Dort, wo im Sommer eine Art Wattlandschaft ist, war jetzt alles tiefgefroren. Und so konnten wir das ansonsten im Sumpf stehende Schiffswrack der Mooswah in einer malerischen Schnee- und Eislandschaft erkunden. Nach so vielen Eindrücken kamen wir hungrig in der Lodge an. Weil der Nachmittag ja schon praktisch vorbei war, beschlossen unsere Guides, eine Fahrt zum Sonnenuntergang auf dem Eis zu unternehmen. So fuhren wir geradewegs aufs Eis der Hudson Bay, direkt von Manitoba nach Nunavut. Das Farbenspiel, das sich uns beim Sonnenuntergang bot, war unbeschreiblich schön. Solche Farben sieht man wirklich nur in der Arktis! Bereits bei Dunkelheit fuhren wir zurück zur Lodge. Was für ein Tag!

IGLOO

Bei rund -20°C und einsetzendem Schneefall machten wir auch heute eine kurze Ausfahrt mit den Schneemobilen und Komatiks. Doch auch den Tieren war es heute offensichtlich zu garstig. Denn der Vormittag blieb ohne Tiersichtungen. Da das Wetter eher noch schlechter wurde, begeisterten wir uns fürs alternative Nachmittagsprogramm: Iglu bauen. Mit vereinten Kräften und dem Know how unseres Guides Emri gelang uns in gut drei Stunden ein wirklich ansprechendes erstes Iglu.

Dass dieses dann am Abend sogar noch mit Polarlichtern illuminiert wurde, rundete auch diesen Tag wunderschön ab. Etwas weniger Glück hatten heute Churchill Wild Patron Mike Reimer und Albert „Butch“ Saunders. Sie machten sich mit zwei Schneemobilen auf, um Eisbärenspuren zu entdecken. Dabei blieben sie mehrfach stecken und brachen ins Eis ein. So wurde aus dieser Erkundungsfahrt ein kräftezehrender 14-Stunden-Tag. Doch am Ende sind alle wohlbehalten wieder in der Lodge eingetroffen.

MORE SNOWY OWLS

Die Flüsse in dieser Region haben klangvolle Namen, die sie von den Ureinwohnern, den Cree, erhalten haben. Bei gefühlten -38°C fuhren wir am Vormittag nach Osten zum Mistikokan River und weiter in Richtung Mistasini River. Am Nachmittag fuhren wir in die entgegengesetzte Richtung, zuerst dem Opayastin Creek entlang, dann Richtung Menahook River. Sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag entdeckten wir wiederum Schneeeulen. Von der übrigen Tierwelt sahen wir heute aber nur Spuren und andere „Hinterlassenschaften“.

Bei der Rückkehr wurden wir mit einem regelrechten Barbecue und Drinks aus Eisbechern in der Lodge empfangen. Was für eine nette Überraschung!

SUNRISE WITH THE WOLVES

Unsere Wölfe waren wieder zurück. Bereits vor Sonnenaufgang konnten wir sie in einiger Distanz zur Lodge schlafen sehen. Es ist schon beeindruckend, wie unempfindlich diese Tiere gegenüber der Kälte sind. Denn der heutige Morgen war inkl. Windchill wieder mal -38°C kalt. Wir verbrachten mehr als eine Stunde draussen und beobachteten, wie die Wölfe langsam aktiv wurden. Sie näherten sich uns sogar auf etwa 50 Meter an! Das warme Morgenlicht schaffte eine wunderschöne Stimmung und machte das Fotografieren zu einem besonderen Leckerbissen. So richtig durchgefroren wartete dann ein ganz anderer Leckerbissen auf uns: das reichhaltige Frühstück in der Lodge. Den Rest des Vormittags verbrachten wir mit dem Sortieren und Bearbeiten unserer mittlerweile mehreren Tausend Fotos. Fachmännische Tipps von Jad waren da natürlich willkommen.

Am Nachmittag frischte der Wind auf etwa 60 km/h auf, doch die Temperaturen stiegen dafür etwas. Die Ausfahrt in einem regelrechten Schneesturm – aus aufgewirbeltem Schnee – war daher gut auszuhalten und wirklich faszinierend. Denn das Schneegestöber zauberte eine ganz spezielle Stimmung.

BEAR TRACKS

Vor lauter Wölfen, Schneeeulen, Füchsen und Elchen hatten wir fast vergessen, weshalb wir eigentlich hierhergekommen waren. Das wurde uns schlagartig wieder bewusst, als wir auf dem Weg zur York Factory auf Spuren einer Eisbärin und eines Jungtiers stiessen. Auch wenn die York Factory, also quasi die Wiege des modernen Kanada, sicher einen Besuch wert gewesen wäre, war allen klar: Bären haben Prio 1! Wir wussten zwar, dass die entdeckten Spuren bereits einige Tage alt waren. Doch es wurden auch weitere Spuren in der Umgebung gesichtet. Also hiess es warten und hoffen. Bei Sonnenschein und milden -6°C war das überhaupt kein Problem.

