Polarlichter fotografieren

Wer Polarlichter fotografieren möchte, muss sich auf Kälte und Dunkelheit einstellen. Es ist also eine gute Idee, sich schon mal bei Licht und Wärme mit dem Thema auseinanderzusetzen.

AUSRÜSTUNG

Polarlichter sieht man in der Arktis. Und dort ist es meist kalt, insbesondere nachts. Warme Kleidung und Handschuhe sind also ein Muss. Im Winter sind zudem auch Hand- und Fusswärmer nützlich, da dann die Temperaturen in der Arktis bei deutlich unter -20°C liegen können. Bei so grosser Kälte sollte man daher auch Ersatzakkus mitnehmen. Und zudem darf ein luftdichter Plastiksack nicht fehlen, um die Kamera nach getaner Arbeit langsam und ohne Kondensat wieder aufzuwärmen.

Wer seine Kamera nicht komplett blind bedienen kann (und das sind die wenigsten unter uns), sollte eine Stirnlampe oder eine Taschenlampe mit Clip mitnehmen. Diese ist nützlich, wenn man doch mal kurz die Kameraeinstellungen überprüfen muss. Zudem kann eine solche Lampe auch zum Light Painting genutzt werden, doch dazu später mehr.

Grundsätzlich ist jede Kamera für Polarlichtaufnahmen geeignet, die man komplett manuell einstellen kann. Ein möglichst lichtstarkes Weitwinkelobjektiv ist auf jeden Fall Pflicht. Bei uns hat sich ein 24-70mm f2.8 oder ein 16-35mm f2.8 bewährt.

Und last but not least benötigt man ein gutes Stativ. Dieses sollte genug stabil sein, damit die Kamera auch bei Wind nicht wackelt. Es lohnt sich also, bei der Nutzlast etwas höher zu gehen als das tatsächliche Gewicht der Kamera. Wenn Kamera und Objektiv max. 1.5 kg wiegen, ist eine Nutzlast von 4-5 kg sicherlich hilfreich.

Wenn es wirklich kalt ist, sollte man weder die Kamera, noch den Sucher, noch das Stativ mit der Haut berühren. Denn bei so kaltem Material würde man leicht festfrieren!

Also nochmals in Kürze:

  • Warme Kleidung
  • ev. Wärmepads (auch für die Akkus gut!)
  • Luftdichter Plastiksack für Kamera
  • Manuell einstellbare Kamera
  • Lichtstarkes Weitwinkelobjektiv
  • Stativ
  • Taschenlampe

EINSTELLUNGEN

Um Polarlichter richtig kräftig abzubilden, ist eine Langzeitbelichtung nötig. Bei uns haben sich folgende Einstellungen bewährt:

  • Einstellung M (Manuell) oder S/T (Zeitvorwahl)
  • Belichtungszeit 15 Sekunden
  • Blende 2.8
  • ISO-Wert 1000 (als Vorwahl oder Maximalwert)
  • Selbstauslöser 2 Sekunden (um eine Verwackelung durchs Auslösen zu vermeiden)
  • Manueller Fokus

Bei Belichtungszeiten von mehr als 15 Sekunden kann es bereits zu Bewegungsunschärfen bei den abgebildeten Sternen kommen. Und bei einem ISO-Wert von mehr als 1000 steigt das Bildrauschen an.

Die grösste Herausforderung ist der Fokus. Denn bei fast kompletter Dunkelheit funktioniert der Autofokus nicht. Man muss also manuell fokussieren. Doch auch das ist bei Dunkelheit nicht einfach. Wenn man z.B. einen Baum oder ein Gebäude im Vordergrund hat, sollte man auf dieses scharf stellen. Doch wie? Der beste Trick ist tatsächlich, bereits bei Tageslicht mögliche Aufnahmestandorte auszukundschaften und den Fokus bereits bei Licht einzustellen. Am besten fixiert man den Fokusring dann mit einem Klebestreifen. Sony-Kameras zeigen die Entfernung beim manuellen Fokussieren zudem digital an. Hier kann man sich natürlich auch einfach die entsprechende Fokusdistanz merken und auf den Klebestreifen verzichten.

Auch wenn man keinen Vordergrund im Bild hat, ist das Fokussieren nicht ganz einfach. Der erste Gedanke wäre, auf „unendlich“ zu fokussieren. Doch heutige Kameraobjektive haben bei „unendlich“ keinen Anschlag, sondern gehen zum Schutz des Autofokus-Antriebs über die Unendlichposition hinaus. Auch ohne Vordergrund muss man dem Fokussieren also Aufmerksamkeit schenken.

LIGHT PAINTING

Mit einer einfachen Taschenlampe kann man mit etwas Unterstützung von einer zweiten Person lustige Effekte erzielen. Die zweite Person kann z.B. während der Belichtungszeit ein Gebäude im Vordergrund kurz mit der Taschenlampe beleuchten. Bleibt die Person in Bewegung und zeigt mit der Lampe nie in Richtung Kamera, so sind weder Person noch Lampe sichtbar.

Light Painting mit einer Taschenlampe
Light Painting mit einer Taschenlampe

Selbstverständlich kann man mit der Lampe auch irgendwelche Botschaften und Muster direkt in die Kamera „zeichnen“. Aus unserer Sicht macht dies aber bei Polarlichtern weniger Sinn. Der Fantasie sind aber natürlich keine Grenzen gesetzt.

ZUM SCHLUSS

Polarlichter sind in Natura etwas unglaublich Beeindruckendes. Doch sie leuchten nicht so intensiv, wie man das von Fotos kennt. Erst die Langzeitbelichtung und eine geeignete Nachbearbeitung (z.B. in Lightroom) bringen die Farben so richtig schön zum Leuchten.