Beim Anbieter Churchill Wild ist klar: Man verfolgt keine Bären und man schreckt sie auch nicht auf. Man wartet und hofft, dass Bären vorbeikommen. Das reduziert zwar die Chance einer Bärensichtung, ist aber das einzig Richtige. Denn die Bärenmütter und Jungen haben sowieso schon einen sehr herausfordernden Marsch hinter sich und müssen vielen Gefahren trotzen. Solche Tiere zusätzlich zu stressen, wäre inakzeptabel.

Leider blieb es bei den Spuren. Doch nachdem wir schon den ganzen Tag unterwegs waren, hatte Jad noch eine gute Idee: Auf dem Rückweg fuhren wir nochmals aufs Meereis raus. Denn mittlerweile hatten sich dort zwei Wölfe niedergelassen. Diese zeichneten sich wie Scherenschnitte gegen den goldenen Himmel ab. Das war einfach traumhaft schön!

Direkt bei der Lodge machten wir nochmals einen Stopp mit den Komatiks, weil der Rest des Wolfsrudels ganz in der Nähe war. Plötzlich fing einer der Wölfe an zu heulen. Und nach und nach stimmten die anderen ein. Wölfe verändern die Tonhöhe ihres Geheuls immer wieder, so dass es wirklich wie ein Lied klang. Wir wagten kaum zu atmen und waren einfach nur fasziniert und berührt! So plötzlich wie der Gesang angefangen hatte, hörte er auch wieder auf. Doch einer der Wölfe stand auf und trottete genau auf unseren Komatik zu. Etwa 5 Meter von uns entfernt blieb er (oder eher sie) stehen und schaute uns direkt in die Augen. Solche Momente vergisst man nie mehr! Dann machte sie kehrt und zottelte davon.

NO LUCK

Bereits vor Sonnenaufgang machten wir uns heute auf den Weg an dieselbe Stelle wie am Vortag. Denn es bestand immer noch die Chance, Bären dort zu sehen. So richteten wir uns erneut mit einem Lagerfeuer gemütlich ein und warteten. Doch nach dem Mittag brachten unsere Guides schlechte Nachrichten: Sie hatten ein sogenanntes Daybed, also einen Ruheplatz einer Eisbärin, entdeckt, das bereits wieder eine dünne Eisschicht aufwies. Das war ein deutliches Zeichen, dass es die Bärenfamilie bereits gestern aufs Eis der Hudson Bay geschafft hatte. Dies war für uns aber zugleich eine gute Nachricht: Denn bei weitem nicht jede Bärenfamilie schafft es sicher aufs Meereis. Zu wissen, dass es dieser gelungen ist, ist mehr wert als ein schönes Foto.

Auf dem Rückweg sichteten wir noch einige Elche. Diese sehen mit ihren langen Beinen und eigenartigen Köpfen immer irgendwie falsch zusammengebaut aus…

SNOW MOBILES

Heute wäre die letzte Gelegenheit gewesen, Eisbären zu sehen. Doch es wurde bald klar, dass dies kaum geschehen würde. Irgendwie waren die Tiere heute sowieso nicht aktiv. Ausser einigen kleinen Vögeln in grosser Distanz sahen wir gar keine Tiere. Dafür lernten wir wieder einiges. Denn am Wegrand lag ein toter Lemming. Diese kleine arktische Maus ist sowas wie der Krill der hiesigen Nahrungskette. Denn quasi alle grösseren Tiere fressen Lemminge. Unser Fundstück ist aber offensichtlich einem Jäger – vielleicht einer Schneeeule – abhanden gekommen und lag nun tiefgekühlt neben unserem Track. Des weiteren haben wir die Hinterlassenschaften diverser hier lebender Tiere begutachtet. Elch-Dung sieht aus wie kleine Eier aus Sägemehl, denn Elche fressen im Winter ja nur Sprossen und Zweige. Beim Wolf sieht‘s aus wie bei einem Hund, was tiefgefroren aber auch kein Problem ist. Die Schneeeule würgt die nicht verdaubaren Lemming-Bestandteile wieder hoch, was dann ein recht unappetitliches Knäuel aus Pelz, Knochenstücken und Zähnen ergibt. Ja, man kann wirklich viel lernen hier 🙂

Nach dem Mittag durften wir uns zum Schluss noch etwas selber am Steuer eines Schneemobils versuchen. Das macht viel Spass ist aber gar nicht so einfach! Als wir dann in der Lodge zurück waren, konnte man schon deutlich sehen, dass diese nun wieder in den Winterschlaf versetzt werden würde. Diverse Fenster waren schon wieder gesichert und vieles schon wieder verpackt. Denn wenn die Crew hier in 1-2 Tagen ebenfalls weggeht, werden die nächsten Gäste erst im Juli hierher kommen.

Ein letzter gemütlicher Abend rundete diesen wunderbaren Aufenthalt ab.

FAREWELL

Am letzten Vormittag tauchten nochmals die Wölfe direkt bei der Lodge auf. Es war wirklich so, als ob sie sich von uns verabschieden wollten. Das hat uns zugleich gefreut aber auch ziemlich wehmütig gestimmt. Doch der Entschluss war bereits gefasst, diesen Trip irgendwann nochmals zu machen. Dies erleichterte uns den Abschied von der wilden Kaska Coast etwas.

WINNIPEG

49°53‘N | 97°12‘W ● KANADA

Wir flogen zuerst nach Gillam und stiegen dort auf eine Linienmaschine von Calm Air um. So kamen wir rechtzeitig und problemlos zurück in der Zivilisation an. Am Abend stand noch ein letztes Abendessen mit unseren Mitreisenden auf dem Programm. Man spürte deutlich, dass es allen leid tat, dass dieser „trip of a lifetime“ nun zu Ende ging.

Wir hatten noch einen Reservetag in Winnipeg eingeplant, da man bei Flügen in der Arktis ja nie so genau weiss, ob sie auch wirklich stattfinden. So hätten wir noch etwas Puffer gehabt, den wir nun aber nochmals für etwas Sightseeing und einen Besuch in „The Forks“ nutzen konnten. So ging auch für uns eine Reise zu Ende, wie wir sie noch nie erlebt hatten. Sicherlich war es die bewegendste und wohl auch schönste Reise, die wir je gemacht hatten.

Churchill 2018

Churchill 2018

Churchill liegt in Manitoba, Kanada. Mit einer nördlichen Breite von rund 58° liegt es in der Sub-Arktis. Doch das trockene, kalte Klima an der Hudson Bay sorgt dafür, dass hier sowohl Fauna wie auch Flora sehr arktisch anmuten. Bereits im November sind hier -20°C keine Seltenheit. Und genau zu dieser Zeit kommen die Eisbären der Hudson Bay an die Küste und warten, bis diese zufriert und die Bären auf dem Eis auf Robbenjagd gehen können. Unsere Reise nach Churchill fand zu dieser Bären-Hochsaison statt und ermöglichte uns einmalige, berührende Begegnungen. Denn in den Lodges von Churchill Wild kann man Bären nicht nur aus grosser Distanz betrachten, sondern regelrecht mit ihnen spazieren.

REISEVORBEREITUNGEN

Bisher waren wir immer im Sommer in die Arktis gereist. Dann herrschen auch in den Polarregionen Temperaturen, die sich im leicht positiven Bereich bewegen. Im November sieht dies anders aus: Dann sind Temperaturen von -20°C durchaus üblich. Hinzu kommt noch der Wind Chill. Wenn man bei diesen Temperaturen mehrstündige Wanderungen in der Tundra unternehmen will, muss man sich richtig warm anziehen. Also packten wir die wärmsten langen Unterhosen, diverse Schichten an Shirts und Jacken, warme Socken, Handschuhe, Mützen usw. ein. Bis -40°C geprüfte Sorel Schuhe, Canada Goose Expedition Parkas und eine Grosspackung Hand- und Fusswärmer rundeten unsere Expeditionsausrüstung ab. Doch würden auch unsere Kameras solche Temperaturen aushalten? Wir packten auf jeden Fall genügend Reserve-Akkus und luftdichte Beutel fürs Wiederaufwärmen der kalten Kameras ein. Bei einer Gepäcklimite von 20kg in einer weichen Segeltuchtasche war dies schon ziemlich herausfordernd.

WINNIPEG

49°53‘N | 97°12‘W ● KANADA

Schon die Anreise nach Churchill ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. So flogen wir zuerst von Zürich über Frankfurt nach Toronto. Nachdem wir dem Zollbeamten erklärt hatten, dass wir nach Churchill zu den Eisbären reisen, meinte dieser, das sei „awesome“ und liess uns problemlos einreisen. Auch der Flug nach Winnipeg klappte problemlos und so kamen wir spät abends in der Hauptstadt von Manitoba an.

Am nächsten Tag erkundeten wir Winnipeg. Bei winterlichem Wetter besuchten wir diverse Highlights der Stadt, u.a. zwei Museen und ein historisches Quartier beim Zusammenfluss des Red Rivers und des Assiniboine Rivers, das bezeichnenderweise „The Forks“ heisst.

Unsere Reise wurde durch Background Tours organisiert und durch Sylvia Stevens begleitet. Im Flughafen-Hotel The Grand fand als offizieller Auftakt zu dieser Reise ein gemeinsames Abendessen mit unserer Reisegruppe statt.

SEAL RIVER HERITAGE LODGE

58°46‘N | 94°10‘W ● KANADA

Unser Flug nach Churchill sollte bereits frühmorgens starten. Doch schwierige Wetterverhältnisse und die grossen Fracht- und Gepäckmengen sorgten für eine rund zweistündige Verspätung. Wir vermuteten, dass das grosse Frachtaufkommen damit zusammenhing, dass die Eisenbahnlinie von Winnipeg nach Churchill seit rund 18 Monaten unterbrochen war. Daher ist Churchill im Winter nur per Flugzeug erreichbar.

Der Flug nach Churchill verlief angenehm. Bei -8°C und einem steifen Wind waren wir beim Aussteigen in Churchill froh, dass wir bereits unsere warme Winterkleidung trugen. Und nach einer kurzen Wartezeit in dem kleinen Flughafengebäude starteten wir bereits mit zwei Propellermaschinen in die rund 60 Kilometer entfernte Seal River Heritage Lodge. Diese liegt direkt an der Hudson Bay, quasi „in the middle of nowhere“. Die Lodge ist komplett autark und wurde hier vor 25 Jahren von der Familie Reimer aufgebaut und laufend erweitert. Heute umfasst sie 8 Gästezimmer, eine enorm gemütliche Lounge und einen Speisesaal. Alle Räume haben eine tolle Aussicht auf die Bay oder in die Tundra. 

Nach unserer Landung auf einer Schotterpiste wurden wir mit einem kleinen Truck mit Anhänger abgeholt. Einerseits mussten wir so unser Gepäck nicht schleppen und andererseits würden wir so auch keinen Eisbären begegnen. Dass diese Möglichkeit besteht, zeigte sich bereits nach wenigen Metern. Aus dem Gebüsch tauchte ein Eisbär auf und trottete gemütlich neben uns her. Was für ein Empfang!

Nach dem Mittagessen wurden wir informiert, wie man in freier Wildbahn mit Eisbären umgehen muss. Denn bei der Seal River Heritage Lodge beobachtet man Eisbären nicht nur aus der Lodge raus, sondern geht mit den Eisbären regelrecht spazieren. In der 25-jährigen Geschichte der Seal River Heritage Lodge gab es noch nie einen Zwischenfall mit einem Bären. Damit dies so bleibt, sind einige Vorsichtsmassnahmen notwendig. Meist nimmt ein Bär sowieso Reissaus, wenn er einer Gruppe von Menschen begegnet. Bleibt er und zeigt durch sein Verhalten, zum Beispiel indem er wegschaut oder sich gar hinlegt, dass er uns „duldet“, dann kann man sich als Gruppe in Einerkolonne bis maximal 100 Meter nähern. Merkt man, dass ein Bär unruhig wird, so bedrängt man ihn natürlich nicht und geht weg. Und sollte ein Bär wirklich mal auf einen zugehen oder angreifen, dann würden die folgenden Massnahmen von den immer mindestens drei Guides ergriffen:

  1. Rufen (Bären kennen keine Stimmen und erschrecken deshalb meist genug, um wegzulaufen)
  2. Zwei Steine zusammenklopfen (das klingt für Bären gefährlich)
  3. Einen Stein werfen (sollte man den Bären treffen, würde er ob der ungewohnten Berührung wohl davonlaufen)
  4. Mit der Schreckschusspistole schiessen
  5. Den Bärenspray, einen Pfefferspray für Fortgeschrittene, einsetzen
  6. Mit der grosskalibrigen Waffe schiessen (was natürlich unbedingt zu vermeiden ist und auch bei allen drei Lodges von Churchill Wild noch nie vorgekommen ist)

So vorbereitet machten wir uns auf eine erste Wanderung im Eisbärenland. Und tatsächlich sahen wir schon bald eine junge Eisbärin. Sie hatte auf dem Rücken eine grüne Markierung und trug einen Satellitensender im Ohr. Das deutete darauf hin, dass sie der Stadt Churchill mal zu nahe gekommen war und im dortigen Eisbärengefängnis einquartiert wurde, bis sie dann in die Wildnis ausgeflogen wurde. Wir nannten sie daher „Prison Girl“…

Nach dieser wunderbaren Begegnung genossen wir eine kurze warme Dusche. Kurz deshalb, weil hier sämtliches Wasser per Tankanhänger aus einem Eisloch eines nahegelegenen Sees gepumpt, hergefahren und erwärmt werden muss. Da will man nicht unnötig Energie verschwenden. Das Abendessen war unglaublich lecker – die Churchill Wild Lodges sind bekannt für ihre gute Küche. 

Am nächsten Tag starteten wir gleich nach dem reichhaltigen Frühstück zu einer Wanderung. Trotz -16°C und Schneesturm genossen wir die Landschaft und konnten zwei Bären in einiger Distanz beobachten. Doch beide wollten nichts mit uns zu tun haben. Daher machten wir uns auf den Rückweg zur Lodge, wo wir uns wieder etwas aufwärmten. Bei mittlerweile windstillem Wetter machten wir uns auf zu unserem Afternoon Walk. Ausser ein paar Schneehühnern, die bereits ihr weisses Winterkleid trugen, sahen wir keine Tiere. Direkt bei der Lodge sichteten wir dann aber einen Eisbären im Gebüsch. Wir schlichen zurück zur Lodge und konnten den Bären, es war wieder Prison Girl, von innerhalb des Sicherheitszauns aus nächster Nähe sehen und fotografieren. Ein Sprichwort hier lautet „When you look a polar bear in the eye, it changes your life“ – stimmt!

Der nächste Tag war bärenfrei. Auf zwei insgesamt 14 Kilometer langen Wanderungen sahen wir keine Tiere, jedoch wunderbare Licht- und Wolkenstimmungen. Ein grosser Teil der Wanderung führte uns über zugefrorene Seen und durch verschneite Gräser- und Buschlandschaften. Das hat uns mehr als nur entschädigt für das Ausbleiben der Bären. 

Wir waren erst kurz im Bett, als es an unsere Türe klopfte. Polarlichter! Das liessen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Also wieder rein in die Winterkleider, Kamera und Stativ geschultert und raus…  Tatsächlich flackerten am Himmel spektakuläre Polarlichter. Trotz der eisigen Kälte waren wir bestimmt eine Stunde am Fotografieren und Geniessen. Umso besser schliefen wir danach, wobei die warmen Bettflaschen, die uns von den netten Hosts der Lodge bereitgestellt wurden, sicher auch ihren Teil dazu beigetragen haben.

Bei windigem und kaltem Wetter machten wir am nächsten Morgen nur eine kleine Wanderung. Denn kaum waren wir weg, wurde Prison Girl bei der Lodge gesichtet. Das wollten wir nicht verpassen und machten uns daher auf den Rückweg zur Lodge. Kurze Zeit später sichteten wir einen weiteren Bären. Als er sich näherte, sahen wir, dass es sich um einen alten, schwachen Bären handelte. In der Lodge war er gut bekannt und wurde Pete genannt. Er sei schon über 20 Jahre alt und komme jedes Jahr zur Lodge. Man konnte deutlich erkennen, wie gross und mächtig Pete einst gewesen sein muss. Doch nun war er schwach und müde, ein alter Kämpfer am Ende seiner Tage. Sein Gesicht, seine Augen, seine zahlreichen Narben und seine riesigen Pfoten erzählten die Geschichte eines echten Königs der Arktis. Ein so beeindruckendes Tier so alt und schwach zu sehen, war eine der emotionalsten Begegnungen, die wir je erlebt haben. Viele von uns waren wirklich zu Tränen gerührt. Auch andere Bären behandeln solche Veteranen mit viel Respekt. Ein jüngerer Bär habe sogar mal etwas Fressbares übrig gelassen, damit Pete, der wohl nicht mehr jagen mochte, etwas zu fressen hatte.

Nach diesem emotionalen Vormittag machte sich am Nachmittag nur noch ein kleiner Teil der Reisegruppe auf den Afternoon Walk. Wir waren dabei und wurden mit wunderbaren Lichtstimmungen und einer erneuten, kurzen Begegnung mit Prison Girl belohnt.

Als ob dieser Tag nicht schon ereignisreich genug gewesen wäre, zeigten sich am Nachthimmel wieder Polarlichter. Diese waren intensiver und bunter als alles, was wir je gesehen hatten. Unsere Kameras hatten also nochmals eine Nachtschicht vor sich.

Der letzte Morgen in der Lodge war sehr kalt, inkl. Wind Chill waren es heute -25°C. Umso spektakulärer präsentierte sich die dampfende Hudson Bay im Licht der Morgensonne. Nicht mehr lange und die Bay würde zugefroren sein. Unser Flug zurück nach Churchill wurde zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben, weil in Churchill wegen Nebels keine Starts und Landungen möglich waren. Die so gewonnene Zeit genossen wir in der gemütlichen Lounge der Lodge. Und plötzlich tauchten zwei Bären nahe bei der Lodge auf. Einer kam so nahe an den Sicherheitszaun, dass wir ihn fast hätten berühren können. Das Fotografieren war mit dem viel zu langen Teleobjektiv aber eine Herausforderung… Was für ein wunderschöner Abschluss unseres Aufenthalts in der Seal River Heritage Lodge. Wir waren uns einig, dass dies das Schönste war, was wir bisher erlebt hatten.

In Churchill hatte sich der Nebel mittlerweile verzogen und so konnten wir unseren Rückflug mit den Propellermaschinen antreten. Es war spannend zu sehen, wie stark sich das Eis in den letzten vier Tagen bereits verändert hatte. Schon bald würde die Bay komplett zufrieren und die Eisbären zum grossen Fressen aufbrechen…

CHURCHILL

58°46‘N | 94°10‘W ● KANADA

Nach der Landung in Churchill fuhren wir ins Aurora Inn, unsere Unterkunft für die nächsten Tage. Ein spätes Mittagessen im benachbarten Tundra Inn machte uns fit für die folgende Rundfahrt durch Churchill. Erst bei Einbruch der Dämmerung waren wir zurück im Aurora Inn. Doch statt des geplanten Abendessens gab‘s zuerst einen Blackout. Plötzlich war alles dunkel, und zwar nicht nur in unserem Hotel, sondern in ganz Churchill. Respektive sogar in ganz Nord-Manitoba, wie wir über Twitter erfuhren. So ohne Strom in einer abgelegenen Siedlung bei -15°C macht man sich schon einige Gedanken… Doch nach einer knappen Stunde war alles wieder in Ordnung. Sogar ein warmes Abendessen im Tundra Inn gab‘s.

Am nächsten Tag fuhren wir mit einem Tundra Buggy übers Land. Diese umgebauten LKWs haben riesige Reifen, damit sie den empfindlichen Tundra-Boden nicht unnötig beschädigen. Zudem dürfen sie nur auf den vorgegebenen Tracks fahren. Die Eisbären sind bekanntermassen neugierig und kommen durchaus auch mal direkt bis ans Fahrzeug. Weil man im Fahrzeug gut geschützt ist, ist das kein Problem. Nur fürs Fotografieren muss man daran denken, dass man bei einer so nahen Eisbärenbegegnung mit dem 400mm-Teleobjektiv nur noch die Nasenspitze draufkriegt. Wir hatten riesiges Glück und haben diverse einzelne Eisbären, eine Eisbärenmama mit Jungem und zwei zum Spass kämpfende Eisbären gesehen. Alles, was man sich wünschen konnte! Erst nach Sonnenuntergang waren wir zurück in Churchill. Wie zu allen Mahlzeiten assen wir auch an diesem Abend im Tundra Inn. Das Essen schmeckte gut, auch wenn es natürlich vor allem schnell gehen muss – denn November ist hier Hochsaison.

Am nächsten Tag unternahmen wir eine Rundfahrt durch Churchill. Neben dem sehenswerten Museum machten wir einen Stopp beim Postamt. Denn der Poststempel von Churchill ist ein Muss, sei es auf einer Postkarte oder im Reisepass. Weiter ging’s zum Eisbären-Gefängnis, das korrekterweise eigentlich Polar Bear Holding Facility heisst. Dieser alte Flugzeughangar dient als temporäre Behausung für Eisbären, die der Stadt Churchill zu nahe kommen. Früher hat man Bären, die eine Gefahr für die Menschen darstellten, erschossen. Da scheint die heutige Methode, die Tiere einzusperren und nach einigen Tagen oder Wochen mit dem Hubschrauber weit weg vom Churchill wieder auszusetzen, doch um einiges humaner. Besichtigen kann man dieses Gefängnis nur von aussen.  Drinnen ist es dunkel und die Bären kriegen nur Wasser. Früher hat man die Bären offenbar auch gefüttert. Das hat dazu geführt, dass manchmal auch Bären ins Gefängnis eingebrochen sind, weil es ihnen dort so gut gefallen hat. Dass wir beim alten Hangar mit unserem Bus in einer Schneeverwehung stecken geblieben sind und erst mal kräftig schaufeln mussten, ist eine andere Geschichte… Doch hat auch dieses Erlebnis viel Spass gemacht!

Der nachfolgende Rundgang durch den Ort war rasch abgeschlossen. Denn abgesehen von einigen Souvenirshops, einem Supermarkt und einem Baumarkt, gibt es entlang der Main Street nicht viel zu erkunden. Weiter ging’s in den nahe gelegenen nordischen Wald zu einem Schlittenhundeführer. Mit seinem Team Wapusk hat er schon zahlreiche Rennen gewonnen. Und auch wir hatten die Möglichkeit, eine (geführte) Runde mit dem Hundeschlitten zu fahren. Es war faszinierend, wie viel Spass die Hunde am Laufen und Schlitten ziehen haben. Und damit hatten natürlich auch wir einen tollen Nachmittag. 

Den letzten Vormittag in Churchill verbrachten wir nochmals auf einem Tundra Buggy. Wir sahen wiederum einige Eisbären. Einer stellte sich beim Buggy sogar auf die Hinterbeine! Spannend war auch, die stetigen Veränderungen des Eises in der Hudson Bay zu beobachten. Vorgestern mit Nordwind war das Eis dicht an der Küste. Und heute mit Südwind trieb es wieder weit draussen in der Bay. Für uns war das positiv, denn solange die Bay noch nicht zugefroren war, konnte man an Land Eisbären sichten. Die Bay friert übrigens überraschenderweise von Süden nach Norden zu. Das liegt daran, dass im Süden einige Flüsse Süsswasser in die Bay schwemmen. Und da Süsswasser früher gefriert, bildet sich das erste Eis der Hudson Bay immer im Süden.

Nach diesem schönen Abschluss machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Und nach einem zweistündigen Flug waren wir schon wieder zurück in Winnipeg.

RÜCKREISE

Ein letztes Abendessen in Winnipeg und dann ging‘s am nächsten Morgen über Toronto zurück nach Zürich. 

Es wird wohl noch lange dauern, bis wir ganz begreifen, was wir in diesen 10 Tagen alles erlebt und gesehen haben. Definitiv war dies die bisher schönste Reise, die wir je unternommen haben. Wiederholung also durchaus nicht ausgeschlossen! 

Kamera & Co.

Was muss man an technischer Ausrüstung auf eine Reise in die Arktis mitnehmen? Es kommt darauf an…

Grundsätzlich kann man auch in der Arktis mit einem Smartphone gute Landschaftsfotos schiessen. Doch wenn es um Tierfotos geht, kommt man nicht um eine Kamera mit Teleobjektiv herum. Und wer Polarlichter festhalten möchte, ist mit einem lichtstarken Weitwinkelobjektiv und einem Stativ gut beraten. Nachdem es keine allgemein gültigen Regeln gibt, halten wir einfach mal fest, was sich bei uns bewährt hat, wenn‘s in die Arktis geht.

KAMERA

Wir fotografieren mit der Sony A7R IV. Diese bietet mit ihren 61 Megapixeln Auflösung auch die Möglichkeit, einen Ausschnitt zu vergrössern und damit ein Tier noch etwas näher heranzuholen. Zudem ist der Akku dieser Kamera wirklich stark, selbst bei Temperaturen von -20°C. Was aber nicht heisst, dass man den oder die Reserveakkus zuhause lassen sollte. Mindestens ein Reserveakku macht auf jeden Fall Sinn, für längere Trips ohne Lademöglichkeit auch mehrere. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein externes Ladegerät, damit man leere Akkus nachladen kann, während man mit einem vollen Akku weiterfotografiert.

Da es in der Arktis in der Regel keine Möglichkeit gibt, irgendwelche Ausrüstung dazuzukaufen, sollte auf jeden Fall eine Reservekamera dabei sein. Ob dies eine kleinere Kamera ist oder eine zweite grosse, hängt vom persönlichen Budget ab. Leichter reist man überraschenderweise auf jeden Fall, wenn man eine zweite grosse Kamera dabei hat. Denn diese benötigt keine zusätzlichen Akkus, keine Ladegeräte, keine Objektive und keine andere Tasche.

OBJEKTIVE

Es gibt Universalobjektive, die einen Bereich von ca. 20 bis 240mm abdecken. Oft überzeugen diese aber von der Qualität her nicht. Denn währenddem bei den Kameras die Gehäuse durchaus immer kompakter werden, gilt bei den Objektiven nach wie vor: Gute Qualität bedeutet viel Glas und damit viel Gewicht.

Mindestens ein 24-70mm und dazu ein 70-200mm oder 100-400mm sollten es für Naturaufnahmen auf jeden Fall sein. Wer z.B. Vögel fotografieren möchte, sollte eher in Richtung 600mm denken, sei es per Telekonverter oder mittels „normaler“ Brennweite. Im Normalfall reicht eine Blende f4 gut aus, womit die Objektive etwas kompakter ausfallen. Wer aber maximale Lichtstärke möchte oder benötigt, der ist natürlich mit einer Blende f2.8 noch besser beraten. Wobei sich der Sprung von f4 auf f2.8 durchaus in Gewicht und Preis mit einem Faktor 2 niederschlagen kann.

Eine gute Ergänzung im Weitwinkelbereich ist ein 16-35mm oder sogar ein 12-24mm. Damit gelingen wunderbar dramatische Landschafts- und Wolkenaufnahmen.

FILTER

Hier gehen die Meinungen auseinander. Die einen sagen, dass man ohne Filter gar nicht fotografieren kann. Andere finden es schade um die optische Qualität eines guten Objektivs, wenn man nachher eine Glasscheibe davorschraubt. Wir gehören eher zur zweiten Gruppe, fotografieren also meist ohne Filter.

SPEICHERKARTEN 

Wir nutzen meist 128 oder 256 GB Karten mit der Geschwindigkeit von mindestens UHS-I (also >95 MB/s). Das reicht problemlos für Serienaufnahmen oder 4K-Videos aus. Die schnelleren UHS-II Karten kosten massiv mehr und bringen in der Realität nur dann etwas, wenn die Kamera die höheren Datenraten überhaupt bedienen kann. Ob man mehr als 128 GB Speicherkapazität benötigt, ist individuell unterschiedlich. Wir haben mit dieser Kapazität gute Erfahrungen gemacht, da darauf mehrere Tausend Fotos im RAW-Format gespeichert werden können. Trotzdem ist es aus Datensicherungsgründen eventuell keine schlechte Idee, nach x Tausend Fotos mal eine andere Karte einzulegen.

 Wir nutzen übrigens Vollformat SD-Karten. Das Risiko, die kleinen Micro-SD-Karten beim Hantieren – möglicherweise mit Handschuhen – zu verlieren, ist einfach zu gross. Und auch die normalen SD-Karten sind ja recht handlich.

STATIV

Tagsüber benötigt man mit Brennweiten bis 400mm an sich kaum ein Stativ, es sei denn, man möchte irgendwelche Bewegungsunschärfen durch Langzeitbelichtungen erzeugen. Bei schwächerem Licht oder extremen Brennweiten empfiehlt sich aber auf jeden Fall ein Stativ. Und weil man ausser vielleicht im Hochsommer bei Mitternachtssonne, nie wissen kann, ob man allenfalls Polarlichter sieht, gehört ein Stativ unbedingt dazu.

Wir nutzen ein Novoflex Stativ. Das bietet eine optimale Standfestigkeit, auch bei schwereren Objektiven. Mit maximal 2 kg ist es aber immer noch einigermassen erträglich vom Gewicht her. Hinzu kommt, dass es sehr modular aufgebaut ist. Die Beine können als Einbeinstativ genutzt werden. Und es gäbe sogar Walking Stöcke, die man auch als Stativbeine nutzen könnte. Wenn man denn während des Fotografierens keine Stöcke benötigt…

TASCHEN

Es gibt unzählige Taschen und Rucksäcke und damit eigentlich kein Richtig oder Falsch. Möglichst flexibel einteilbar, gut gepolstert und einigermassen wasserfest sollte die Tasche sein. Und nicht grösser, als die Fluggesellschaften als Handgepäck erlauben.

Uns gefallen die Taschen und Rucksäcke von PeakDesign und Gitzo sehr gut. PeakDesign kommt etwas stylischer daher und ist gerade im städtischen Umfeld unsere erste Wahl. Wir haben mittlerweile unterschiedliche Grössen der Rücksäcke und Taschen und entscheiden je nach Ausrüstung und Destination, was am meisten Sinn macht. Ist man den ganzen Tag in der Natur, so macht ein etwas grösserer Rucksack sicher Sinn. Reist man mit einem Schiff und ist nur kurz an Land, dann reicht auch eine kleinere Umhängetasche.

Für die richtig grossen Objektive bietet PeakDesign aber keine Lösung. Hier hat sich ein Gitzo Adventury 45l bewährt. Da passt alles rein, was man schleppen möchte. Und trotzdem ist er (fast) handgepäcktauglich.

GPS

Wenn die eigene Kamera kein GPS hat und damit die Fotos nicht automatisch mit den Koordinaten versehen werden, gibt es verschiedene Optionen, dies zu lösen. So richtig optimal ist keine, denn alle erfordern zusätzliche Arbeitsschritte. Welche man wählt, wenn man die Koordinaten überhaupt speichern möchte, hängt davon ab, was man sonst noch mit GPS machen möchte.

Manche Kameras bieten eine Smartphone-App, über die man die Koordinaten direkt via Bluetooth in die EXIF-Daten der Fotos speichern kann. Das bedeutet, dass man das Smartphone dabei haben, die App laufen und die Verbindung klappen muss. Für uns sind das zu viele Wenn und Aber…

Alternativ kann man einen beliebigen GPS-Tracker nutzen, sei es in einer Smartwatch (z.B. Garmin) oder als Stand-alone Gerät (z.B. Bad Elf). Per App oder PC-Software werden dann die Tracks exportiert und über eine separate Software in die Metadaten der Fotos geschrieben.

Letztlich gibt es auch Satelliten Tracker, die zusätzlich zum Aufzeichnen der Position auch regelmässig die Position übermitteln. So können die Zuhausegebliebenen die eigene Reiseroute quasi in Echtzeit mitverfolgen. Hier kommt z.B. das kompakte Garmin InReach Mini in Frage. Wichtig ist, dass die Datenübermittlung per Iridium erfolgt, da nur dieses Netzwerk auch in den Polargebieten funktioniert. Für die Datenübermittlung entstehen laufende Kosten. Netter Nebeneffekt: Über ein solches Gerät ist man im Notfall auch erreichbar, resp. kann selber Nachrichten versenden.

KÄLTESCHUTZ

Reist man im Sommer in die Arktis, so darf man (leicht) positive Temperaturen erwarten. Diese sind für die Kameras unkritisch. Anders sieht es im Winter aus, wo Temperaturen von -20°C keine Seltenheit sind. Selbst wenn Kamera und Akku das aushalten: Würde man die so kalte Kamera in einen beheizten Raum mitnehmen, so würde sie sofort innen und aussen beschlagen. Schon alleine diese Feuchtigkeit wäre schädlich für die Elektronik. Geht man mit der beschlagenen Kamera wieder nach draussen, so kann die Feuchtigkeit gefrieren und die elektronischen Bauteile sprengen. Dann war‘s das mit der Kamera. Daher sollte man unbedingt luftdichte Beutel dabei haben, in die man die Kamera jeweils noch draussen an der Kälte einpacken kann. So verpackt kann die Kamera über die nächste Stunde ohne Feuchtigkeit akklimatisieren und dann problemlos aus dem Beutel entnommen werden. Will man den Akku schon laden und die Fotos schon von der Speicherkarte ziehen, dann sollten diese beiden Komponenten noch draussen entnommen werden.

An sich tut hier jeder genug grosse, luftdichte Plastiksack gute Dienste. Komfortabler sind aber die Beutel von Sea to Summit, die es in verschiedenen Grössen gibt.

Was für Kameras gilt, gilt übrigens auch für Objektive und andere nicht wasserdichte elektronische Geräte.

Aus der obigen Überlegung macht es Sinn, eine Reservekamera einzupacken, die man nicht mit ins Feld nimmt. Denn aufgrund der notwendigen Aufwärmzeit der kalten Kameras kann man während dieser Zeit sonst keine Fotos machen, wenn z.B. ein Tier vor dem Fenster durchläuft oder man im Innern des Gebäudes etwas festhalten möchte.

WEITERES ZUBEHÖR

Weiteres Zubehör, das wir meist dabei haben:

  • Anker und Tragriemen von PeakDesign
  • Schnellverschlüsse fürs Stativ von PeakDesign oder Novoflex
  • Schnellverschlussklemmen für den Rucksackträger, ebenfalls von PeakDesign
  • Blasebalg, sollte sich mal ein Staubkorn auf den Bildsensor verirren
  • Notebook oder Tablet für die Datensicherung und Bildbearbeitung
  • Ausreichend viele Ladegeräte und -kabel
  • Länderspezifische Zwischenstecker